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Acht populäre Irrtümer über die Witwenrente – Stiftung Warentest klärt auf

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Von: Corinna Maier

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Antrag auf Witwenrente: Bei der „Rente wegen Todes“ kursieren viele Irrtümer.
Antrag auf Witwenrente: Bei der „Rente wegen Todes“ kursieren viele Irrtümer. © Imago

Wenn der Ehepartner stirbt, hat der Hinterbliebene oft Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente. Doch die kommt nicht von selbst. Was man zum Thema wissen muss.

München – Im Behördendeutsch heißt sie „Rente wegen Todes“, im alltäglichen Sprachgebrauch Witwenrente, obwohl natürlich auch männliche Hinterbliebene Anspruch darauf haben. Der Name ist dennoch gerechtfertigt, denn 80 Prozent der Bezieher sind weiblich. Die Stiftung Warentest hat im Januar-Heft von „Finanztest“ populäre Irrtümer zum Thema zusammengestellt, berichtet merkur.de. Hier die wichtigsten:

Irrtum 1: Die Witwenrente gibt es automatisch

Leider nein. Sie muss immer beantragt werden, und zwar bei der Deutschen Rentenversicherung. Dazu füllt man den Antrag „R0500 aus, der online unter deutsche-rentenversicherung.de zum Herunterladen bereitsteht. Wer damit nicht zurechtkommt – auch weil der Antrag 19 Seiten umfasst –, kann sich an eine Beratungsstelle der Rentenversicherung wenden und dort Hilfe bekommen. Einen solchen Termin kann man telefonisch unter 0800/10 00 48 00 vereinbaren.

Irrtum 2: Jeder hat Anspruch auf die Rente

Auch das stimmt nicht. Anspruch hat man nur, wenn die Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft mindestens ein Jahr bestanden hat. Ausnahme: Der Partner stirbt infolge eines Unfalls, dann besteht auch bei kürzerer Dauer ein Rentenanspruch. Außerdem muss der Verstorbene die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erreicht und somit den Anspruch auf eine eigene Rente erworben haben. Diese Wartezeit ist nicht nötig, wenn der Partner bei einem Arbeitsunfall starb.

Irrtum 3: Von der Witwenrente kann man gut leben

Eher nicht. Im Schnitt beträgt sie in Westdeutschland knapp 650 Euro im Monat. Die Höhe hängt vom Rentenanspruch ab, den der Verstorbene bereits erworben hatte. Stirbt ein Mensch jung, ist der Anspruch entsprechend gering. Außerdem ist entscheidend, ob man eine große oder eine kleine Witwen- oder Witwerrente bekommt. Das wiederum hängt von mehreren Faktoren ab.

Die kleine Witwenrente beträgt grundsätzlich 25 Prozent der Rente, die der Partner zum Zeitpunkt seines Todes bezogen hat bzw. hätte. Sie wird höchstens zwei Jahre lang bezahlt. Denn die kleine Witwenrente ist für Menschen, die jünger als 47 Jahre sind, nicht erwerbsgemindert sind und kein Kind (mehr) zu erziehen haben. Daher geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Hinterbliebene nach einer Übergangszeit selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen kann.

Zeitlich unbegrenzt wird die kleine Witwenrente an diejenigen ausbezahlt, die vor dem Jahr 2002 geheiratet haben bzw. vor dem 2. Januar 1962 geboren wurden. Die große Witwenrente beträgt 55 oder 60 Prozent der Rente des Verstorbenen. Sie bekommt, wer 47 Jahre und älter oder erwerbsgemindert ist oder ein eigenes Kind oder das des Verstorbenen zu erziehen hat, das noch keine 18 Jahre alt ist. Ist das Kind behindert oder kann nicht selbst für sich sorgen, gibt es die Rente unabhängig vom Alter des Kindes. Wer vor 2002 geheiratet hat und ein Ehepartner ist vor dem 2. Januar 1962 geboren, für den gilt laut Rentenversicherung das alte Recht und die große Witwenrente beträgt 60 Prozent.

