1. 24hamburg
  2. Wirtschaft

Was tun im Pflegefall? Welche Tipps pflegenden Angehörigen helfen

Erstellt:

Von: Amy Walker

Kommentare

Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig. Angehörige sind oft überfordert: Welche Leistungen kann ich bekommen? Wer hilft mir? Hier die wichtigsten Tipps, wenn der Pflegefall eintritt.

Berlin – Je älter ein Mensch wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er zum Pflegefall wird. In Deutschland sind aktuell fünf Millionen Menschen pflegebedürftig, nach Einschätzungen des Statistischen Bundesamtes wird diese Zahl bis 2055 auf 6,8 Millionen wachsen. Die meisten Pflegebedürftigen - rund fünf von sechs - werden zu Hause gepflegt. Oft übernehmen Angehörige die Pflege, was sie vor zahlreiche Herausforderungen stellt. Hier listen wir die wichtigsten Tipps und Informationen, die pflegende Angehörige beachten sollten.

Vor Eintreten des Pflegefalls: Sprechen Sie mit Ihrem Angehörigen

Niemand will wirklich über das Älterwerden und den Tod sprechen. In Deutschland ist es ein Tabu-Thema. Doch darüber zu sprechen ist extrem wichtig und wird Angehörigen vieles erleichtern, wenn der Pflegefall eintritt. Suchen Sie also das Gespräch mit Ihren Angehörigen und klären Sie folgende Dinge ab:

Wer rechtzeitig diese schwierigen Themen angesprochen hat, hat schon lange vor Eintreten der Pflegebedürftigkeit viele wichtige Informationen gesammelt. Wer das nicht getan hat: Vor allem die Vorsorgevollmacht sollte man sich als pflegender Angehöriger besorgen, um alle wichtigen Entscheidungen für die Person treffen zu können.

Ein Familienmitglied wird pflegebedürftig: Beraten und Pflegegrad feststellen lassen

Ist der Pflegefall eingetreten, kann es erstmals überwältigend sein. Berufstätige sollten sich in dieser Situation freistellen lassen. Im akuten Fall besteht gesetzlicher Anspruch auf bis zu zehn Tage Freistellung von der Arbeit. Die Pflegekasse kommt dann für den Lohnersatz in Form von Pflegeunterstützungsleistungen auf. Zudem ist eine teilweise oder vollständige Freistellung für bis zu sechs Monate für die häusliche Pflege eines Angehörigen möglich. Hierfür gibt es jedoch keinen Lohnersatz von der Pflegekasse, man kann stattdessen aber ein zinsloses Darlehen erhalten.

Älterer Mann läuft am Stock
Im Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden. © Zoonar.com/Yuri Arcurs peopleimages.com/Imago

Ist die Zeit der akuten Pflege vorüber, sollten sich Angehörige Beratung einholen. Es gibt zahlreiche Verbände und Ämter, die eine kostenlose Beratung anbieten.

Sehr wichtig ist des Weiteren die Feststellung des Pflegegrads. Über die Krankenkasse füllt man dazu ein Formular aus, daraufhin wird ein medizinischer Dienst vorbeigeschickt, der eine Einschätzung abgibt. Der Pflegegrad entscheidet darüber, welche Unterstützungsleistungen man bekommt.

Pflegegeld und Pflegesachleistungen je nach Pflegegrad

Bei der häuslichen Pflege zahlt die Pflegekasse Pflegesachleistungen und Pflegegeld. Die Sachleistungen gibt es, wenn man zum Beispiel einen Pflegedienst beauftragt, der zur Unterstützung regelmäßig nach Hause kommt. Das Pflegegeld erhalten die pflegenden Angehörigen. Hier ein Überblick der monatlichen Leistungen im Jahr 2023:

PflegegeldPflegesachleistungen
Pflegegrad 10 Euro40 Euro
Pflegegrad 2316 Euro724 Euro
Pflegegrad 3545 Euro1.363 Euro
Pflegegrad 4728 Euro1.693 Euro
Pflegegrad 5901 Euro2.095 Euro

Darüber hinaus gibt es noch finanzielle Unterstützung – unabhängig vom Pflegegrad – für Leistungen, die das Umfeld eines Pflegebedürftigen verbessern können. Das sind beispielsweise bauliche Maßnahmen in der Wohnung oder Hilfsmittel wie Desinfektionsmittel oder Einmalhandschuhe.

Bei einer vollstationären Pflege – also der Unterbringung in einem Heim – zahlt die Pflegekasse monatlich maximal 2.005 Euro bei Pflegegrad 5. Den Rest müssen Pflegebedürftige selbst zahlen. So viel Geld zahlt die Pflegeversicherung monatlich bei stationärer Pflege:

Pflege im Heim vs. ambulante Pflege durch Angehörige

Die Entscheidung darüber, ob man einen Angehörigen selbst zu Hause pflegt oder ein Heim aufsucht, ist eine persönliche Entscheidung, die Ihnen niemand abnehmen kann. Es zählen viele Faktoren in die Entscheidung: Können oder wollen Sie die Pflege übernehmen? Welche finanziellen Mittel stehen Ihnen zur Verfügung? Was wünscht sich der Angehörige?

Zur Versorgung Ihres Angehörigen zu Hause müssen Sie mit monatlichen Kosten zwischen 500 und 2500 Euro rechnen. Es gibt aber, neben den oben genannten Leistungen aus der Pflegekasse, auch weitere Unterstützung vom Amt. Bis zu 4000 Euro gibt es beispielsweise für die Wohnraumanpassung – unabhängig vom Pflegegrad. Die Krankenkassen bieten außerdem kostenlose Pflegekurse an.

Wer einen Pflegedienst beauftragen möchte, oder sich für ein Heim entscheidet, sollte sich vorher einen Kostenvoranschlag zusenden lassen. Auf www.pflegelotse.de gibt es außerdem Checklisten, die man nach dem Gespräch mit dem Pflegedienst oder dem Heim durchgehen kann. Das kann helfen, Ihre Gedanken zu sortieren und den besten Dienst zu finden.

Auch interessant

Kommentare