Warum deutsche Auto-Bosse weniger verdienen als ihre US-Kollegen

Erstellt:

Von: Simon Zöpfl

Uns auf Google folgen

Die Gehälter der Auto-CEOs liegen in den USA deutlich höher als in Deutschland. Das liegt hauptsächlich an der Eigentümerstruktur der Betriebe.

Die CEOs amerikanischer Automobilkonzerne verdienen im Schnitt deutlich mehr als ihre Kollegen in Deutschland. Das zeigt eine gemeinsame Auswertung der Fachzeitschrift Automotive News und der Datenplattform Equilar, die sich auf Vorstandsvergütung spezialisiert.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel stammt von Automobilwoche, dem Fachmedium für Entscheider der Autobranche, und erscheint bei IPPEN.MEDIA im Rahmen einer Content-Kooperation.

Früher wissen, was die Branche bewegt: Jetzt einen der kostenlosen Newsletter abonnieren.
Exklusive Analysen, Hintergründe und Personalien lesen Sie mit dem Automobilwoche-Abo.
Folgen Sie Automobilwoche auf LinkedIn oder hören Sie den Podcast „Zur Sache“ auf Spotify

Die Studie berechnet die Vergütung auf Basis des „tatsächlichen Werts, den die Führungskräfte erhalten“, erklärte Courtney Yu, Studiendirektorin bei Equilar. Konkret bedeutet das, dass neben dem Grundgehalt und Boni auch eventuelle Aktien- und Eigenkapitalvergütungen in der Kalkulation inbegriffen sind.

Mit einem Jahresgehalt von knapp 43 Millionen Euro gehörte Mary Barra 2025 zu den Top-Verdienern in der US-Autobranche.
Mit einem Jahresgehalt von knapp 43 Millionen Euro gehörte Mary Barra 2025 zu den Top-Verdienern in der US-Autobranche. © General Motors

Zu den Top-Verdienern des diesjährigen Rankings gehört Mary Barra, CEO von General Motors. Im Jahr 2025 erhielt sie umgerechnet 42,9 Millionen Euro an Vergütung, etwa 62 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ford-CEO James Farley verdiente 2025 umgerechnet 14,7 Millionen Euro (minus 39 Prozent zum Vorjahr), Rivian-Chef Robert Scaringe bekam 10,9 Millionen Euro überwiesen (minus elf Prozent).

Tesla-Chef Elon Musk hingegen bekam 2025 kein reguläres Gehalt. Das Unternehmen wies ihm dafür Aktien im Wert von 158 Milliarden US-Dollar zu.

Aktienkurse bestimmen das Gehalt

Im Vergleich dazu erscheinen die Gehälter der deutschen Autobosse fast schon bescheiden. Die CEO-Gehaltsanalyse der Automobilwoche zeigt, dass weder VW-Konzernoberhaupt Oliver Blume noch Mercedes-Chef Ola Källenius oder der damalige BMW-Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse im Jahr 2025 über zehn Millionen Euro verdienten. Doch warum sind die Gehaltsstrukturen in den USA so üppig?

Der wichtigste Grund liegt in der Zusammensetzung der US-Vergütungspakete. In den USA macht die aktienbasierte Vergütung den Großteil des CEO-Gehalts aus. Das bedeutet konkret, dass mit steigendem Aktienkurs auch das Jahressalär stark anwächst.

So lässt sich auch der deutliche Gehaltssprung von Mary Barra erklären: Unter ihr wuchs der Aktienkurs von General Motors 2025 auf einen Rekordstand. In Deutschland sind die variablen Vergütungen dagegen meist stärker gedeckelt, auch aufgrund der vergleichsweise mächtigen Arbeitnehmervertreter in den Kontrollgremien. Zudem erzielen US-Unternehmen häufig wesentlich höhere Börsenbewertungen, wodurch Aktienoptionen erheblich an Wert gewinnen.

CEOs der gesamten Branche profitieren

Der Geldrausch beschränkt sich nicht auf die Autobauer selbst. Auch die CEOs von US-Autozulieferern und Handelsgruppen zählen zu den Spitzenverdienern: Laut der Equilar-Studie soll die Chefin des Motorenherstellers Cummins, Jennifer Rumsey, im vergangenen Jahr umgerechnet 20,2 Millionen Euro erhalten haben. Lear-CEO Raymond Scott bekam 17,7 Millionen Euro überwiesen.

Zum Vergleich: Im gesamten Geschäftsjahr 2025 wurde an alle aktiven Vorstandsmitglieder des deutschen Zulieferer-Riesen ZF Friedrichshafen insgesamt 8,2 Millionen Euro ausgezahlt.

Auch im Autohandel erhalten Top-Manager der großen Handelsgruppen in den USA zweistellige Millionenbeträge. AutoNation-CEO Mike Manley kam 2025 beispielsweise auf umgerechnet 18,3 Millionen Euro, Penske-Automotive-Chef Roger Penske auf 17,4 Millionen Euro. Im deutschen Autohandel ist das Bild eher unklar. Das liegt auch daran, dass ein Großteil der deutschen Autohandelsgruppen keine Aktiengesellschaften sind. Sie sind daher nicht verpflichtet, Managementgehälter auszuweisen.

US-amerikanische Handelsriesen sind zudem ungleich größer, was die Vergleichbarkeit mindert. Die Zahlen deuten jedenfalls innerhalb der gesamten Branche in dieselbe Richtung: In den USA ist offenbar selbst bei den CEO-Gehältern alles eine Nummer größer. (von Nick Bunkley und Simon Zöpfl)

Kommentare

$Teilen