„Auslaufmodell“ - Tchibo in der Krise: Mitarbeiter müssen bluten - Filialen droht laut Experten die Schließung
Seit dem erfolgreichen Jahr 2021 geht es für Tchibo bergab. Die Zweifel am Geschäftsmodell des Unternehmens wachsen - mit weitreichenden Folgen.
Hamburg - Stationäre Einzelhändler stehen in Deutschland unter Druck. Onlinehändler wie Amazon machen ihnen schon seit Jahren Kunden abspenstig, die Corona-Pandemie hat vielen den Rest gegeben. Die Liste der Opfer wird immer länger, Galeria Karstadt Kaufhof, Peek & Cloppenburg, Reno oder Ahlers sind nur einige der bekannten Namen.
Tchibo in der Krise: Nach erfolgreichem Jahr 2021 erfolgt der Absturz
Beim Kaffeeröster Tchibo zeichnet sich zwar keine Insolvenz ab, doch die Vorzeichen stehen schlecht. Dabei sah es 2021 noch sehr gut aus. Laut der Muttergesellschaft Maxingvest stieg der Umsatz leicht auf 3,26 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (EBIT) verdoppelte sich fast auf 176 Millionen Euro.

Doch die Prognose für das Jahr 2022 war schon düster, bei Tchibo erwarte man einen „Umsatz unterhalb des Vorjahres bei einem erheblich rückläufigen EBIT“. Einem Bericht der Welt zufolge sind gerade die Lagerbestände ein Problem. 2021 wurden offenbar zu große Warenmengen beschafft, die man nun nicht verkaufen könne.
Tchibo in der Krise: Mitarbeiter müssen auf jährliche Gehaltserhöhung verzichten
Ausbaden sollen die Misere nun die Mitarbeiter in den 550 Filialen. „Leider lassen die Unternehmenszahlen eine Anpassung der Gehälter in diesem Jahr nicht zu“, zitiert die Zeitung aus einer Rundmail der Geschäftsleitung an die Beschäftigten. Begründet wird dies damit, dass 2022 „finanziell gesehen das schlechteste Jahr in der fast 75-jährigen Firmengeschichte“ gewesen sei.
Das Schreiben kam bei den Beschäftigten nicht gut an, denn sie werden anscheinend schlechter bezahlt als ihre Kollegen bei Aldi oder Lidl. Der Ausfall der üblichen, jährlichen Gehaltserhöhung erweitert diese Kluft.
Tchibo in der Krise: Es gibt Zweifel am Geschäftsmodell
Auch die Arbeitsumstände scheinen sich zu verschlechtern, laut Welt beklagen sich Mitarbeiter im Intranet über die Zustände. So hätten viele Mitarbeiter gekündigt, die Arbeitsverdichtung habe extrem zugenommen. Man könne als Unternehmen nicht permanent 150 Prozent Leistung fordern, und das für faktisch sinkendes Gehalt, heißt es beispielsweise.
Dazu mehren sich die Zweifel am Geschäftsmodell von Tchibo, einer Mischung aus Kaffee- und Aktionswarengeschäft. „Tchibo ist ein gut funktionierendes Auslaufmodell. Am Ende wird nur das Kaffeegeschäft überleben“, sagt Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre, Management und Handel der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Er rechne mit Filialschließungen, zum Beispiel, wenn Mietverträge ausliefen.