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Hamburg – Berlin – Leipzig: Bahn-Rivale Flixtrain erweitert Angebote

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Flixtrain kehrt gestärkt zurück: mit mehr Fahrten, neuen Strecken und schnelleren Verbindungen. Vor allem die Paradestrecke wird häufiger befahren.

München – Über Monate hinweg standen die grellgrünen Züge und Busse wegen der Corona-Krise still. Doch Flixtrain, ein Ableger von Flixbus, kehrte am 20. Mai wieder auf die Gleise zurück und macht der Deutschen Bahn direkt Konkurrenz*. Denn das Münchner Unternehmen hat expandiert: Im Vergleich zu den Verhältnissen vor Corona bietet Flixtrain jetzt mehr Fahrten und neue Strecken an.

Flixtrain GmbHDeutsches Eisenbahnverkehrsunternehmen
EigentümerFlixmobility
Gründung2017
StreckenangebotSechs Linien (s. unten)

Die Privatbahn hat etwas geschafft, was vorher noch kein anderer Anbieter dieser Art zustande gebracht hat: Die Flixtrain-Züge fahren erst seit 2018 und bereits drei Jahre später hat das ehemalige Start-Up sein Streckennetz verdoppelt – und hat einen Sprung von drei auf sechs Linien innerhalb Deutschlands gemacht.

Paradestrecke Hamburg – Berlin – Leipzig wird von Flixtrain jetzt häufiger befahren

Die Paradestrecke Hamburg* – Berlin – Leipzig fährt von nun an bis zu viermal je Richtung. Zusätzlich werden die Strecken Berlin – Köln, Hamburg – Köln, Berlin – Stuttgart, seit Freitag Frankfurt – München und seit Donnerstag als Nachtlinie Hamburg – München angefahren. Auf den bestehenden Strecken sollen die auffallend grünen Züge jetzt sogar bis zu einer Stunde schneller unterwegs sein.

Der seit 2013 alle Autobahnen dominierende Fernbusanbieter Flixbus fährt bereits seit März dieses Jahres wieder*. Doch auch die Busse mussten wegen Corona fast fünf Monate in der Garage verweilen und bewegen sich bisher auf reduziertem Streckennetz. Zunächst sollen vierzig deutsche Städte angefahren werden, darunter die Metropolen Berlin, Hamburg und München. Außerdem gilt in den grünen Bussen ein strenges Hygienekonzept, das Lüftungssysteme mit Frischluft, Maskenpflicht und die Desinfektion der Fahrzeuge voraussetzt.

Mit normalerweise 400 innerdeutschen Fahrten täglich ist Flixbus der größte Fernbus-Reiseanbieter Deutschlands und hat der Art des Reisens mit Fernbussen in Deutschland den Durchbruch ermöglicht. Vor der Corona-Pandemie fuhren die Reisebusse ganz Europa an und konnten täglich 400.000 Verbindungen in rund 2.500 Orten in über 35 europäischen Ländern anbieten. Durch Flixbus kann man sich Europa also tatsächlich per Bus erschließen – mit ein wenig Zeit im Gepäck. Zieht Flixtrain ähnlich nach?

Flixtrain macht Deutscher Bahn Konkurrenz: mit mehr Fahrten und neuen Strecken

Flixtrain: Wollen Deutscher Bahn die Passagiere nicht wegnehmen

„Mit dem Angebot [von Flixtrain]* zeigen wir, dass wir Teil der Mobilitätswende sein können“, erzählt Flixbus-Mitgründer und Geschäftsführer André Schwämmlein dem Hamburger Abendblatt. Er spricht aber ausdrücklich davon, den ICE nicht kopieren und auch der Deutschen Bahn keine Passagiere wegnehmen zu wollen. Denn seiner Meinung nach kann die Deutsche Bahn es nicht alleine schaffen, die vom Bund angedachten 300 Millionen Reisenden bis 2030 in Fernzügen zu transportieren.

Mit Flixtrain soll eine echte Alternative geschaffen werden und Schwämmlein sieht bei seinem Unternehmen die beste und einzige Chance, dass es jemals einen erfolgreichen Wettbewerber im Eisenbahnfernverkehr in Deutschland geben wird. Ihm zufolge nehmen die Kunden das Produkt sehr gut an, die Nachfrage wachse Woche für Woche.

Zu Corona verzeichnet Flixtrain Verluste von 50 Prozent

Aber auch das jetzt blühende Unternehmen hatte während Corona zu kämpfen. Aufgrund des stetigen Lockdowns und der Reisebeschränkungen fiel natürlich auch die Nachfrage nach Fernbussen und -zügen extrem. Im Jahr 2020 verzeichnete Flixbus ganze 50 Prozent weniger Fahrgäste als noch im Jahr 2019. Schwämmlein zufolge hätten sie die Krise mit vorsichtiger und vorausschauender Planung aber gut überstanden.

Seit dem Neustart nach Corona* sitzen die Reisenden in Flixtrains ausschließlich in modernisierten und einheitlichen Großraumwaggons mit neuen Sitzen. Ein Restaurant oder eine erste Klasse gibt es nicht – davon wird angenommen, dass es die Passagiere nicht brauchen.

Preise von Flixtrain unschlagbar – vor allem im Gegensatz zur Deutschen Bahn

Auf jeden Fall punkten kann Flixtrain aber mit den unschlagbaren Preisen – besonders im Gegensatz zu dem einzigen Konkurrenten Deutsche Bahn. Sucht man beispielsweise nach einer Zugverbindung von Hamburg nach Berlin, am Samstag, den 19.06.2021 gegen 12 Uhr, erhält man folgende Ergebnisse: Flixtrain bietet ein Ticket für 9,99 Euro an; die Deutsche Bahn verlangt dagegen satte 59,90 Euro – beide brauchen für die Strecke etwa zwei Stunden! *24hamburg.de und Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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