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Rentenhöhe vieler Rentner wird unter wichtiger Grenze liegen – „Das Verhältnis stimmt nicht“

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Von: Patricia Huber

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Zahlreiche Deutsche steuern aktuell auf eine recht niedrige Rente zu. Das geht aus Lohn-Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor.

München/Berlin – Die Höhe der späteren Rente ist vom Lohn während des Arbeitslebens abhängig. Wer jahrelang nur wenig verdient, wird auch nur eine geringe gesetzliche Rente haben. Für mehr als ein Drittel der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland reicht der Lohn rechnerisch nur für eine Rente unter 1200 Euro netto. Das geht aus einer Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Anfrage des Linken-Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch hervor, die am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP vorlag. In den ostdeutschen Bundesländern steuert demnach sogar mehr als die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten auf eine Rente von weniger als 1200 Euro zu.

Zahlreiche Deutsche steuern auf eine niedrige Rente zu

Bartsch wollte wissen, wie viele Beschäftigte in Vollzeit im Jahr 2021 so wenig verdienten, dass sie rechnerisch nach 45 Jahren eine Nettorente von weniger als 1200 Euro erhalten. Das Ministerium nutzte für die Antwort die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Über die Zahlen hatte zuerst die Augsburger Allgemeine berichtet.

Das Ministerium wies darauf hin, dass die tatsächliche Höhe der Rentenansprüche erst feststehe, „wenn die Versicherungsbiografie vollständig abgeschlossen ist“. Aus der „Höhe des sozialversicherungspflichtigen Entgelts eines einzelnen Jahres“ könne nicht auf die „Erwerbskarriere“ des Einzelnen geschlossen werden – und auch nicht auf die tatsächliche Einkommenssituation im Alter, da die Menschen beispielsweise auch weitere Alterseinkünfte haben könnten. Das berichtet merkur.de.

Rente: Über 10 Prozent erhalten weniger als 1000 Euro netto

Den ausgewerteten Daten von 2021 zufolge verdienten deutschlandweit 36,8 Prozent der Vollzeitbeschäftigten so wenig, dass sie auf weniger als 1200 Euro Rente zusteuerten. Unter den Bundesländern war der Wert in Hamburg mit 28,1 Prozent am niedrigsten, dicht gefolgt von Baden-Württemberg. Den höchsten Wert gab es mit 58,2 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Auch in den anderen ostdeutschen Ländern (ohne Berlin) lag der Anteil mit 55 bis 58 Prozent deutlich über der Hälfte.

Bartsch fragte auch ab, wie viele Vollzeitbeschäftigte auf eine Rente von weniger als 1000 Euro netto zusteuerten. Dies betrifft den Daten zufolge deutschlandweit 2,25 Millionen Menschen, was einem Anteil von 10,3 Prozent entspricht. Aus den Unterlagen geht hervor, dass für eine Rente von 1000 Euro nach 45 Beitragsjahren rechnerisch ein Bruttomonatslohn von 2011 Euro nötig ist, für 1200 Euro Rente sind es 3034 Euro.

Bartsch: „Brauchen große Rentenreform“

„Das Verhältnis stimmt nicht“, kommentierte Bartsch dies. Lohn- und Rentenniveau seien vielfach zu gering, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Insgesamt seien die Zahlen alarmierend. „Wir brauchen eine große Rentenreform in Deutschland“, schlussfolgerte Bartsch. Die gesetzliche Rente sichere häufig nicht mehr den Lebensstandard.

„Wir brauchen eine Rentenkasse wie in Österreich, wo die durchschnittliche Rente 800 Euro höher ist als bei uns“, sagte der Fraktionschef. „Das ist möglich, weil dort nicht nur Arbeitnehmer und Arbeitgeber einzahlen, sondern alle Bürger mit Erwerbseinkommen – auch Abgeordnete, Beamte, Selbstständige und Manager. Was Österreich kann, muss auch Deutschland können.“ (AFP/ph)

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