Diese Gemeinde in Baden-Württemberg liegt im Einschlaggebiet eines Meteoriten

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Von: Mathias Ostertag

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Lange Zeit nahm man an, dass das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken durch einen auseinandergebrochenen Meteoriten entstanden sind – und dieser teils in Steinheim, teils in Nördlingen auf die Erde fiel und das Gelände formte. Doch diese Theorie ist nach neuesten Erkenntnissen nicht mehr haltbar.

Steinheim am Albuch - Entstanden ist das Steinheimer Becken bereits vor etwa 14 Millionen Jahren durch einen Meteoriteneinschlag. Dieser Meteorit war beim Einschlag im Durchmesser geschätzt 100–150 Meter groß und hatte sich zuvor mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Kilometern pro Sekunde (72.000 km/h) auf die Erde zubewegt. Der Einschlag setzte eine Explosion von etwa 1018 Joule frei, was der Kraft von etwa 18.000 Hiroshimabomben entspricht. Es muss ein gigantischer Druck entstanden sein – und es herrschten wohl Temperaturen von mehreren 10.000 ° Celsius.

Weite Teile der heutigen Ostalb in Baden-Württemberg wurden verwüstet, alles Leben im Umkreis von 500 Kilometern in Sekundenschnelle vernichtet. Der Meteorit hinterließ einen annähernd kreisrunden Krater mit einem Durchmesser von 3,5 Kilometern. Der Himmelskörper selbst und das umgebende Gestein verdampften wohl beim Aufschlag, so dass der Krater von bis zu 250 Metern Tiefe entstand. Im Sprengkrater bildete sich ein Süßwassersee. Später verlandete dieser wieder. Im Kraterzentrum allerdings bildete sich ein etwa 100 Meter hoher Zentralberg, der bis heute existiert: der Steinhirt.

Steinheim am Albuch Steinheimer Becken Meteorit Einschlag
Mitten hinein in den Meteorkrater: Hinweisschild auf das Erlebnis Steinheimer Becken © IMAGO

Die Ereignisse in Steinheim und Nördlingen liegen wohl 500.000 Jahre auseinander

Lange Zeit ging man vor Ort wie auch in der Wissenschaft davon aus, dass der Meteoriteneinschlag, aus dem das Steinheimer Becken hervorging, in engem Zusammenhang liegt mit der Entstehung des Nördlinger Ries. Dass es sich also um ein Ereignis handelte, das letzten Endes zwei eindrucksvolle Naturdenkmäler entstehen ließ. Unumstritten ist, dass in Nördlingen der größte Einschlagkrater Deutschlands entstanden ist.

Die These, dass ein auseinandergebrochener Meteorit an zwei vergleichsweise nah beieinander liegenden Stellen auf der Erde eingeschlagen haben soll, gilt allerdings als weitgehend entkräftigt. Es müssen laut dem Wissenschaftler Dr. Elmar Buchner zwei verschiedene Himmelskörper gewesen sein, die jeweils im württembergischen Steinheim und im bayerischen Nördlingen ihre Spuren hinterlassen haben. Schon im Jahr 2020 betonte er in einer wissenschaftlichen Arbeit mit Kollegen, dass das Steinheimer Ereignis wohl 500 Jahren nach der Entstehung des Nördlinger Ries stattgefunden haben muss.

Kleiner Splitter war Teil des Steinheimer Meteoriten

Und auch jetzt scheint diese Theorie schlüssig. Was vor allem mit einem im Steinheimer Meteorkratermuseum ausgestellten Fundstück eines Gesteins zusammenhängt. Denn darin wurde ein kleiner Splitter entdeckt, der von besonderer Bedeutung für die Wissenschaft ist. Zwar ist dieser nur etwa zwei Zentimeter lang und einen Zentimeter breit. Aber er war Teil des Meteoriten, der vor etwa 14 Millionen Jahren den Steinheimer Krater geschaffen hatte.

Während nämlich der Splitter von einem Eisen-Meteoriten stammt, entstand das Nördlinger Ries wohl durch einen Gesteinsmeteoriten. „Wir müssen uns in der Wissenschaft ständig selbst korrigieren und die Theorie eines zeitgleichen Ereignisses ist mittlerweile unwahrscheinlich geworden“, sagte Dr. Elmar Buchner im Gespräch mit der Heidenheimer Zeitung (HZ). Zumal es für diese Erkenntnis inzwischen weitere Hinweise gibt. Der Einschlag des Nördlinger Meteoriten hatte nämlich ein derart starkes Erdbeben ausgelöst, dass im Umkreis von mehreren hundert Kilometern davon noch Spuren nachweisbar sind. Laut dem Bericht der HZ konnten diese Spuren infolge des Erdbebens sogar noch in der Schweiz gefunden werden. Dies seien Gesteinsbruchstücke, die beim Aufprall im Ries ausgeworfen und bis dorthin geschleudert worden seien, erklärt der Wissenschaftler Buchner gegenüber der HZ.

Keinerlei Spuren des Ries-Meteoriten im Steinheimer Krater

Und noch ein weiterer Nachweis macht die Existenz zweier, zeitlich voneinander unabhängiger Ereignisse wahrscheinlich: die geografische Nähe. Denn auch im Umfeld des Steinheimer Beckens sind Spuren des Ries-Einschlags in Form von Auswurfmassen nachweisbar. Nur an einer Stelle nicht: Im Krater selbst. Ansonsten aber überall drumherum. Was laut Elmar Buchner absolut dafür spricht, dass es einen Ries-Meteoristen gegeben hat, der vor dem Steinheimer Meteoriten auf der Erde eingeschlagen ist.

Steinheim am Albuch Schwäbische Alb Meteorit Einschlag Krater
Blick von oben auf das Steinheimer Becken. Entstanden ist es vor 14 Millionen Jahren in Folge eines Meteoriteneinschlags © IMAGO/Arnulf Hettrich

Der spätere Meteoriteneinschlag in Steinheim verwischte dann aus Sicht von Elmar Buchner die Spuren, die durch den Nördlinger Himmelskörper zuvor entstanden waren. Denn bei Bohrungen im Steinheimer Becken wurden keinerlei Auswurfmassen des Ries-Meteoriten gefunden. Was die Zwei-Ereignisse-Theorie allemal unternmauert.

Steinheimer Becken: Erst der Einschlag, dann der Krater. Und seit 1978 gibt‘s das Meteorkrater-Museum

Vor etwa 15 Millionen Jahren entstand durch den Einschlag eines Meteoriten das Steinheimer Becken – der heute wohl besterhaltene und prägnanteste Meteoritenkrater mit Zentralhügel. Dieses Naturereignis, seine Folgen sowie das Leben und Sterben im und am miozänen Steinheimer See wird seit 1978 im Meteorkrater-Museum im Ortsteil Sontheim im Stubental anschaulich dargestellt.

Auf den Einschlag folgte bald wieder Leben. Ein Kratersee bildete sich, in dessen Ablagerungen unzählige Lebensreste bis auf den heutigen Tag prächtig konserviert wurden. Die Vielzahl der gefundenen Fossilien, etwa 230 Tier- und 90 Pflanzenarten, bezeugen die einstige Anziehungskraft des Sees. Die Fossilien geben Einblicke in die Lebenswelt eines 14 Millionen Jahre zurückliegenden Abschnitts der Tertiärzeit.

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