Johnny Depp kehrt als Scrooge zurück – und der echte Geizhals war noch schlimmer

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Von: Sven Trautwein

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Johnny Depp feiert sein Hollywood-Comeback als Ebenezer Scrooge. Regisseur Ti West verfilmt Dickens‘ Weihnachtsklassiker neu – düster und mit Star-Besetzung.

Hollywood-Star Johnny Depp feiert sein Comeback auf der großen Kinoleinwand – in einer der bekanntesten Rollen der Literaturgeschichte. Als Ebenezer Scrooge, der herzlose Geizhals aus Charles Dickens‘ unsterblicher Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“, schlüpft der 63-Jährige in Gehstock, Frack, Zylinder und grauen Backenbart. Es ist sein erster größerer Hollywoodfilm seit dem aufsehenerregenden Verleumdungsprozess gegen seine Ex-Frau Amber Heard – und sein Auftritt bei der Comic-Con in San Diego sorgte für Begeisterungsstürme unter den Fans.

Johnny Depp auf der San Diego Comic Con 2026 als Scrooge (Symbolbild)
Verkleidet als Ebenezer Scrooge tauchte Johnny Depp auf der Comic-Con auf. Ti Wests Neuverfilmung von Dickens‘ Weihnachtsgeschichte startet im November 2026 (Symbolbild). © Tony Forte/MediaPunch

Der Film trägt den Titel „Ebenezer: A Christmas Carol“ und wird von Horrorregisseur Ti West inszeniert, der mit Werken wie „X“ und „Pearl“ bekannt wurde. Das Drehbuch stammt von Nathaniel Halpern („Tales from the Loop“), produziert wird der Film von Emma Watts. Neben Depp sind Andrea Riseborough, Daisy Ridley, Rupert Grint, Sam Claflin und Ian McKellen zu sehen. Der Kinostart in den USA ist für den 13. November 2026 bei Paramount Pictures geplant.

Buchverfilmung: Johnny Depp überrascht Fans als Scrooge

Bei der weltberühmten Comic-Con-Messe in San Diego hatte Depp für einen denkwürdigen Auftritt gesorgt: Ganz unvermittelt betrat er – verkleidet als Scrooge – zunächst die Straße, dann die Bühne in Halle H, wo eigentlich das Panel „Directors on Directing“ des Branchenportals „Collider“ stattfand. Mit einer Kerze in der Hand humpelte er zum Podium, übergab die Kerze an Regisseur John Francis Daley und fragte das Publikum trocken: „Habt ihr kein Leben? Keine Verpflichtungen?“ Für den Star war ursprünglich kein Panel auf der Messe angekündigt gewesen.

Regisseur Ti West präsentierte dort auch den ersten Trailer zum Film. Dieser zeigt eine düstere, atmosphärisch dichte Interpretation des Dickens-Stoffs: Scrooge wird vom Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Jacob Marley – gespielt von Ian McKellen – heimgesucht sowie von der Geistin der vergangenen Weihnacht, die Andrea Riseborough verkörpert. Beide sind blass und unheimlich gestaltet. Der Trailer begeisterte das Comic-Con-Publikum, und laut The Guardian war die Reaktion auf Depps Rückkehr in den Kommentarspalten „nahezu universelle Zustimmung“.

Dickens schrieb den größten Geizhals der Literaturgeschichte

Charles Dickens veröffentlichte „A Christmas Carol“ am 19. Dezember 1843. Das knapp hundert Seiten kurze Werk handelt von Ebenezer Scrooge, einem herzlosen Londoner Geschäftemacher, dem in der Weihnachtsnacht drei Geister erscheinen und ihm die Folgen seines gefühllosen Lebens vor Augen führen. Das Buch avancierte sofort zum Bestseller – zunächst in England, dann weltweit –, und gilt bis heute als einer der meistverfilmten literarischen Stoffe überhaupt. Heute zählen seine Bücher zu den meistverkauften weltweit.

Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“

► Illustriert von Torben Kuhlmann

► 2026 Oetinger, ISBN-13 978-3-7512-0657-0

► Preis: gebunden 20 Euro, 158 Seiten

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Was viele nicht wissen: Die Figur des Scrooge hatte ein reales Vorbild. Dickens soll sich beim Schreiben am Londoner Geschäftsmann und Millionär John Elwes (1714–1789) orientiert haben. Der war für seine extreme Knausrigkeit berühmt und berüchtigt. Seine Häuser ließ er nie reparieren, es regnete durchs Dach, der Wind pfiff durch die zerbrochenen Fenster. Er trug Lumpen, seine Perücke hatte er in einer Hecke gefunden – manch ein Passant hielt den Millionär für einen Bettler und steckte ihm Almosen zu.

Der echte Scrooge: Kampf mit der Ratte um ein totes Moorhuhn

Elwes soll einmal einer Ratte den Kadaver eines ertrunkenen Moorhuhns entrissen haben, um ihn selbst zu verspeisen. Zu essen gab es in seinem Haushalt ohnehin meist nur wochenlang alte Reste. Selbst seine Mutter soll an Hunger gestorben sein – weil sie zu geizig war, Lebensmittel zu kaufen. Bei Reisen übernachtete Elwes unter freiem Himmel und unter Hecken, um sich die Kosten für ein Gasthaus zu sparen. Wenn er ritt, wählte er Graswege, damit die Hufeisen sich nicht abnutzten; Pausen nutzte er, um sein abgemagertes Pferd grasen zu lassen und so das Heu zu Hause zu schonen.

Als sich Elwes beide Beine verletzte, ließ er beim Arzt lediglich eines behandeln – um die halben Behandlungskosten zu sparen. Auf dem Sterbebett schließlich musste der Notar seinen letzten Willen im Schein des Kaminfeuers aufsetzen, weil Elwes zu knickerig für eine Kerze war. Dabei hätte er es sich problemlos leisten können: Er hinterließ seinen Söhnen und seinem Neffen ein Vermögen von 800.000 Pfund – nach heutiger Kaufkraft rund 135 Millionen Euro. Selbst ausgekommen war er Zeit seines Lebens mit jährlich 50 Pfund, etwa 8500 Euro heute. Die Bücher von Charles Dickens sind oft einige Hunderttausend Euro wert.

Depps Comeback nach dem Prozess gegen Amber Heard

Für Depp markiert die Scrooge-Rolle eine bedeutsame Rückkehr. Nach dem sechswöchigen Verleumdungsprozess gegen seine Ex-Frau Amber Heard, aus dem Depp im Juni 2022 weitgehend als Sieger hervorging, war er zunächst in kleineren Produktionen zu sehen: 2023 spielte er in dem französischen Kostümdrama „Jeanne du Barry“ mit, 2024 stellte er sein Regiedebüt „Modi“ vor. Mit „Ebenezer: A Christmas Carol“ wagt er nun den Schritt zurück in das große Hollywood-Studiosystem.

Die Neuverfilmung tritt damit in eine lange Tradition: Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“, übrigens eine der schönsten Geschichten zum Vorlesen, wurde seit dem frühen 20. Jahrhundert unzählige Male für Kino und Fernsehen adaptiert. Wests Interpretation verspricht durch seine Herkunft aus dem Horrorgenre eine besonders düstere Lesart des klassischen Stoffs. In direkter Konkurrenz steht das Projekt laut Branchenberichten mit einer weiteren geplanten „A Christmas Carol“-Verfilmung von Regisseur Robert Eggers – ein in der Filmgeschichte seltenes Duell zweier namhafter Regisseure um denselben literarischen Stoff.

Die Bücher von Charles Dickens gehören zu den Titeln, die man unbedingt in seinem Regal haben sollte. Übrigens: Bleiben Sie auf dem Laufenden zu Buchtipps und Neuigkeiten aus der Buchwelt mit unserem Newsletter. Hier abonnieren. (Quellen: Paramount Pictures, ZDF, The Guardian, eigene Recherche) (str)

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