Neu auf Platz eins: Juli Zeh, Richard David Precht und Soheil Hosseini in den Spiegel-Bestsellerlisten
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Frischer Wind in den Charts: Neben Juli Zehs „Pony Show“ sichern sich auch Precht, Feeney und Hosseini Top-Plätze der Spiegel-Bestsellerliste.
Drei der vier Titel, die wir uns genauer angesehen haben, starten in der Ausgabe Nr. 44 der Spiegel-Bestsellerlisten direkt auf Platz eins. Doch ein guter Einstieg sagt noch wenig darüber, ob ein Buch hält, was es verspricht. Ein Roman über eine Verlegerin unter Mordverdacht, ein Sachbuch über Künstliche Intelligenz, das bei einem dementen Vater beginnt, und eine Unternehmerbiografie aus dem Taschenbuch: Was diese Bücher so unterschiedlich macht, zeigt sich erst beim Blick ins Innere.
„Pony Show“ von Juli Zeh: Ein Justizthriller über eine Verlegerin unter Mordverdacht, der mehr will als nur Spannung.
Worum geht es? Betty ist über fünfzig, verheiratet und Chefin eines großen Literaturverlags. Fero ist Ende zwanzig und ein aufstrebendes Talent in ihrem Unternehmen. Zwischen beiden entsteht eine brisante Verbindung. Als der junge Mitarbeiter verschwindet, wird Betty des Mordes angeklagt. Es folgt ein Prozess ohne Leiche, in dem die Frage im Zentrum steht, wie verhandelbar die Wahrheit ist. Der Roman wechselt zwischen Szenen im Gerichtssaal, Bettys Rückblicken und dem Ringen ihres Anwalts Mark um den Fall. Auf der Gegenseite steht ein ehrgeiziger Staatsanwalt mit sorgfältig inszenierten Auftritten, und darauf spielt auch der Titel an.
Warum sollte man es lesen? Zeh kennt den Gerichtsbetrieb aus eigener Anschauung: Die promovierte Juristin ist ehrenamtliche Richterin am Landesverfassungsgericht Brandenburg. In einem Interview sagt sie über ihren Anspruch: „Mein Ehrgeiz war, möglichst nah dran zu bleiben an den realistischen Abläufen von Strafprozessen.“ Das merkt man den Passagen an, die den Prozess schildern.
Der Radiosender Radio3 hält das Buch in seinen besten Momenten für einen echten Pageturner mit vielen überraschenden Wendungen. Kritisch fällt dagegen auf, dass Zeh sich manchmal im Dozieren über Strafjustiz, Medienmechanismen und Algorithmen verliert. Ein relevantes Buch. Wer direkt nach einem Thriller sucht, mag eventuell enttäuscht sein. Allen anderen, sei das Buch empfohlen.
Juli Zeh „Pony Show“
► 2026 Luchterhand, ISBN-13 978-3-630-87865-2
► Preis: gebunden 25 €, 512 Seiten
„Auserzählt?“ von Richard David Precht: Ein Buch über Kultur und KI, das im Arbeitszimmer eines Vaters beginnt, der nie etwas veröffentlicht hat.
Worum geht es? Das Buch beginnt im Arbeitszimmer von Prechts Vater, das der Sohn ausräumt, damit dort das Bett des Vaters Platz findet. Der Vater, früher Industriedesigner, hat jahrzehntelang fast täglich geschrieben und nie etwas veröffentlicht. Von diesem Ausgangspunkt aus fragt Precht, was passiert, wenn künstliche Intelligenz nicht nur schneller denkt, sondern auch schöpferischer arbeitet als der Mensch. Der Verlag formuliert es so: KI ersetzt nicht nur Arbeit, sondern auch das Gestalten, das Erzählen und das Verstehen.
Warum sollte man es lesen? Der Tagesspiegel sieht darin „ein ungewöhnliches Precht-Buch, da es immer wieder der rührende Abschied eines Sohnes ist, der für seinen Vater tief empfundene Bewunderung übrig hat“. Die persönliche Ebene macht die Thesen greifbarer und verhindert, dass die Debatte bloß abstrakt bleibt. Wie Precht Debatten über gesellschaftliche Trends und Denkmuster einordnet, thematisiert auch das FR-Interview zu seinen aktuellen Thesen.
