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EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Diese Putin-Freunde müssen jetzt bluten

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Von: Lisa Mayerhofer

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Igor Setschin und Wladimir Putin besuchen ein Kloster in der Leningrad Region.
Igor Setschin und Wladimir Putin besuchen ein Kloster in der Leningrad Region. Die beiden sind enge Vertraute. © Alexei Nikolsky/imago

Russische Truppen sind in die Ukraine einmarschiert. Die EU will den Präsidenten Wladimir Putin und seine Vertrauten nun mit Sanktionen direkt unter Druck setzen. Eine Übersicht.

Brüssel - Der Ukraine-Krieg* ist in vollem Gange. Die EU hat nun Sanktionen gegen Oligarchen aus dem Umfeld von Russlands Präsident Wladimir Putin* in Kraft gesetzt. Damit werden unter anderem ihre Vermögenswerte in der EU eingefroren, wie am Montagabend aus einer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt hervorgeht. Zudem wird ihre Reisefreiheit eingeschränkt. Auch Menschen, die Putin nahe stehen, tauchen auf der Sanktion-Liste auf. Eine Übersicht:

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Igor Setschin

Igor Setschin ist ein enger Putin-Vertrauter und Chef des Staatskonzerns Rosneft. Er kennt den Präsidenten seit Ende der 90er-Jahre und hat eng mit ihm zusammengearbeitet. Setschin war an der Enteignung des Oligarchen Michail Chodorkowski und der Zerschlagung des Yukos-Konzerns beteiligt, von der Rosneft stark profitierte. Der Oligarch steht schon seit der Krim-Annexion* auf der US-Sanktionsliste, jetzt kam auch sein Sohn Iwan hinzu.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Michail Fridman

Michail Fridman in Moskau bei einer Zeremonie.
Michail Fridman © Mikhail Japaridze/imago

Michail Fridman wird von der EU als „führender russischer Finanzier und Förderer von Putins innerem Kreis bezeichnet“. Der Milliardär und Chef der Alfa-Bank wies dies zurück. Schon am Sonntag (27. Februar) sprach sich der Oligarch gegen den Ukraine-Krieg aus und sagte: „Krieg kann niemals die Antwort sein“.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Alexej Mordaschow

Der russische Oligarch Alexej Mordaschov auf einem Kongress
Der russische Oligarch Alexej Mordaschov auf einem Kongress. © Alexander Shcherbak/imago

Auf der Sanktionsliste aufgeführt wird zudem der Oligarch und Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow. Mordaschow hat mit dem russischen Stahlkonzern Severstal ein Milliardenvermögen aufgebaut. Er gehörte beim Kriegsausbruch zu dem Teil des Wirtschaftsrats, der von Putin im Kreml empfangen wurde. Nach Bekanntgabe der Sanktionen distanzierte sich der Milliardär von Putin.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Sergej Roldugin

Cellist Sergej Roldugin spielt in Sotschi.
Sergej Roldugin © Dmitry Feoktistov/imago

Auch der Cellist und Putin-Vertraute Sergej Roldugin wird genannt. Roldugins Name tauchte bereits früher in der Berichterstattung zu den sogenannten Panama Papers auf. Die Enthüllungen ordneten ihm mehrere Offshore-Firmen zu, mit denen Geld in Millionenhöhe hin- und hergeschoben wird – sicherlich zu Putins Gunsten.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Gennadi Timtschenko

Gennadi Timtschenko auf einer Plenarsitzung in St. Petersburg.
Gennadi Timtschenko © Vladimir Smirnov/imago

Der Rohstoffhändler ist ebenfalls ein prominenter Name der Panama Papers-Berichterstattung: Der Oligarch, Milliardär und langjährige Vertraute gilt als Treuhänder Putins und half ihm im vergangenen Jahr bei einem PR-Debakel. Laut Berichten besitzt Timtschenko eine Villa mit unterirdischem Tennisplatz am Genfer See und mehrere Hotels in Frankreich.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Alexei Miller

