Von Naziwitzen bis Korruption: Sieben schrille Kandidaten für die Zwischenwahlen

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Von Naziwitzen bis zu strafrechtlichen Anklagen: Sieben Kandidaten stellen bei den Zwischenwahlen 2026 auf die Probe, ob Skandale einen politischen Preis haben.

Es gab eine Zeit, da fürchteten amerikanische Politiker, dass eine Geliebte oder eine unbezahlte Steuerrechnung ans Licht kommen könnte. Damals konnte eine Karriere an einer einzigen Verfehlung oder einem wieder aufgetauchten Foto aus der Studienzeit zugrunde gehen. Die politischen Friedhöfe vergangener Tage waren entsprechend voller Männer, deren Vergehen nach den Maßstäben von 2026 kaum für einen peinlichen Dienstag reichen würden. Jetzt, da die Zwischenwahlen im November näher rücken, stehen die Wähler vor einer Reihe von Kandidaten, deren Lebensgeschichten einst womöglich selbst die Autoren einer besonders unglaubwürdigen Politsatire abgelehnt hätten.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com

Das amerikanische Verständnis davon, was jemanden für ein Amt disqualifiziert, hat sich verändert. Ein Skandal, einst eine tödliche Wunde, kann heute tatsächlich als Ausweis des Widerstands gelten, und Unwissen lässt sich als Authentizität vermarkten. Das Bizarre bietet seine ganz eigene Form politischen Kapitals, besonders wenn Bekanntheit um jeden Preis ein Publikum garantiert und sich dieses Publikum in Wählerstimmen ummünzen lässt. Das Ergebnis ist eine politische Kultur, in der die Grenzen akzeptablen Verhaltens öffentlich neu verhandelt werden – oft von jenen, die sie am begierigsten überschreiten wollen.

US-Midterms - Sonnenaufgang hinter dem Kapitol
In den USA stehen am 3. November wichtige Zwischenwahlen an. (Archivfoto) © J. Scott Applewhite/AP/dpa

Auf die Gefahr hin, allzu nostalgisch auf ein vermeintliches goldenes Zeitalter amerikanischer Staatskunst zurückzublicken, hier eine ordentliche Dosis Realität: Die Republik hat Demagogen, Scharlatane, Verfechter der Rassentrennung und allerlei Gauner überlebt. Parteien haben fragwürdige Gestalten immer dann geduldet, wenn es ihnen Vorteile bei Wahlen versprach, und wir alle haben auch das überstanden. Dennoch bieten die Zwischenwahlen 2026 eine bemerkenswerte Auswahl politischer Kontroversen, quer durch Parteien und staatliche Ebenen: einen Republikaner, der Naziwitze machte; eine Demokratin, die vor einer Kandidatenveranstaltung trank; einen Kongressabgeordneten, den ein Präsident der gegnerischen Partei begnadigte. Jeder Fall beleuchtet einen anderen Winkel der sich wandelnden politischen Kultur Amerikas. Gemeinsam werfen sie eine Frage auf, die früher womöglich lange vor dem Wahltag beantwortet worden wäre: Was genau muss ein Kandidat tun, um unwählbar zu werden?

1. Brandon Herrera: Der YouTuber, der den Nationalsozialismus zur Pointe machte

Republikaner, Texas. Brandon Herrera hat sich mit Schusswaffenvideos und Provokationen, die früher womöglich einen Kongresswahlkampf zerstört hätten, eine riesige Onlinegefolgschaft aufgebaut. Der als „The AK Guy“ bekannte republikanische Kandidat im 23. Wahlbezirk von Texas ist wegen Videos mit Nazisymbolik, darunter eine Nachstellung von Hitlers Suizid, sowie abfälliger Bemerkungen über Frauen in die Kritik geraten. Herrera weist Mutmaßungen über Sympathien für den Nationalsozialismus zurück und bezeichnet seine Inhalte als respektlose Unterhaltung.

