Bestseller zum Englischlernen für Kinder – Vor 100 Jahren erschien erstmals „Winnie-the-Pooh“

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Von: Nina Schmedding

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Pu der Bär – oder auf Englisch: Winnie the Pooh – feiert ein rundes Jubiläum: Queen Camilla eröffnet deshalb eine eigene Festwoche bei der BBC.

Er liebt Honig und ist, wie Autor Alan Alexander Milne auf den ersten Seiten des Buches schreibt, „ein Bär von sehr geringem Verstand“: Pu der Bär alias Winnie-the-Pooh wird am 14. Oktober 100 Jahre alt. 1926 schrieb der britische Schriftsteller das erste Buch über ihn. Bis heute ist es weltweit bekannt: Walt Disney verfilmte den Stoff bereits vor Jahrzehnten mit großem Erfolg als Zeichentrickserie.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Beliebt ist Winnie-the-Pooh besonders in seiner Heimat Großbritannien: Queen Camilla eröffnet deshalb am 12. Oktober eine eigene Radio-Gedenkwoche zu der Kinderbuchfigur bei der BBC.

Ein Dutzend Winnie-the-Pooh-Teddybären liegen aufgeräumt unaufgeräumt auf dem Boden
Pu der Bär alias Winnie-the-Pooh wird am 14. Oktober 100 Jahre alt. © IMAGO/Yoshio Tsunoda

Was macht das Buch so erfolgreich? Anglistikprofessor Thomas Kullmann, Experte für englische Kinderliteratur an der Universität Osnabrück, sagt: „Es gehört zu der Gruppe der englischen Kinderbuchklassiker, die zentral sind für das kulturelle Bewusstsein Großbritanniens.“ Dazu zählen demnach außerdem „Alice im Wunderland“, „Peter Pan“, „Der Wind in den Weiden“ und natürlich auch „Harry Potter“.

Winnie-the-Pooh so präsent wie Shakespeare

Die Illustrationen aus dem Bärenbuch, gezeichnet von E.H. Shepard, zieren in Großbritannien entsprechend etliche Gebrauchsgegenstände – von Bettwäsche bis zu Teetassen. „Und wenn Sie englische Zeitungen lesen, finden Sie Anspielungen und Zitate aus den Büchern, ähnlich wie bei Shakespeare und seinen Werken“, sagt Kullmann. Beide seien überall im Land präsent.

„Winnie-the-Pooh“ hat konkrete Vorbilder in der Realität. Der menschliche Protagonist des Kinderbuches, der mit Pu und seinen Freunden Abenteuer erlebt, trägt den Namen von Milnes Sohn – Christopher Robin. Die Idee zum Buch entstand durch dessen Stoffbären, den er mit einem Jahr geschenkt bekam.

Auch Winnies Freunde, die im Buch vorkommen, sind teilweise Kuscheltiere Christophers – wie „Ferkel“ (englisch Piglet), ein ängstliches, niedliches Schweinchen, und der schnell gelangweilte Esel „I-Aah“ (englisch Eeyore). Vorbild für den Namen der Hauptfigur soll ein Bär im Londoner Zoo gewesen sein: Als Vierjähriger war Christopher Robin dort gewesen und hatte sich mit einer Schwarzbärin mit Namen Winnie angefreundet.

Im Ashdown Forest – einem Naturschutzgebiet, das Vorbild für den „Hundert-Morgen-Wald“ war, Winnies literarischem Wohnort – hatte Autor Milne ein Landhaus. In der Gegend spielte sein Sohn und erlebte Abenteuer, die Eingang in die Bücher fanden.

Vater-Sohn-Beziehung schwierig

Die Pu-Bücher waren sofort sehr erfolgreich. Als Kind habe er den Ruhm genossen, so Christopher Robin in seinen Erinnerungen. Das änderte sich später. „Es schien mir, als wäre mein Vater zu seinem Erfolg gelangt, indem er sich auf meine kindlichen Schultern gestellt, meinen guten Namen geklaut und mich zurückgelassen hatte, mit nichts als dem leeren Ruhm, sein Sohn zu sein“, schreibt er in seiner Biografie.

Die Geschichten um Pu wurden mit großem Erfolg in zahlreiche Sprachen übertragen; auf Deutsch erschien Band 1 als „Pu der Bär“ bereits 1928. 1987 übersetzte Harry Rowohlt das Buch neu – und nahm den Bären auch als Aufhänger für eine eigene Kolumne in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Titel: „Pooh‘s Corner“. Rowohlt vertrat dort „Meinungen eines Bären von sehr geringem Verstand“, wie es ironisch hieß.

Ein freundlicher und weiser Bär

Wie ist Winnie-the-Pooh? Er vermittele „Freundlichkeit, Weisheit“ und „Einfachheit in einer sehr komplizierten Welt“, erklärte Queen Camilla laut der Zeitschrift „Bunte“ in ihrer Ansprache zum Jubiläum.

Anglist Kullmann sagt: „Es ist eine klar gezeichnete Figur mit eindeutigem Charakter und markanten, menschlichen Charakterzügen, ebenso wie die anderen Figuren, die auftreten.“ Sie alle vermittelten die Botschaft, „dass man aufgeschlossen sein und charakterlichen Eigenheiten mit Verständnis begegnen soll.“

Besonders seien auch die Sprachspiele – am besten im Original. Kullmann gibt ein Beispiel: „‚I love you‘, sagt Christopher Robin. ‚So do I‘, antwortet Winnie-the-Pooh mit schöner Doppeldeutigkeit.“

Das Buch, das für Kinder geschrieben wurde, wurde demnach bereits seit der Erstveröffentlichung auch von Erwachsenen gern gelesen. Dies sei, anders als in Deutschland, in Großbritannien durchaus üblich, sagt Kullmann. Englische Kinderliteratur hat ein besonderes Standing: In vielen deutschen Buchhandlungen gebe es eine Ecke mit Kinderbuchklassikern. „Drei Viertel von ihnen sind aus dem Englischen übersetzt.“

Kinderbücher zum Englischlernen

Er erklärt den Erfolg des Buches auch damit, dass es sich, wie manchmal bei neueren deutschen Kinderbüchern, „um keine leicht verpackte, explizite Moral handle, bei der Sie in den ersten drei Zeilen wissen, worauf das Buch hinausläuft“, so Kullmann. Stattdessen nehme es Kinder ernst und beschreibe „die menschlichen Verhältnisse - so wie sie sind“.

Der Professor schaut nicht nur beruflich, sondern durchaus auch privat immer mal wieder in ein englisches Kinderbuch hinein – und er empfiehlt dies auch für den Englischunterricht in Deutschland. „Meines Wissens wird das im Schulunterricht hierzulande leider nicht so oft gemacht. Dabei lässt sich damit gut die Sprache lernen.“

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