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Frankreichs Renten-Pläne: „Wenn Deutschland sich ins Unglück stürzt, müssen wir nicht folgen“

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Von: Patricia Huber

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Frankreich plant derzeit, das Rentenalter anzuheben. Doch das sorgt bei den wenigsten für Begeisterung.
Frankreich plant derzeit, das Rentenalter anzuheben. Doch das sorgt bei den wenigsten für Begeisterung. © IMAGO / Klaus W. Schmidt / Michael Gstettenbauer

Macron möchte nach deutschem Vorbild das Renteneintrittsalter in Frankreich anheben. Doch bei seinen Bürgern kommt das größtenteils nicht gut an.

Paris – Frankreich schraubt an der Rente. Bisher konnten die Franzosen recht früh in den Ruhestand wechseln. Derzeit gelten in Frankreich 42 unterschiedliche Rentensysteme. Die Regierung will nun mit einer Reform dafür sorgen, dass mehr Senioren als bisher im Beruf bleiben. Ende 2021 waren lediglich 36 Prozent der 60- bis 64-Jährigen berufstätig.

Renteneintrittsalter in Frankreich: Macron plant Anhebung auf 64 Jahre

Präsident Emmanuel Macron möchte, dass die Franzosen länger arbeiten und damit länger in die Rentenkasse einzahlen, bevor sie in den Ruhestand gehen. Im Gespräch ist das schrittweise Anheben des Rentenalters von derzeit 62 auf 64 Jahre – was schon ein erstes Zugeständnis wäre, denn ursprünglich hatte Macron 65 Jahre als Ziel genannt.

Mit der Anhebung des Renteneintrittsalters folgt Frankreich auch ein wenig dem deutschen Rentensystem. Hierzulande wird das reguläre Renteneintrittsalter bis 2031 stufenweise auf 67 Jahre angehoben. Während Macron davon überzeugt ist, dass die Rentenreform richtig ist, macht sich in der Opposition und in den Gewerkschaften Unmut breit.

Die Linksradikalen haben bereits vor der Vorstellung der Pläne zu einem Protesttag am 21. Januar aufgerufen, am Vortag des 60. Jahrestags des Elysée-Vertrags, zu dem die Bundesregierung und zahlreiche Bundestagsabgeordnete in Paris erwartet werden. Der rechtspopulistische Parteichef Jordan Bardella bezeichnete die Reform als „überflüssig“ und kündigte an, sie in der Nationalversammlung zu blockieren. Der Chef der größten Gewerkschaft CFDT, Laurent Berger, nennt eine Erhöhung des Rentenalters eine „rote Linie“. Er warnte vor sozialen Unruhen. Das berichtet merkur.de.

Frankreichs Ökonomen uneinig über deutsches Rentensystem

Auch bei französischen Ökonomen herrscht offenbar Uneinigkeit bezüglich der Renten-Reform. In einer Debatte beim Radiosender Radio France ist der liberale Ökonom Jean-Marc Daniel der Meinung, dass es klug wäre, den deutschen Renten-Plänen zu folgen. „Deutschland hat mit seiner Reform vorgemacht, wie es laufen sollte und seine Produktion mit der längeren Arbeitszeit angekurbelt“, sagte er.

Sein Diskussionspartner, der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Porcher, ist dabei jedoch ganz anderer Meinung. Er hält das französische Rentensystem für vorbildlich und betont, dass das Land die niedrigste Armutsquote unter Rentnern habe. Er ist der Meinung: „Wenn Deutschland sich ins Unglück stürzt, müssen wir nicht folgen.“ Seine negative Einstellung dem deutschen Rentensystem gegenüber begründet er damit, dass Menschen, die aus gesundheitlichen oder ähnlichen Gründen mit 62 aufhören zu arbeiten, mit dem neuen System künftig weniger Rente erhalten würden. (ph/AFP)

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