Provakation gegen Schwarze

Rap-Rassist Fler? Disstrack gegen „Flizzy“ – Deutschrapper reagiert beleidigt und angriffslustig

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Deutschrapper Fler sieht sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Und „erntet“ von Rapper Nu51 von der Bantu Nation den Disstrack „Patricia“. Doch „Flizzy“ weiß sich zu wehren.

  • Deutschrapper* Fler ein Rassist?
  • Disstrack von Nu51: Harte Vorwürfe gegen „Flizzy“.
  • Trotzreaktion: Fler mobilisiert Fans, Support via Telegram.

Berlin - Im Volksmund heißt es, dass wer austeilt, auch einstecken muss. Sollte in der Theorie auch bzw. besonders für Deutschrapper gelten. In der Praxis sieht dies aber oft anders aus. Jüngstes Beispiel hierfür ist der Berliner Fler, der sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert sieht und diese auf seine eigene Art und Weise verarbeitet. Auslöser sind eine kontrovers diskutierte TextzeileFlizzys“ und der DisstrackPatricia“ von Nu51, Mitglied der Bantu Nation und offenbar kein Freund des Hauptstädters.

Rapper:Fler
Geboren:3. April 1982 (Alter 38 Jahre), Berlin
Größe:1,85 m
Vollständiger Name:Patrick Losenský
Plattenfirmen:Maskulin, Aggro Berlin, Ersguterjunge

Deutschrapper Fler mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert - Disstrack von Nu51 erhitzt die Gemüter

Angefangen hat alles mit der Originalversion des Songs „Mood“ von Flers neuestem Album „Atlantis“. Auf dieser bezeichnet der Deutschrapper sein ehemaliges Signing, den schwarzen Künstler Jalil, als „slave“, zu Deutsch „Sklave“. Der Berliner hatte zunächst darauf verwiesen, dass es sich hierbei lediglich um einen kunstvollen Vergleich handeln soll. Dieser würde sich auf die Figur Django, ebenfalls eine schwarze Person, aus Quentin Tarantinos Film „Django Unchained beziehen.

„Doch du warst zu Pinky, ich Brain / Im Apple Store warst du ein Slave / Bei mir dann Django Unchained“, lautet die angesprochene Textzeile. Im Kontext der „Django Unchained“-Metaphorik impliziert Fler, dass er selbst Dr. King Schultz, gönnerhafter Retter von Django, ist. Dieser wird aus einem Sklavenzug befreit, arbeitet mit Schultz zusammen und über die Dauer des Films entwickelt sich eine Freundschaft. Ein bewusst gewählter, provokanter Vergleich von Flizzy, den Jalil via Instagram wie folgt kommentierte: „Hättest gleich N**** sagen können. Wäre der gleiche Effekt gewesen“.

Drückt die Farbe seines Pelzmantels bereits aus, für welche Hautfarbe Flers Herz schlägt? Der Deutschrapper sieht sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert, die auch in Form eines Disstrack daherkommen. (Screenshot)

Konnte Fler so nicht stehen lassen. Der 38-jährige Deutschrapper bezeichnete die Personen, die ihm immer wieder Rassismus vorgeworfen haben, als „Idioten“. Seine Einordnung bzw. Erklärung hinsichtlich der „slave“-Zeile fiel auch eher dürftig aus. Flizzy deutete an, dass seine Wortwahl nichts mit der Hautfarbe zu tun hätte. „Du bist für mich genau so ein ´Slave‘ wie Bushido einer ist!“, lautete die Begründung des Berliners.

Offener Schlagabtausch: Deutschrap-Beef - Rassismus-Debatte um Fler, Bantu Nation teilt aus

Wohl nicht genug für den schwarzen Deutschrapper Nu51 von der Bantu Nation, der sich mit seinem neuen Song „Patricia“ an Fler richtet und deutliche Worte für den vermeintlichen Rassisten findet. „Du solltest wissen, wo dein Platz ist“, rappt der Dürener und bezieht sich unter anderem auf die rassistischen Zeilen der ersten Version von „Mood“. Zwar wurde die kritische Textzeile von Fler entfernt, jedoch betrachtet Nu51 die Situation immer noch überaus kritisch. „Kein Wort wird vergessen", heißt es von seiner Seite.

