Im Visier der Justiz

Fler: Zahlt der Berliner Rapper Schutzgeld an Hells Angels?

  • Yannick Hanke
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Fler muss sich einem Schutzgeld-Vorwurf stellen. Dem Berliner Deutschrapper wird angehängt, viel Geld an die Hells Angels, die sich selbst als „Gesetzlose“ bezeichnen, zu zahlen.

  • Zahlt Deutschrapper* Fler Schutzgeld an Rockerbande Hells Angels?
  • Berliner Rapper äußert sich dazu ausführlich.
  • Kriminelle Verstrickungen im Deutschrap nichts Neues.

BerlinDeutschrapper Fler gibt in seinen Songs und auf den diversen Social Media-Plattformen stets den harten Kerl. Diffamierungen von vermeintlichen Kollegen*, Pöbeleien gegen Obrigkeiten oder Drohungen gegen die hiesige Presse – der Bandbreite des 38-jährigen Berliners ist nahezu keine Grenze gesetzt. Kontakte zum kriminellen Milieu wurden „Flizzy“, wie er von seinen Fans mitunter genannt wird, aber noch nicht gesagt. Das ändert sich nun, denn der Vorwurf, Schutzgeld an den Motorrad- und RockerclubHells Angels“ zu zahlen, steht im Raum.

Rapper:Fler
Geboren:3. April 1982 (Alter 38 Jahre), Berlin
Größe:1,85 m
Vollständiger Name:Patrick Losenský
Plattenfirmen:Maskulin, Aggro Berlin, Ersguterjunge

Fler: Kontroverser Flizzy in aller Munde – Zahlt der Berliner Schutzgeld an die Hells Angels?

Es gibt wohl kaum einen Deutschrapper, der so viel Stress mit anderen Sprechgesangskünstlern hat, wie Fler. Nicht zuletzt seine Streitigkeiten mit dem Hamburger* Gangster-Rapper Bonez MC* sind in aller Munde und unterhalten seit einigen Jahren sowohl Fans als auch Außenstehende. Da wird auch schon mal zur Plastik-Karotte gegriffen*, um Flizzy zu denunzieren und auf eine angebliche Vergewaltigung des Berliners anzuspielen.

Aktuell steht der Ex-Aggro Berlin-Rapper in den Schlagzeilen, da ihm Rassismus von anderen Akteuren der Deutschrap-Szene vorgeworfen* wird. Auslöser war eine Textzeile des Songs „Mood“, in dem sich Fler despektierlich über seinen ehemaligen Kumpel, den schwarzen Jalil, geäußert hat. Flizzy wollte ihn aber keinesfalls aufgrund seiner Hautfarbe dissen. Nur eine Ausrede, denkt sich Nu51 von der Bantu Nation, der mit dem Track „Patricia“ gegen den 38-Jährigen schoss und mit diesem abrechnete.

Die Hells Angels sind nicht nur der Berliner Polizei ein Dorn im Auge. Reichen ihre kriminellen Machenschaften so weit, dass sie Schutzgeld von Deutschrapper Fler erpressen? (Archivbild)

Eine Situation, die für Patrick Losenský, wie Fler mit bürgerlichem Namen heißt, nicht gänzlich neu ist. Schon in den Anfangsjahren seiner Karriere sah sich der Deutschrapper immer wieder Stimmen ausgesetzt, die ihn in der politisch rechten Ecke verorten wollten. Dazu beigetragen hat ein Song wie „Neue Deutsche Welle“, auf dem Flizzy bewusst provokant mit seiner Nationalität und dem Stolz darüber kokettiert. Disstracks und Kritik im Allgemeinen sind das eine, doch können Unstimmigkeiten zuweilen auch so sehr eskalieren, dass es gar lebensbedrohlich wird.

Fler gab bereits mehrfach zum Besten, dass ihm Personen aufgelauert hätten, die ihm nach den Leben trachteten. Im Jahr 2007 wurde der Deutschrapper nach einem Auftritt bei MTV von drei vermummten Männern mit Messern attackiert. Ein Angriff, der von Flizzys Bodyguard abgewehrt werden konnte. Doch seit jeher hält sich das Gerücht, dass der Berliner Schutzgeld an Großfamilien bezahlt, um seine eigene Sicherheit zu gewährleisten. Nun ist der Vorwurf aufgekommen, dass Fler auch an die Hells Angels Geld bezahlen würde, um vor etwaigen Angriffen geschützt zu sein. Vielleicht sogar vor direkten Attacken des Motorrad- und Rockerclubs selbst?

Deutschrapper Fler bezieht Stellung – Hells Angels: „Gesetzlose“ in den USA und Deutschland

Wie es sich für einen Rapper im 21. Jahrhundert gehört, der ansatzweise etwas auf sich hält, hat sich Fler umgehend zu den Gerüchten und Vorwürfen geäußert - stilecht per Instagram-Story. In einer munteren Frage-Antwort-Runde lässt der 38-Jährige seine Follower wissen, dass er den Hells Angels kein Geld gezahlt habe. „Wenn ich das getan hätte, hätte ich dann Ärger mit denen gehabt? Macht keinen Sinn", lautet die Antwort des Hauptstädters.

