Dieses Gebäude in einer Großstadt im Südwesten wurde bewusst als Kontrast zu einer berühmten Kirche gebaut

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Von: Mathias Ostertag

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Das gotische Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Daneben das moderne Stadthaus
Der architektonische Kontrast ist offensichtlich: vorne das Stadthaus der Gegenwart, hinten das gotische Ulmer Münster als Symbol der Vergangenheit. © IMAGO/ARNULF HETTRICH

Die größte Kirche Deutschlands, ein riesengroßer Platz davor - und jahrelange Debatten, wie man letzteren bebauen könnte, ohne den freien Blick auf den höchsten Kirchturm der Welt zu verstellen. In einer Großstadt im Südwesten hat man Anfang der 1990er-Jahre eine Lösung gefunden, mit der nun alle zufrieden sind.

Ulm - Die Kontraste sind offensichtlich - und doch bewusst gewählt. Seit 1993 füllt das Stadthaus die große innerstädtische Lücke, die der riesige Münsterplatz direkt unterhalb des höchsten Kirchturms der Welt in Ulm bildet. Und nachdem es viele Jahre lang Uneinigkeit gegeben hatte darüber, wie man den Platz sinnvoll füllen könnte, haben mittlerweile auch die einst erbitterten Gegner einer Bebauung längst ihren Frieden mit der Entscheidung „Pro Stadthaus“ gefunden.

An dem Platz, auf dem das vom New Yorker Architekten Richard Meier entworfene Gebäude steht, befand sich in früheren Zeiten das Barfüßerkloster. Und das über viele Jahrhunderte hinweg. Bereits 1250 war mit dem Bau des Klosters begonnen worden, also noch deutlich vor der Grundsteinlegung für das weltberühmte Münster 1377. Das Kloster wurde mehrfach erweitert, nach der Reformation war dort zunächst eine Lateinschule bzw. noch später ein Gymnasium beheimatet.

17 Architekturwettbewerbe für eine Neubebauung des Münsterplatzes

Noch bevor das Münster mehr als 500 Jahre später im Jahr 1890 endlich vollendet wurde, wurde das Kloster wieder abgerissen, um einen freien Blick auf den höchsten Kirchturm der Welt gewährleisten zu können. Zugleich gab es Pläne, den nun wieder freiliegenden Platz mit einer „anspruchsvollen Architektur“ zu bebauen. Doch es sollte nochmal 100 Jahre dauern, bis dieser Plan tatsächlich in die Tat umgesetzt wurde. In diesem Jahrhundert soll es insgesamt 17 Architekturwettbewerbe gegeben haben, schon für den ersten im Jahr 1924 sollen 467 Entwürfe eingereicht worden sein.

Und selbst die finale Entscheidung musste noch letzte Hürden überwinden: Als die Stadt Ulm 1986 einen weiteren Wettbewerb organisierte und ein Preisgericht den Entwurf des Amerikaners Meier zum Sieger kürte, schien einer finalen Bebauung nichts mehr im Wege zu stehen. 1987 folgte jedoch ein Bürgerentscheid mit dem Ergebnis, eine Neubebauung abzulehnen. Da der Entscheid jedoch nicht das Quorum erreichte, gab es seitens der Stadt keine Verbindlichkeit, die Entscheidung für den Entwurf zurückzunehmen. Letzten Endes entschied der Stadtrat für eine Bebauung des Münsterplatzes.

Die Stimmen, die den architektonischen Kontrast nicht abhaben können, sind selten geworden

Laut dem Entwurf des Architekten Meier sollte das neue Stadthaus eine „begehbare Skulptur“ sein und Platz bieten für Ausstellungen, Konzerte, Tagungen und Vorträge. Auch die Touristeninformation sollte dort weiter angesiedelt werden, dazu kommt Gastronomie. All diese Punkte wurden zur Eröffnung auch umgesetzt - und sie tragen das Stadthaus bis heute. Die Stimmen, die dem Stadthaus unterstellen, architektonisch nicht zum gotischen Münster zu passen, sind selten geworden.

Zumal sich das Stadthaus in die architektonische Neugestaltung des gesamten Bereichs zwischen dem Münsterplatz und dem historisch ebenfalls bedeutsamen Ulmer Rathauses, der „Neuen Mitte“ gut einpasst. Da viele Teile des Ulmer Stadtzentrums zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche gelegt wurden, sind heute rund um das Münster sehr viele Nachkriegsgebäude gebaut worden.

Gegensätze von Münster und Stadthaus spiegeln sich im Programm wieder

Das Stadthaus soll ein faszinierend lichtdurchfluteter, architektonisch wie inhaltlich dynamischer Ort sein. Die Gegensätze der Nachbarschaft von Münster und Stadthaus spiegeln sich im Programm des Stadthauses wider: Einerseits ist es der Tradition, andererseits der Moderne verpflichtet. Deshalb ist das Stadthaus an sieben Tagen die Woche für Besucher aus aller Welt wie auch die Ulmer Bürger geöffnet. Auch deshalb wurde es Anfang 2019 als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in die Denkmalliste des Landes Baden-Württemberg aufgenommen.

Über drei Ebenen erstreckt sich der Bereich für das wechselnde Ausstellungsprogramm. Die Schwerpunkte liegen hierbei auf zeitgenössischer Fotografie, aber auch Architektur und Umwelt sowie der sogenannten „Outsider Art“. Im Untergeschoss zeigt eine archäologische Dauerausstellung Relikte des früheren Lebens am Münsterplatz.

Der Saal auf Ebene eins wiederum lädt zu regelmäßigen Diskussionsforen und Infoveranstaltungen, Konzerten, Lesungen und Vorträgen, Fortbildungen und vielem mehr ein. Kurzum: ein täglich wechselndes Programm sorgt für viel Abwechslung und spricht viele verschiedene Zielgruppen an.

Übrigens: Wer in Ulm außer dem Münster und dem Stadthaus noch weitere Sehenswürdigkeiten erkunden möchte, hier kommen einige Empfehlungen.

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