Der Podcast „Die Neuen Zwanziger“ nennt das Buch ein originelles, kulturpessimistisches Werk, das zur Debatte einlädt. Wer die Frage nach dem Wert menschlicher Kreativität für wichtig hält, bekommt hier einen Anlass, sie neu zu durchdenken, auch wenn man Prechts Diagnose nicht teilt. Wer den Text lieber hört: Precht liest das Hörbuch selbst, ungekürzt, mit einer Laufzeit von 5 Stunden und 29 Minuten.
Richard David Precht „Auserzählt?“
► 2026 Goldmann, ISBN-13 978-3-442-30268-0
► Preis: gebunden 22 €, 224 Seiten
„My Husband’s Wife“ von Alice Feeney: Ein Psychothriller, der mit Vermutungen spielt und sie immer wieder umstößt.
Worum geht es? Ein Mann. Zwei Frauen. Ein mörderisches Geheimnis, so der Verlag. Mehr zu verraten wäre bei diesem Genre ein Fehler, denn die Wendungen machen den Reiz aus.
Warum sollte man es lesen? Die Autorin Freida McFadden lobt den Roman mit den Worten: „Spannung pur! Der bisher beste Roman von Alice Feeney!“ Solche Zitate stammen aus dem Marketing, deshalb lohnt der Blick auf unabhängigere Stimmen. Bei Thalia bewerten Leserinnen und Leser das Buch mit 4,7 von 5 Sternen, aus 14 Bewertungen. Eine Buchhändlerin vergleicht den Thriller mit einer Matroschka: Man löst das erste Rätsel, und darunter wartet das nächste. Auch die Kritik an fehlender Logik taucht in den Rezensionen kaum auf. Das spricht dafür, dass der Roman seine Leserschaft vor allem über Tempo und Wendungen erreicht. Für alle, die Thriller lieben.
Alice Feeney „My Husband‘s Wife“
► Übersetzt von Anke Kreutzer
► 2026 Heyne, ISBN-13 978-3-453-44439-3
► Preis: Taschenbuch 13 €, 448 Seiten
„Die Lizenz zum Erfolg“ von Soheil Hosseini: Eine Unternehmerbiografie, die Erfolg nicht als gerade Linie erzählt
Worum geht es? Soheil Hosseini erzählt seine Unternehmer- und Lebensgeschichte in Szenen: von seiner Herkunft und der Schulzeit über erste Versuche und Rückschläge bis zum Aufbau mehrerer Unternehmen. Eine Station ist die jahrelange Auseinandersetzung mit Microsoft, die bis zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe ging. Heute führt Hosseini nach den Angaben des Buches unter anderem eine Softwarefirma, einen Finanzdienstleister und ein Modeunternehmen.
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Warum sollte man es lesen? Hosseini selbst beschreibt das Buch als „ungeschönte Unternehmergeschichte über Entscheidungen, Fehler und Konsequenzen“. Gerade die Rückschläge machen den Text interessanter als eine reine Erfolgsgeschichte, denn sie zeigen, was hinter einer Karriere steckt.
Als Ratgeber sollte man es allerdings nicht erwarten. Ein Portal bewertet den Lebensweg als Anstoß zu Eigenverantwortung und Ausdauer, der stärker wirkt als jedes klassische Managementhandbuch. Wer also Inspiration sucht und sich für den Weg eines Einzelnen interessiert, ist hier richtig. Wer konkrete Methoden erwartet, wird weniger finden.
Soheil Hosseini „Die Lizenz zum Erfolg“
► 2026 Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag, ISBN-13 978-3-690-66250-5
► Preis: 18 €, 208 Seiten
Wie Bestsellerautoren, darunter Alexa Henning von Lange oder Jussi Adler-Olsen auf ihre Ideen kommen, lesen Sie hier in den Interviews. Übrigens: Bleiben Sie auf dem Laufenden zu Buchtipps und Neuigkeiten aus der Buchwelt mit unserem Newsletter. Hier abonnieren. (str)