Zur Einordnung: Der „Hells Angels Motorcycle Club“ (HAMC) wurde im Jahr 1948 in den USA gegründet und ist offiziell ein Motorradclub. Doch nicht von ungefähr bezeichnen sich die Mitglieder als „Gesetzlose“, wird der Club doch seit Jahrzehnten mit Straftaten der verschiedensten Art in Verbindung gebracht. Weltweit kam und kommt es immer wieder zu Verurteilungen einzelner Mitglieder, denen Gewalt- und Drogendelikte sowie Schutzgelderpressungen nachgewiesen wurden und werden.

Der deutsche Ableger, der „Hells Angels MC Germany“, ist seit 1973 aktiv und der Polizei seit jeher ein Dorn im Auge. Das hiesige Pendant wurde von Vertretern aus der Politik, den Medien und der Kriminalitätsbekämpfung als kriminelle Vereinigung eingestuft und gilt als sogenannte „Outlaw Motorcycle Gang“. Seit nunmehr zehn Jahren wird gar ein bundesweites Verbot von den Innenministern überprüft.

Deutschrap und Rockerclubs: Fler, Kollegah und Bass Sultan Hengzt kokettieren mit Motorrad-Gangs

Auch Deutschrapper Fler hatte bereits Kontakt mit den Hells Angels. Im Juni 2019 wurde durch Flizzy selbst publik, dass Silla, Muskelprotz, MC und ehemaliger Kumpel Flizzy in Personalunion, den Berliner an die Hells Angels verraten habe. In einem Livestream ließ der 38-Jährige Folgendes verlauten: „Was ist mit Silla passiert? [...] Wisst ihr, was der Typ gemacht hat, Dicka? Der hat mich so oft verraten. Ich weiß noch, wo ich mit irgendwelchen Hells Angels Stress hatte, saß der Typ mit mir im Studio und hat undercover mit SMS verraten, wo ich mich gerade aufhalte. Solche Sachen kamen am Ende, wo ich so richtig harte Zeiten hatte. Und es ist wie immer, Freunde werden Feinde“.

Die Verbindungen zwischen Deutschrap und Rockerclubs lassen sich jedoch noch viel weiter zurückverfolgen. In der Retrospektive wird deutlich, dass ein „Anbandeln“ oft gängige Praxis ist, um sich nicht zuletzt mediale Aufmerksamkeit zu sichern. Der ebenfalls aus Berlin stammende Rapper Bass Sultan Hengzt veröffentlichte bereits 2009 ein Musikvideo, in dem er mit Mitgliedern der „Muchachos Boys“, einer Motorrad-Gang aus Berlin-Neukölln, um die Wette posierte.

Ein Blick nach Düsseldorf zeigt, dass Kollegah, der die stolze Summe von 100.000 Euro an die RTL2-StarsDie Geissens“ zahlen darf*, Ähnliches probierte. Der selbsternannte „Boss“ drehte für ein Video mit „ein paar Typen mit Kutten“, wie „Vice“ es nennt. Um welche Gruppierung es sich hierbei handelt, ist nach wie vor unklar. Statisten, die alle Klischees erfüllen wollen, sind nicht ausgeschlossen.

Und auch Fler selbst hat eine weitere „Rockerclub-Geschichte“ parat. Für die visuelle Umsetzung des Songs „Echte Männer“ holte Flizzy sich die Hells Angels Berlin aka „Nomads MC ins Boot. Provokation war nicht zuletzt durch die Thor-Steinar-Jacken gegeben, mit denen sich die Hells Angels aus der Hauptstadt für das Musikvideo „schmückten“. Zur Einordnung: die deutsche Bekleidungsmarke Thor Steinar gilt für den Verfassungsschutz als ein Erkennungsmerkmal der rechtsextremen Szene.

Bekommt Berlin-Rapper Fler „Schutz“ von den Hells Angels? (24hamburg.de-Montage)

Provokateur wider Willen: Deutschrapper Fler polarisiert mit Image

Damit schließt sich ein Kreis und Kritiker können erneut auf den bereits im Jahr 2005 veröffentlichten Song „Neue Deutsche Welle“ verweisen, in dem es unter anderem heißt: „Das ist Schwarz-Rot-Gold, hart mit stolz / Man sieht's mir nicht an, doch glaub mir, meine Mum ist deutsch“. Provozieren will gelernt sein. Doch zurück zum Nomads MC. Schnell überschlugen sich die Ereignisse und Flizzy wurde angeblich von Mitgliedern des Chapters angegriffen. Daraufhin behaupteten andere Deutschrapper, Fler hätte gegen seine einstigen Beschützer ausgesagt. Viele der Mitglieder wurden mittlerweile wegen Mordes angeklagt.

Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass Fler bevorzugt mit der Symbolik und Optik von sogenannten „Rockern“ kokettiert, sich jedoch von diesen Vereinigungen distanziert und auch nicht wissen will, was dort geschieht. Machen, wonach einem der Sinn steht - ein Motto, das auch 187 Strassenbande-Rapper Maxwell verinnerlicht zu haben scheint. Kaum wegen des unerlaubten Besitzes von Rauschmitteln zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt worden, genießt der Gangster-Rapper erstmal einen Joint vor dem Amtsgericht in Hamburg-St. Georg*. Wohl dem, der keine Konsequenzen scheut. // Quelle: 24hamburg.de-DeutschRap

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