SPD-Politiker zur Tennis-Affäre: Urteil der Berliner zu Wegner fällt spätestens am 20. September
Uns auf Google folgenBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) will sein Amt trotz Lügenvorwürfen fortführen. Mit der FR sprach der Berliner SPD-Politiker Orkan Özdemir.
Zwei Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus steht der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), in der Kritik. Innerhalb der Union stellen viele seine Eignung infrage, als Spitzenkandidat für die Hauptstadt-CDU ins Rennen zu gehen. Hintergrund ist Wegners Krisenmanagement Anfang Januar, als 100.000 Menschen tagelang ohne Strom waren – und der erste Mann in der Kapitale Tennis spielte. Nun soll er auch gelogen haben. Die Frankfurter Rundschau von Ippen-Media sprach mit dem Berliner SPD-Abgeordneten Orkan Özdemir über die Causa Wegner und die Chancen der Sozialdemokratie.

Berlins Regierender Bürgermeister und CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner soll gelogen haben, als er sagte, er habe während des Stromausfalles morgens telefoniert. Er räumt nun ein, es seien Textnachrichten gewesen. Spielt das eine Rolle, wenn er am Nachmittag erwiesenermaßen Tennis spielte?
Ich bin maximal verwundert über das unprofessionelle Vorgehen in der ganzen Causa. Das ist ein Kommunikationsdesaster und hätte in der Form verhindert werden können, wenn nicht müssen.
„Berlinerinnen und Berliner haben ein sehr ausgeprägtes Gefühl für Ethik und Moral“
Was sagt das über seine Glaubwürdigkeit aus?
Privatpersonen, wie auch Politiker:innen kommen in Situationen, in denen die Wahrheit vielleicht unangenehm sein kann. Dem sich zu stellen, ist oft die klügere wie auch richtige Entscheidung. Eine kleine Auslassung oder Unwahrheit fällt einem im Nachgang dann gerne mal auf die Füße. Jeder Mensch muss selbst entscheiden welcher Typ Persönlichkeit er oder sie ist.
Zur Person
Orkan Özdemir ist gebürtiger Berliner und hat Politikwissenschaft an der Freien Universität zu Berlin studiert. Der Diplom-Politologe hat lange Zeit als Politikberater im sozialen Bereich gearbeitet und leitete fünf Jahre die Politikberatung des BQN Berlin. Orkan Özdemir arbeitete als Grundsatzreferent im Leitungsbereich der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Er engagierte sich mehr als zehn Jahre als SPD-Bezirksverordneter in seinem Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg und ist seit 2021 Mitglied des Landtages im Abgeordnetenhaus in Berlin.

Jetzt fordert sogar die Junge Union Wegners Rückzug von der Spitzenkandidatur. Sie auch? SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte, eine Zusammenarbeit nach der Wahl im September mit Wegner auszuschließen …
Es obliegt nicht mir, einem so erfahrenen Politiker etwas nahezulegen. Seine Entscheidung, diesbezüglich so zu handeln, wie er handelt, sagt immer auch was über den Menschen Kai Wegner aus. Die Berlinerinnen und Berliner haben ein sehr ausgeprägtes Gefühl für Ethik und Moral. Das Urteil der Berliner:innen wird Kai Wegner spätestens am 20. September mitgeteilt bekommen.
Im Wahlkampfvideo der Wegner-CDU wird dieser als Heilsbringer und Linke generell als böse Schreihälse markiert. Wo sieht sich die SPD in diesem Gut-Böse-Schema?
Die SPD hält erst mal grundsätzlich nichts davon, im Kontext demokratischer Parteien irgendwelche Schwarz-Weiß-Schemata anzusetzen. Die Relevanz der SPD war, ist und bleibt, dass sie die einzige Partei im Parteienspektrum ist, die bewusst die große Klammer um die ganze Gesellschaft bildet. Gesellschaftlicher Frieden ist nicht mit Nischenpolitik zu machen, sondern nur mit einem ganzheitlichen Blick auf die ganze Stadtgesellschaft. Und das ist genau die Aufgabe der Berliner SPD.
„SPD Berlin hat viele wichtige Politiken gegen die CDU in Berlin durchgesetzt“
Im Berlin-Trend hat die schwarz-rote Regierung längst keine Mehrheit mehr; die Linke steht aktuell in den Umfragen vorne. Wie wollen Sie die Berliner:innen in den letzten zweieinhalb Monaten noch davon überzeugen, die SPD zu wählen?
Die SPD Berlin hat in den vergangenen drei Jahren entgegen den Erwartungen viele wichtige Politiken gegen die CDU in Berlin durchgesetzt. Ganz aktuell zum Beispiel das Mietenkataster, welches europaweit eine Premiere ist und ein unerlässliches Instrument, um den Mietmarkt zu regulieren.
Bundes-SPD „pulverisiert“ sozialdemokratische Grundsätze
Ganz im Gegensatz dazu steht die Bundes-SPD, die sozialdemokratische Grundsätze in einer atemberaubenden Geschwindigkeit pulverisiert. Die Menschen sind extrem irritiert von der Bundes-SPD. Und das schlägt massiv durch auf die Landesebene. Unsere Inhalte und Erfolge finden im öffentlichen Diskurs nicht statt, weil die Bundespolitik alles überlagert. Jetzt kommt es darauf an, deutlich zu machen, dass Berlin eine eigenständige Erfolgsgeschichte der Sozialdemokratie schreibt. Mit Steffen Krach haben wir einen starken Spitzenkandidaten und gute Inhalte. Entscheidend wird sein, diese Erfolge und Zukunftsideen in den verbleibenden Wochen noch stärker zu den Berlinerinnen und Berlinern zu tragen. (ktho)