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Länger, größer, teurer - FTI-Chef hofft auf starkes Sommer-Geschäft

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Von: Thomas Schmidtutz

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Ralph Schiller: Der Chef des Münchner Reiseveranstalters FTI Group geht mit großer Zuversicht in die Sommersaison.
Ralph Schiller: Der Chef des Münchner Reiseveranstalters FTI Group geht mit großer Zuversicht in die Sommersaison. © FTI Group

Die Münchner FTI Group geht mit großer Zuversicht ins Sommergeschäft. Die Buchungen lägen inzwischen auf „Vor-Corona-Niveau“, sagte FTI-Chef Ralph Schiller.

München - Beim Münchner Reiseveranstalter FTI Group zieht das Geschäft derzeit deutlich an. Nach einer Delle wegen der Omikron-Variante habe man zuletzt ungewöhnlich starke Buchungseingänge gesehen, sagte FTI-Chef Ralph Schiller Merkur.de*.

Viele Kunden reservierten länger, buchten beim Hotel oder dem Zimmer eine Kategorie höher „oder beides“, sagte der Chef des drittgrößten europäischen Reiseveranstalters - unter anderem FTI, Windrose und Sonnenklar.TV zählen zur Gruppe. Zudem liege die Zahl von Reservierungen für Mietwagen und Camper „auf Rekordniveau“. Merkur.de sprach mit Schiller über die begehrtesten Reise-Ziele 2022, die Gefahr steigender Ticket-Preise und die Lage in der krisengeschüttelten Türkei. 

Herr Schiller, kaum ein anderer Wirtschaftsbereich ist während der Corona-Pandemie so hart gebeutelt worden wie der Tourismus. Inzwischen steuert die Branche auf den dritten Corona-Sommer zu. Zuletzt haben sich immer mehr Branchenriesen zuversichtlich zu den Aussichten für den Sommer 2022 geäußert. Ist das nur Zweck-Optimismus?

Wir können nur über uns sprechen, aber ja: Die Entwicklung ist derzeit auch bei uns sehr positiv.

Weil sich die Lage in der Corona-Pandemie weiter aufhellt?

Immer, wenn die Kunden das Gefühl hatten, dass sie reisen können, haben wir gute Geschäfte gemacht. Das war auch im vergangenen Jahr so. Zwischen Juni und Oktober 2021 haben die Kunden wegen der Corona-Lage sehr kurzfristig gebucht. Jetzt wächst bei den Kunden erneut die Hoffnung, dass Reisen wieder einfacher möglich sind. 

Und die Buchungszahlen steigen wieder?

Es gab im November eine kleine Omikron-Delle. Aber derzeit ziehen die Buchungen wieder an. Für die Sommer-Saison sieht es sehr gut aus. Da dürften die Buchungen gerade mal zehn Prozent unter dem Niveau vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie liegen.

Im vergangenen Frühjahr herrschte zunächst ebenfalls Zuversicht in der Branche, auch bei Ihnen.* Aber am Ende haben sich die hohen Erwartungen doch nicht erfüllt. Warum sollte es 2022 besser sein?

Weil wir einen völlig anderen Vorlauf haben. Im vergangenen Jahr hatten wir während des Voll-Lockdowns im Winter praktisch keine Buchungen für den Sommer. Das Geschäft hat dann eigentlich erst mit dem Ende des Lockdowns im Mai eingesetzt. Dieses Jahr haben wir hier eine ganz andere Entwicklung. Auch während des Winters sind die Kunden gereist. Inzwischen liegen wir bei den Buchungen für die Sommer-Saison sogar wieder auf Vor-Corona-Niveau.

Welche Ziele liegen denn besonders im Trend?

Ganz oben steht ähnlich wie im Vorjahr Griechenland. Viele Menschen fühlen sich in Pandemie-Zeiten offenbar auf Inseln sicherer. Das gilt auch für Zypern oder Malta. Daneben sind Spanien einschließlich der Kanaren und Italien sehr gefragt. Aber inzwischen kommen auch andere Märkte zurück. Das ist etwa in Ägypten so, Südafrika oder die USA, wo wir sehr hohe Buchungseingänge sehen. Außerdem zieht Thailand an. Und dazu boomt auch noch das Geschäft mit Mietwagen und Campern. Da erleben wir ein historisches Buchungshoch.

Warum?

Beliebte Märkte wie die USA oder Australien öffnen wieder. Und bei Mietwagen wissen viele inzwischen, dass es bei spontanen Buchungen vor Ort eng werden könnte und die Preise entsprechend anziehen.

So wie im vergangenen Jahr…

….wo die Preise bei kurzfristigen Buchungen extrem hoch waren. Teilweise lagen die Mietwagen-Preise bei Buchungen vor Ort um 50 bis 60 Prozent, teilweise sogar um 100 Prozent über dem üblichen Niveau.

Wo werden die Preise für Mietwagen im laufenden Jahr denn bei frühzeitiger Buchung liegen?

Da müssen wir gegenüber 2019 mit einem Aufschlag von 15 Prozent rechnen.

Die Türkei gehört traditionell zu den beliebtesten Urlaubszielen. Zuletzt hat die Lira jedoch einen drastischen Kurs-Verfall erlebt. Wird der Urlaub in der Türkei in diesem Jahr also besonders günstig?