Irrtum 4: Die Witwenrente bleibt immer gleich

Ganz und gar nicht. Sie ändert sich sogar mehrfach. Zunächst bekommt der Hinterbliebene für drei Monate nach dem Sterbemonat die volle Rente, also 100 Prozent. Erst danach gibt es nur noch die anteilige Rente von 25, 55 oder 60 Prozent. War der Partner noch nicht im Ruhestand, gibt es mit dem Todestag die Witwenrente. Außerdem wird auch die Witwenrente mit den jährlichen Rentenanpassungen mit erhöht. Tipp der Stiftung Warentest: Sobald jemand, der nur eine kleine Witwenrente bekommt, die Altersgrenze erreicht (sie liegt im Jahr 2023 bei 46 Jahren), kann er die große Witwenrente bekommen. Aber auch diese muss bei der Rentenversicherung beantragt werden. Automatisch bekommt man sie nicht.

Irrtum 5: Witwenrente gibt es auf Lebenszeit

Nicht unbedingt. Hinterbliebene, die eine kleine Witwenrente nach neuem Recht erhalten, müssen nach 24 Monaten ohne diese Leistung auskommen. Unabhängig davon, welche Art von Rente jemand bekommt, endet die Zahlung bei einer neuen Eheschließung. In solchen Fällen kann man aber eine Abfindung in Höhe des 24-Fachen einer monatlichen durchschnittlichen Zahlung aus der Witwenrente des vorhergehenden Jahres beantragen. Diese Abfindung fällt geringer aus, wenn jemand eine kleine Rente nach neuem Recht bekommt. Wer zum Beispiel schon 20 Monate lang Witwenrente bezogen hat, bekommt als Abfindung nur das 4-Fache einer Monatszahlung

Irrtum 6: Man kann zur Witwenrente beliebig dazuverdienen

Kann man leider nicht. Je nach Höhe des eigenen Einkommens kann die Hinterbliebenenrente gekürzt werden. Der Freibetrag für den Zuverdienst liegt bis zum 1. Juli 2023 in Westdeutschland bei 950,93 Euro. Gehören Kinder mit Anspruch auf Waisenrente zum Haushalt, erhöht sich der Betrag je Kind um 201,71 Euro. Auch ein Minijob geht nicht immer ohne Abzüge. Die Rentenkasse addiert Altersrente und Minijobverdienst. Liegt der Betrag über der Freigrenze, wird die Witwenrente gekürzt. Am besten lässt man sich von der Rentenversicherung vorrechnen, welche Einkünfte angerechnet werden und welche nicht. Unterschiede gibt es etwa bei Betriebsrenten und Kapitaleinkünften.

Irrtum 7: Geschiedene bekommen nichts

Das ist nicht gesagt. Grundsätzlich besteht nach einer Scheidung kein Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente. Es gibt laut Rentenversicherung aber Ausnahmen. Und zwar:

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, über die man sich am besten bei der Rentenversicherung beraten lässt.

Irrtum 8: Es gibt keine Alternative zur Witwenrente

Die gibt es schon. Nämlich das Rentensplitting. Dabei wird dem Rentenkonto des Hinterbliebenen ein Teil der Rentenansprüche des Verstorbenen gutgeschrieben, die dieser im Lauf der Ehe erwirtschaftet hat. Das kann sich laut Stiftung Warentest lohnen, wenn man selbst ein gutes Einkommen hat und die Witwenrente deshalb stark gekürzt würde.

Auch für Mütter oder Väter kann das Splitting im Einzelfall interessant sein. Man muss aber wissen, dass man dann dauerhaft auf eine Witwenrente verzichtet. Für das Splittingverfahren müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die Entscheidung Witwenrente oder Splitting muss nicht sofort getroffen werden. Dafür hat man bis zu einem Jahr nach dem Tod des Partners Zeit. Zunächst wird die Witwenrente beantragt, dann geprüft, ob das Splitting günstiger ist. Dabei hilft gegebenenfalls ein freier Rentenberater.

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