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Spahn: „Für jedes Jahr länger leben, einen Monat später in Rente“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Zahlreiche ältere Menschen nutzen die Rente mit 63. In der Union werden nun die Rufe nach einer Erhöhung des Renteneintrittsalters lauter – Fraktionsvize Jens Spahn hat einen konkreten Vorschlag.

Berlin – Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat erst kürzlich die Debatte um das Renteneintrittsalter wieder befeuert. Er will erreichen, dass weniger Menschen vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente gehen. „Es gilt, den Anteil derer zu steigern, die wirklich bis zum Renteneintrittsalter arbeiten können. Das fällt vielen heute schwer“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Aus der Union hat nun der ehemalige Gesundheitsminister und Fraktionsvize Jens Spahn (CDU) einen überraschenden Vorschlag zur Erhöhung des Renteneintrittsalters gemacht. Der Gegner der Rente mit 63 bezeichnet im Interview mit dem Tagesspiegel diese als „großen Fehler der Großen Koalition“. Das berichtet Merkur.de.

Rente mit 63: Zahlreiche ältere Menschen gehen früher in den Ruhestand

Neue Zahlen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigen, dass derzeit zahlreiche ältere Menschen deutlich vor der Regelaltersgrenze den Arbeitsmarkt verlassen. Eine wichtige Rolle spielt demnach die seit 2014 bestehende Möglichkeit des frühzeitigen Rentenbezugs ohne Abschläge für besonders langjährig Versicherte, die sogenannte Rente mit 63. Laut BiB ging 2021 jede und jeder Dritte über diesen Weg in die Rente.

Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigten zudem, dass in den letzten Jahren vermehrt Menschen vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand gingen und hierfür Rentenabschläge in Kauf nahmen. Bei etwa einem Viertel der im letzten Jahr neuen Rentnerinnen und Rentner war dies laut BiB der Fall. Für das Institut gibt die Entwicklung „aus finanz- und arbeitsmarktpolitischer Sicht Anlass zur Sorge“.

Spahn: „Das Rentenalter sollte künftig an die Lebenserwartung gekoppelt werden“

Nach Scholz Äußerungen bringen sich nun vermehrt Unions-Politiker in der Debatte ins Spiel und positionieren sich gegen die Rente mit 63. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, Scholz habe jede Möglichkeit zur Kurskorrektur und zum vorzeitigen Beenden der Rente mit 63. Die Ampel habe die Verantwortung, Anreize zu formulieren, mit denen ein späteres Renteneintrittsalter erreicht werde.

Unionsfraktionsvize Spahn hat nun auch in einem Interview mit dem Tagesspiegel konkrete Vorschläge gemacht, wie eine Erhöhung des Renteneintrittsalters aussehen könnte. „Wir werden immer älter. Das Rentenalter sollte künftig an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Für jedes Jahr länger leben, einen Monat später in Rente“, sagte Spahn dem Tagesspiegel. Viele Hunderttausende Fachkräfte würden wegen der Rente mit 63 fehlen.

Die CDU arbeitet gerade unter der Leitung von Vize-Chef Carsten Linnemann an einem neuen Grundsatzprogramm. Auch er hat sich laut Tagesspiegel für eine Kopplung der Lebensarbeitszeit an die durchschnittliche Lebenserwartung ausgesprochen: „Eine Pflegekraft oder ein Dachdecker wird nicht bis 67 arbeiten können. Diese Menschen müssen wir unterstützen, und zwar stärker als heute. Aber wer noch fit ist und noch kann, der wird in Zukunft länger arbeiten müssen.“ 

Mit Material der dpa

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