Alexei Miller erhält im Februar 2022 einen Award von Putin.
Alexei Miller © Alexei Nikolsky/imago

Der Oligarch gehört ebenfalls zu den langjährigen Putin-Vertrauten. Der russische Präsident machte Miller 2001 zum Gazprom-Chef. Der russische Staatskonzern ist weltgrößter Energielieferant und beherrscht weite Teile der russischen Wirtschaft. Für Putin ist Gazprom zudem ein wichtiges außenpolitisches Instrument.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Dmitri Peskow

Dmitri Peskow
Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten Putin. © Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa/Archivbild

Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow steht auf der Sanktionsliste. Gegen ihn wurden von Oppositionspolitiker Alexei Nawalny schwere Korruptionsvorwürfe erhoben. Peskows Tochter Elizaveta sorgte am Freitag für Aufsehen, weil sie in ihrer Instagram-Live-Story einen Anti-Kriegsslogan veröffentlicht hatte.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Margarita Simonjan

RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan
RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan © Anton Novoderezhkin/Imago

Die Chefin des russischen Senders Russia Today (RT) verbreitet gezielt Propaganda und Falschinformationen im Sinne Putins. Vor allem vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine lief die Propaganda-Maschinerie auf Hochtouren. Auch ihr wirft Nawalny Korruption vor; sie habe Millionen aus staatlichen Medien für sich abgezweigt.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Sergej Lawrow

Sergej Lawrow
Russlands Außenminister Sergej Lawrow © Maxim Shemetov/Pool Reuters/AP/dpa

Der Außenminister Putins wird ebenfalls sanktioniert, da er laut EU „für Handlungen, die die territoriale Unversehrtheit, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine verletzen, verantwortlich ist und diese aktiv unterstützt.“ Lawrow ist seit 2004 Außenminister unter Putin und unterstützt ihn auf der internationalen Bühne tatkräftig.

EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg: Boris Rotenberg


Boris Rotenberg 2021 bei einer Verleihung auf einer Bühne in Moskau
Boris Rotenberg © Mikhail Tereshchenko/imago

Boris Rotenberg und sein Bruder Arkadi sind schon seit Jahrzehnten mit Putin befreundet. Zu Reichtum gelangten sie mit dem Baukonzern SGM und der SMP Bank. Der Baukonzern zeichnet dabei für viele russische Staatsaufträge wie etwa für den Bau der Brücke auf die Krim verantwortlich. Schon seit 2014 stehen die Brüder auf den Sanktionslisten der USA und der EU.

Ukraine-Krieg: Auch die Schweiz verhängt Sanktionen gegen Oligarchen

Russlands Oligarchen konnten sich bisher darauf verlassen, dass sie und ihr Geld in Europas Metropolen willkommen sind. Nach Putins Angriff auf die Ukraine sind sie jedoch verstärkt in den Blick westlicher Regierungen geraten. Ein Problem ist, dass die EU auf große Vermögenswerte nicht zugreifen kann. Gerade in Großbritannien wurde es den Oligarchen bislang einfach gemacht, ihren Besitz mit Hilfe von Briefkastenfirmen und Strohmännern zu verschleiern.

Auch die Schweiz ist ein besonders wichtiger Finanzplatz für Russen. Nach Zahlen der Nationalbank lagen 2021 auf Schweizer Konten russische Vermögenswerte im Wert von rund 15 Milliarden Franken (14,5 Milliarden Euro). Jedes Jahr sollen weitere Milliardenbeträge in die Schweiz fließen. Am Montag beschloss die Regierung in Bern, sich den EU-Sanktionen anzuschließen. Die Vermögen aller Unternehmen und Personen, die auf europäischen Sanktionslisten stehen, sind ab sofort gesperrt, wie Präsident Ignazio Cassis sagte.

Mit Material der dpa

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