Dieses Museum in einer Stadt im Osten Baden-Württembergs ist das einzige seiner Art

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Von: Mathias Ostertag

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Einst Silberwarenfabrik, heute Museum. Das Silberwarenmuseum ist heute das älteste Zeugnis in Schwäbisch Gmünds Industrialisierungs- und Wirtschaftsgeschichte. © Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd/Elias Blumenzwerg

Einst arbeiteten hier Goldschmiede, Graveure oder Poliererinnen. Heute befindet sich an gleicher Stelle ein Museum für Silberwaren. Die Ott-Pauschersche Fabrik ist das einmalige historische Zeugnis der Industrialisierungs- und Wirtschaftsgeschichte einer einstigen Stauferstadt im Osten Baden-Württembergs.

Schwäbisch Gmünd - Schmuck und Silberwaren, produziert in großer Stückzahl und in Arbeitsteilung, sind die fertigen Produkte, die einst in der Ott-Pauscherschen Fabrik in der ältesten Stauferstadt Baden-Württembergs, Schwäbisch Gmünd, hergestellt wurden. Dazu gehörten etwa auch Tabakdosen, Kerzenständer, Feuerzeuge und Essbesteck, kurzum alles, was unter den Begriff Bijouterie fällt.

Produziert wird in der Ott-Pauserschen Fabrik schon lange nicht mehr. Dennoch stehen überall in der Fabrik noch die Maschinen und Geräte aus längst vergangenen Tagen herum. Der Grund dafür ist denkbar simpel: Die Fabrik ist heute ein Museum.

Was bedeutet denn Bijouterie?

Bei einer Bijouterie handelt es sich um ein Unternehmen zur Herstellung von Schmuckgegenständen. Das kann etwa ein Handwerksbetrieb oder eine Manufaktur sein. Der Ursprung des Worts kommt aus dem Französischen. Etwa bijou für Kleinod oder bijoutier, der Juwelier.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Wort in seiner Bedeutung mehr in Zusammenhang mit Modeschmuck verwendet und meint auch industriell hergestellte Schmuckwaren bzw. Geschäfte, in denen solcher Schmuck verkauft wird.

Das Silberwarenmuseum bietet seinen Besucher eine Reise in die Vergangenheit, in eine nicht mehr existente Arbeits- und Lebenswelt, aber auch in die Anfänge der Industrialisierungsgeschichte Schwäbisch Gmünds vor 150 Jahren. Auch deshalb ist die Ott-Pauschersche Fabrik ein einmaliges Zeugnis der Industrialisierungs-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd wie des Landes Baden-Württemberg.

Die Maschinen stehen so da, als ob der Betrieb erst gestern geschlossen wurde

Die Museumsmacher der Stadt haben bewusst alles so beibehalten, wie als ob in der Bijouteriefabrik erst gestern die Arbeit niedergelegt wurde. Fast alle Maschinen und Geräte waren bereits vor der Jahrhundertwende in Betrieb - völlig egal, ob es sich um Friktionsspindelpressen, Drahtziehbänke, Fall- und Krafthämmer und Walzwerke handelt. Stahlgesenke lagern außerdem in den Regalen, wer das Chefbüro betrifft, der findet dort alte Auftragsbücher, Bestelllisten und Lohntabellen der Arbeiter.

Das ist alles natürlich längst Geschichte - aber eben hautnah erlebbare. Die Ott-Pausersche Fabrik war bereits 1845 errichtet worden und ist seit 1986 als erhaltenswertes Kulturdenkmal in das Denkmalbuch Baden-Württemberg eingetragen. Auch handelt es sich beim heutigen Silberwarenmuseum um das älteste noch erhaltene Fabrikgebäude Schwäbisch Gmünds.

Das Gold- und Silberschmiedegewerbe gehört zu den traditionsreichten Gewerbezweigen Gmünds

Was die Fabrik und das heutige Museum aber zusätzlich besonders machen, ist der Umstand, dass damit der traditionsreichste Gewerbezweig Schwäbisch Gmünds seine Würdigung erhält: das Gold- und Silberschmiedegewerbe, das in der einstigen Stauferstadt seit dem Mittelalter florierte und bis in die Gegenwart hinein wirkt.

Die Ursprünge der Fabrik gehen bis ins Jahr 1820 zurück. Damals hatte Nikolaus Ott gemeinsam mit seiner Tochter Ott eine Goldschmiedewerkstatt in Schwäbisch Gmünd eröffnet. Mehr als zwei Jahrzehnte später, 1845 ließ er ein neues Fabrikgebäude errichten und gründete die Firma „Nicolaus Ott und Compagnons“, die sich schnell zu einem florierenden, weltweit tätigen Unternehmen entwickelte.

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Blick in einen der vielen Produktionsräume der Ott-Pauserschen Fabrik, die heute als Museum genutzt wird. © Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd/Elias Blumenzwerg

Anfang der 1860er-Jahre erlebte die Fabrik noch ihren wirtschaftlichen Höhepunkt, bevor es stetig aus verschiedenen Gründen bergab ging. Auch deshalb übernahm 1928 Josef Pauser das Unternehmen und stellte erstmal die Produktpalette um. Der Fokus lag jetzt nicht mehr alleinig auf der Produktion von Schmuck, sondern mehr noch auf Gebrauchswaren: Salzdosen, Babyrasseln, Becher, Besteck und Zigarettenspitzen etwa. Letzten Endes kämpfte aber auch er gegen den Bankrott.

Als dann Emil Pauser, den viele heute als einen Bewahrer identifizieren, die Leitung des Unternehmens übernahm, waren die Tage der Fabrik gezählt. Statt Geld in Modernisierungsmaßnahmen zu stecken, sollte der Betrieb in seinem alten Bestand stagnieren, „alles an seinem Platz bleiben“. Für die Fabrik bedeutete dies den Ruin und das Ende, für das heutige Museum war es jedoch ein absoluter Glücksfall.

Seit 1992 wird die einstige Silberwarenfabrik als Museum genutzt

Vieles in der einstigen Fabrikanlage konnte im Original erhalten werden, sodass das seit 1992 als Museum genutzte Kulturdenkmal Geschichte und Gegenwart an einem Ort authentisch vereint. Außer den Pressen, Drahtziehbänken, verschiedenen Hämmern und Walzwerken, können auch Arbeitstische mit Werkzeugen, Geräten und ­Maschinen quasi bildlich darüber berichten, wie Schmuckstücke und Silberwaren einst ziseliert, graviert, montiert und poliert wurden. Auch hat man an Ort und Stelle Werkstätten eines Goldschmieds, eines Etuimachers und eines Guillocheurs eingerichtet.

Alles in allem also ein kulturhistorisch bedeutsames Denkmal, das man unbedingt einmal besucht haben muss.

Adresse: Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik, Milchgäßle 10, 73525 Schwäbisch Gmünd

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag, 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 14 bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 11 bis 17 Uhr (außer an Karfreitag). Montag geschlossen.

Übrigens: In Ostwürttemberg hat nicht nur das Gold- und Silberschmiedegewerbe Tradition. Auch das älteste Industrieunternehmen Deutschlands wurde in der Region gegründet.

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