Seine Unterstützer sehen in ihm einen unverblümten Verfechter des Rechts auf Waffenbesitz, der sich über politische Konventionen hinwegsetzt, während Kritiker sein Urteilsvermögen infrage stellen. Das eigentlich Bemerkenswerte ist, dass Inhalte, die einst eine politische Karriere zerstören konnten, heute jene Bekanntheit schaffen können, die eine solche Karriere überhaupt erst ermöglicht.

2. Jaime West: Drei Bier und ein Feldzug gegen die Republikaner

Demokratin, Indiana. Die klassische Kandidatenveranstaltung ist eine dröge Angelegenheit, gespickt mit Versprechen, Straßen zu reparieren und Haushalte auszugleichen. Kann man Jaime West vorwerfen, dass sie daraus ein landesweites Spektakel machte? Die demokratische Kandidatin erklärte, sie werde die Republikaner feuern, bezeichnete MAGA-Anhänger als rassistisch und unintelligent und machte eine Bemerkung darüber, dass auch Demokraten Waffen besäßen. Anschließend sagte sie Piers Morgan, sie habe vorher drei Bier getrunken, weil sie nervös gewesen sei.

Obendrein äußerte sie keinerlei Bedauern über den Inhalt ihrer Aussagen. West argumentiert, die Amerikaner hätten Grund, über den Kurs des Landes wütend zu sein; zugleich veranschaulicht ihr Auftritt, wie sich politische Maßlosigkeit auszahlt. Eine Kandidatin für einen Bezirksrat, die normalerweise Mühe hätte, jenseits ihrer Nachbarschaft Aufmerksamkeit zu erregen, wurde landesweit bekannt. Ob diese Aufmerksamkeit Wählerstimmen bringt oder die lokale Demokratie lediglich in eine weitere Folge von Amerikas politischer Realityshow verwandelt, bleibt offen. Aber wir reden immer noch über sie, oder?

3. Ken Paxton: Der Politiker, der fast alles überstand

Republikaner, Texas. Ken Paxton ist der republikanische Kandidat für den US-Senat in Texas, nachdem er Amtsinhaber John Cornyn besiegt hat. Zu seiner Karriere gehören eine Anklage wegen Wertpapierbetrugs, deren Verfahren ohne Verurteilung endete, sowie ein Amtsenthebungsverfahren, das das republikanisch kontrollierte Repräsentantenhaus von Texas 2023 wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens im Zusammenhang mit einem politischen Spender einleitete. Der Senat des Bundesstaates sprach ihn frei. Jede dieser Episoden hätte seine Karriere beenden können. Stattdessen rückte Paxton auf dem Weg nach Washington vor.

Seine Unterstützer verweisen auf seinen Freispruch und den Abschluss seines Strafverfahrens als Gründe, die Anschuldigungen zurückzuweisen. Doch Paxtons Widerstandsfähigkeit verdeutlicht einen Bedeutungswandel des Skandals: Wo eine öffentliche Schande einst darauf hindeutete, dass ein Politiker das Vertrauen seiner Partei verloren hatte, kann das Überstehen von Anschuldigungen zum Beweis für Loyalität und Widerstandskraft werden. Je häufiger einem Politiker Fehlverhalten vorgeworfen wird, desto überzeugender kann für seine treuen Anhänger die Behauptung werden, er werde verfolgt.

4. Henry Cuellar: Der Demokrat, den Trump begnadigte und der Demokrat blieb

Demokrat, Texas. Hätte ein Romanautor Henry Cuellars jüngste politische Geschichte erfunden, hätte ein Lektor die Handlung womöglich abgelehnt. Gegen den texanischen Demokraten und seine Frau wurde 2024 auf Bundesebene Anklage wegen Bestechlichkeit, Geldwäsche und Verschwörung erhoben. Beide bestritten ein Fehlverhalten, und im Dezember 2025 begnadigte Präsident Donald Trump sie. Er erklärte, die Biden-Regierung habe Cuellar wegen seiner Position in der Einwanderungspolitik zu Unrecht ins Visier genommen.