Für Gäste wird das Land vor allem bei den Nebenkosten wie Restaurant-Besuchen oder Shopping sehr viel günstiger als in den vergangenen Jahren. Aber man darf nicht vergessen: Die meisten Urlauber buchen bei Aufenthalten in der Türkei ein All-Inclusive-Produkt. Da spielen die Nebenkosten eine untergeordnete Rolle. Unsere Verträge mit den Hoteliers vor Ort laufen in Euro. Zugleich ziehen die Buchungen auch für die Türkei derzeit stark an, vor allem bei Familien. Da wird sich preislich wohl nicht viel tun. 

Sie könnten angesichts der Währungsentwicklung zumindest auf Preis-Zugeständnisse drängen, etwa bei Hotels?

Im Moment zieht die Nachfrage für die Türkei auch in anderen Quellmärkten an. Das gilt etwa für Osteuropa oder Großbritannien. Entsprechend überschaubar ist auch die Bereitschaft zu Preis-Zugeständnissen, zumal es für das Personal in der Türkei wegen der hohen Inflation gerade eine Gehaltserhöhung von 50 Prozent gegeben hat.

Urlaub zu Hause war während der Pandemie sehr gefragt. Nun hellt sich die Lage für den Sommer in vielen Ländern auf. Droht dem Urlaubsland Deutschland damit 2022 ein Rückschlag?

Deutschland war schon immer das Lieblingsziel der Deutschen. Es gab in den vergangenen beiden Jahren aber eine etwas irreführende Diskussion, wonach Deutschland während der Pandemie als Reiseziel wiederentdeckt wurde. Tatsächlich ist Deutschland nicht neu entdeckt worden. Aber die Kapazitäten an der deutschen Nord- und Ostsee-Küste sind eben sehr begrenzt. Und die entsprechenden Urlaubsunterkünfte waren im Sommer traditionell ausgebucht. Zuletzt wurde die Lage ja noch dadurch verschärft, dass die Hotels die Kapazitäten wegen der Corona-Auflagen gar nicht voll auslasten durften. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass wir in Deutschland im Sommer – sofern es keine neuen Corona-Einschränkungen gibt - voraussichtlich mehr Gäste haben werden. Aber der prozentuale Anteil wird eben sinken, weil es wieder mehr Menschen ins Ausland ziehen wird.

Mit der Pandemie sind auch die Rücklagen vieler Haushalte auf Rekordhoch. Es gab zuletzt einen Trend zu höherwertigen sowie längeren Reisen. Hält das an?

Ja, dieser Trend setzt sich fort. Die Gäste bleiben länger oder buchen beim Hotel oder dem Zimmer eine Kategorie höher oder beides. Insgesamt liegen die Erlöse pro Gast und Buchung damit rund 15 Prozent über Vor-Corona-Niveau.

Strandleben auf Mallorca: Die Balearen-Insel dürfte bei Urlaubern auch im nächsten Sommer heiß begehrt sein.
Strandleben auf Mallorca: Die Balearen-Insel dürfte bei Urlaubern auch im nächsten Sommer heiß begehrt sein. © Clara Margais/dpa

FTI-Chef Schiller: Tickets dürften im Jahresverlauf teurer werden

Was heißt die Entwicklung für Ihr Geschäft? Gibt es 2022 operativ endlich wieder schwarze Zahlen?

Das ist der Plan.

Das wäre das erste Mal seit 2019?

Ja.

Dann haben Sie ja insgesamt ein schönes Jahr vor sich?

Wenn wir eines während der Pandemie eines gelernt haben, dann, dass sich die Dinge während der Pandemie sehr rasch wieder ändern können. Von daher bleiben wir vorsichtig optimistisch.

Für Reisende gibt es in diesem Jahr ja durchaus ein paar Fragezeichen, allen voran steigende Ölpreise. Das schlägt sich auch bei Kerosin nieder. Dazu ziehen auch die Flughafen-Gebühren weiter an. Was heißt das für die Ticket-Preise?

Die Airlines sichern sich in der Regel gegen steigende Kerosin-Preise ab. Deshalb spiegelt sich die Entwicklung am Ölmarkt noch nicht in den Ticketpreisen wider. Aber im weiteren Jahresverlauf dürfte sich das ändern. Dann dürften auch die Tickets teurer werden. 

Ryanair und Eurowings haben bereits für den Sommer höhere Preise angekündigt?

Wenn die Buchungen besser laufen als erwartet, könnten die Absicherungsgeschäfte möglicherweise nicht ganz reichen. Das könnte dann zu Preisanpassungen führen.

Was heißt die Entwicklung für den Urlauber?

Wir empfehlen grundsätzlich immer, frühzeitig zu buchen.

Das ist jetzt nicht überraschend.

Natürlich hilft uns das auch als Unternehmen. Aber in diesem Jahr ist das natürlich noch sinnvoller als sonst. Angesichts der hohen Inflationsraten, Hedging und der steigenden Nachfrage auch aus anderen Quellmärkten kann man nur empfehlen, sich frühzeitig zu entscheiden – vor allem, wenn man beim Ziel schon sehr festgelegt ist. 

*Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA

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