Der als Disstrack aufzufassende Song „Patricia“ wurde am Freitag, 12. Juni veröffentlicht. Nur einen Tag darauf folgte Flers Reaktion via Instagram-Story. Eigentlich hab ich mich nur entschuldigt [sic] weil die Line gegen Jalil nicht politisch korrekt war. Aber wenn wir jetzt wieder unter Rappern dissen und action [sic] machen können ...? Gerne“, schreibt der Berliner mit einem Smiley versehen.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass ausgerechnet ein Rapper der Bantu Nation, Sub-Label von Chapter ONE und Universal Music, sich mit solch drastischen Worten an Fler wendet? In einem Interview mit TV Strassensound erwähnte der Berliner im Kontext der „slave“-Zeile die Bantu Nation, woraufhin mehrere Deutschrapper Flizzy mit Ansagen und ebenfalls Interviews unter Druck setzten wollten.

Zwar ruderte der 38-jährige Berliner zurück und änderte die Textzeile, jedoch soll dies nicht auf Druck der Bantu Nation geschehen sein. Auch, wenn Nu51 dies anders sieht. „Ich kenn‘ da jemand, der macht Promo auf Bushido / Auf Kolle, Farid, 187 / Auf Capi, Bullen und Reporter / Nach Stress mit Bantu Nation ändert sich dann seine Wortwahl“, lautet die Aussage des gebürtigen Nordrhein-Westfalen.

Trotziger Deutschrapper: Fler mobilisiert seine Fans - Streitlustiger Rapper verscherzt es sich mit allen

Fler, dessen Beef mit Bushido in die nächste Runde geht*, wiederum bedient sich eines weiteren Mediums, um sich gegen die verbalen Schüsse zu wehren. Mithilfe seiner Maskulin-Telegram-Gruppe hat der Ex-Aggro Berlin-Rapper seine Fans mobilisiert, die ihrem Idol auf recht kuriose Art und Weise helfen. In seiner Instagram-Story hat Nu51 den Screenshot eines Chatverlaufs gepostet, in dem Flizzy schreibt: „Gebt dem Schw*** mal bitte etwas Fame“. Das Like-Dislike-Verhältnis von aktuell knapp 3660 zu 2270 sowie die fast durchweg negativen Kommentare dürften zu einem Großteil dem Aufruf des Berlines geschuldet sein.

Wer Fler kennt, kann sich zudem sicher sein, dass dieser Streit auch auf musikalischer Ebene verarbeitet werden wird. Nicht unüblich für ihn bzw. Deutschrapper im allgemeinen, siehe den Beef zwischen Flizzy und Ex-Kumpel Bushido*. Aber warum nur mit einer Person zanken, wenn doch so viel mehr möglich ist? Auch Jung-Rapper Eno ist nicht vom Ex-Aggro Berliner verschont geblieben* und konnte sich diverse, verunglimpfende Sprüche gefallen lassen, die sich auf eine vermeintliche Fake-Uhr bezogen.

Über allem steht aber immer noch Flers seit Jahren währende Social Media-Fehde mit dem Hamburger* Gangster-Rapper Bonez MC*. In der bisher letzten Runde des virtuellen Streits verhöhnte der 187 Strassenbande-Boss den Berliner mit einer Plastik-Karotte* - eine Anspielung auf eine angebliche Vergewaltigung in Flizzys Vergangenheit. Bonez MC wiederum könnte zeitnah zur Kasse gebeten werden, sollte er für die saftige Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro für Kumpel Maxwell aufkommen.* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Instagram/fler

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