Cuellar äußerte sich dankbar und bewarb sich dann als Demokrat um seine Wiederwahl. Trump beklagte sich über dessen Weigerung, die Partei zu wechseln. Ha. Das Ganze hatte etwas Theatralisches: ein der Korruption beschuldigter Demokrat, gerettet von einem republikanischen Präsidenten und anschließend von seinem Wohltäter kritisiert, weil seine Dankbarkeit nicht bis zum Parteiwechsel reichte. Das kann man sich nicht ausdenken.

5. Victor Marx: Der Mann, der nach eigenen Angaben Satan begegnet ist

Republikaner, Colorado. Die meisten Politiker erzählen den Wählern eine Geschichte darüber, wie sie Widrigkeiten überwunden haben. Victor Marx bietet dagegen etwas, das eher der Offenbarung des Johannes ähnelt. Der republikanische Gouverneurskandidat hat Begegnungen mit Dämonen beschrieben, behauptet, Exorzismen durchgeführt zu haben, und von einer Kindheit erzählt, in der ihn sein Stiefvater nach eigenen Angaben zwang, einen Mann zu töten.

Im Oktober verteidigte ihn seine Frau, nachdem Aufnahmen wieder aufgetaucht waren, in denen gewalttätige Vorfälle unter Beteiligung von Familienmitgliedern beschrieben wurden. Die Wähler in Colorado stehen vor einer sehr irdischen Frage: Wie viel von der außergewöhnlichen persönlichen Mythologie eines Kandidaten muss überprüfbar sein, bevor ihm Regierungsgewalt anvertraut wird?

6. LaMonica McIver: Die Kongressabgeordnete, gegen die Anklage wegen tätlichen Angriffs erhoben wurde

Demokratin, New Jersey. Gegen die Demokratin LaMonica McIver aus New Jersey wurde nach einer Konfrontation im Mai 2025 vor einer Abschiebehaftanstalt in Newark Anklage erhoben. Dort versuchten Beamte, Bürgermeister Ras Baraka festzunehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft McIver vor, die Beamten körperlich an ihrem Einsatz gehindert zu haben. Sie bestreitet ein Fehlverhalten und betont, sie habe die Kontrollbefugnisse des Kongresses ausgeübt.

Im August 2026 ließ ein Berufungsgericht das Verfahren in zwei Anklagepunkten weiterlaufen und ordnete zugleich eine weitere Prüfung eines dritten an. Für McIver gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Dennoch konfrontiert ihre Kandidatur die Wähler mit einem außergewöhnlichen Zusammenstoß zwischen Kongress und Exekutive, der sich gleichzeitig im Gerichtssaal und an der Wahlurne abspielt.

7. Max Miller: Der Kongressabgeordnete, der um eine Untersuchung gegen sich bat

Republikaner, Ohio. Die klassische Reaktion auf einen Skandal besteht darin, alles abzustreiten und zu beten, dass die Ermittlungen vor dem Wahltag abgeschlossen sind. Max Miller ging weiter und begrüßte eine Überprüfung, als Vorwürfe häuslicher Gewalt seine Karriere bedrohten. Seine frühere Frau Emily Moreno beschuldigte den Republikaner aus Ohio, körperliche Gewalt gegen sie ausgeübt und sie mit einer Schusswaffe bedroht zu haben. Auch Vorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Tochter wurden laut.

Miller bestreitet ein Fehlverhalten und hat Moreno wegen Verleumdung verklagt. Aus den Anschuldigungen ist keine strafrechtliche Anklage gegen ihn hervorgegangen, und Ermittler der Kinderschutzbehörden konnten die Vorwürfe der Kindesmisshandlung nicht erhärten. Die Kontroverse bekam einen dynastischen Einschlag, als Morenos Vater, der republikanische Senator Bernie Moreno, Millers Eignung für das Amt infrage stellte. Der Ethikausschuss des Repräsentantenhauses leitete eine Untersuchung ein, doch Miller blieb im Rennen. Bis Ende Oktober hatte der Streit dazu beigetragen, dass sein zuvor sicherer Sitz umkämpft war. Skandale bedrohen politische Karrieren noch immer … aber können sie sie auch noch beenden?

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