Anne Carson erhält den Literaturnobelpreis: Diese drei Bücher sollten Sie kennen

Erstellt:

Von: Sven Trautwein

Uns auf Google folgen
Nobelpreis für Literatur - Anne Carson (Symbolbild)
Der Literaturnobelpreis geht 2026 an die Kanadierin Anne Carson (Symbolbild). © dpa/TT News Agency/Pontus Lundahl

Jedes Jahr im Herbst hält die literarische Welt den Atem an – und immer wieder fällt derselbe Name: Anne Carson. Nun hat die kanadische Dichterin den Literaturnobelpreis erhalten.

Es gibt Schriftstellerinnen, deren Name wie ein Donnerhall durch die Feuilletons geht – und doch wissen selbst belesene Literaturfans im ersten Moment oft nicht, welches Buch sie eigentlich zuerst aufschlagen sollten. Wenn in Stockholm die Entscheidung über den Literaturnobelpreis naht, schießen die Wettquoten regelmäßig bei einer ganz bestimmten Autorin in die Höhe: Anne Carson. Jetzt ist es endlich soweit. Die kanadische Dichterin Anne Carson erhält den Literaturnobelpreis 2026. Doch wer ist diese Ausnahmekünstlerin wirklich?

Anne Carson, 1950 im kanadischen Toronto geboren, ist Dichterin, Essayistin, Übersetzerin und Altphilologin. Jahrzehntelang lehrte sie antikes Griechisch an renommierten Universitäten wie Princeton und McGill. In ihren Texten sprengt sie konsequent jede Gattungsgrenze: Antike Mythen verschmelzen mit intimen Alltagsbeobachtungen, Lyrik geht nahtlos in Essayistik und Graphic-Novel-Elemente über.

Rund um die Nobelpreis-Verleihungen der Schwedischen Akademie kursierten in der Vergangenheit sogar gefälschte Eilmeldungen im Netz, die Carson fälschlicherweise vorab zur Siegerin erklärten. Auch wenn ihr der offizielle Nobelpreis bislang noch nicht verliehen wurde, zählt sie für Literaturkritiker wie Denis Scheck unbestritten zu den bedeutendsten Stimmen der Gegenwart.

Drei Bücher von Anne Carson, die man gelesen haben muss

Für den Einstieg in das faszinierende Werk der Kanadierin gibt es drei herausragende Titel, die auch in deutscher Übersetzung vorliegen:

1. „Autobiographie des Roten“ (Autobiography of Red)

Worum geht es? Carson greift die antiken Fragmente des Dichters Stesichoros über das geflügelte, rote Monster Geryon auf und verlegt die Sage in die Gegenwart. Geryon ist hier ein sensibler Junge und Künstler, der sich in den flatterhaften Herakles verliebt.

Warum man es lesen sollte: Ein Meisterwerk des modernen Versromans. Niemand sonst verbindet antike Mythologie, schwule Liebesgeschichte, Schmerz und Humor auf so lyrische und zugängliche Weise.

2. „Rot“ (Red Doc>)

Worum geht es? Die fulminante Fortsetzung: Jahre später treffen die Figuren als gealterte Kriegsveteranen „G“ und „Sad“ in einer postindustriellen Bergwelt erneut aufeinander.

Warum man es lesen sollte: Ein sprachlich virtuoses Experiment mit schmalem Satzspiegel, das existenzielle Fragen über Verlust, Altern und Freundschaft mit trockenem Witz verhandelt.

Anne Carson „Rot“

► Übersetzt von Anja Utler

► 2019 S. Fischer, ISBN-13 978-3-10-397279-5

► Preis: gebunden 24 €, 320 Seiten

Bei Thalia bestellen

3. „Eros das Bittersüße“ (Eros the Bittersweet)

Worum geht es? Carsons bahnbrechendes Sachbuch und Essay über das Wesen des Begehrens. Ausgehend von Sapphos Begriff „glukupikron“ (bittersüß) analysiert sie, warum Liebe immer auch einen Mangel und Abstand zwischen Liebenden bedeutet.

Warum man es lesen sollte: Eine der klügsten, erhellendsten und schönsten Abhandlungen über Liebe, Eifersucht und Sprache, die je geschrieben wurden.

Anne Carson „Eros der Bittersüße“

► Übersetzt von Christina Drangowski

► 2020 Turia+Kant, ISBN-13 978-3-85132-965-0

► Preis: 24 €, 196 Seiten

Bei Thalia bestellen

Die letzten Nobelpreisträger für Literatur

„Seitenweise Sven“ – der Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter und Sie erhalten „Seitenweise Sven“ direkt in Ihr Postfach. So verpassen Sie keine Ausgabe der Kolumne, in der Sven Trautwein seine Meinung zu kontroversen Themen aus der Literaturwelt preisgibt.

Jetzt kostenlos abonnieren

Jetzt den Newsletter abonnieren
Jetzt den Newsletter abonnieren © IPPEN.MEDIA

Neben der diesjährigen Preisträgerin Anne Carson, ging die renommierte Auszeichnung der Schwedischen Akademie in den vergangenen Jahren an folgende Autorinnen und Autoren:

  • 2025: László Krasznahorkai  (Ungarn)
  • 2024: Han Kang (Südkorea) – für ihre intensive poetische Prosa
  • 2023: Jon Fosse (Norwegen) – für seine innovativen Theaterstücke und Prosa
  • 2022: Annie Ernaux (Frankreich) – für ihren mutigen, klinischen Blick auf persönliche Erinnerungen
  • 2021: Abdulrazak Gurnah (Tansania / Großbritannien) – für sein Werk über Flucht und Kolonialismus
  • 2020: Louise Glück (USA) – für ihre unverwechselbare poetische Stimme

Wie Bestsellerautoren, darunter Sebastian Fitzek, Alexa Henning von Lange oder Arne Dahl auf ihre Ideen kommen, lesen Sie in den Interviews. (str)

Kommentare

$Teilen