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„Ziemlich hilflos“: Deutsche Kommunen sind nicht auf einen Blackout vorbereitet

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Von: Patricia Huber

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Im Falle eines Blackouts sieht es für viele deutsche Kommunen düster aus. Ein einheitlicher Plan zur Vorbereitung auf den Notfall müsste her.

Berlin – In den vergangenen Wochen kursierte immer wieder der Begriff „Blackout“ in den Medien. Angesichts der Energiekrise wächst die Sorge vor einem längeren Stromausfall. Manche Städte bereiten ihre Bürger sogar schon auf den Notfall vor und verteilen Flyer mit Handlungsempfehlungen. Haushalte sollen sich demnach vorsorglich mit Lebensmitteln und Wasser eindecken. Doch vor allem bei den offiziellen Stellen hapert es einem Bericht zufolge bei den Vorbereitungen.

Was versteht man unter einem Blackout?

Ein Blackout ist ein länger andauernder, meist überregionaler Strom-, Infrastruktur- und Versorgungsausfall. Regionale Ausfälle können häufig nach Stunden behoben werden, überregionale Ausfälle erst nach einigen Tagen. Davon zu unterscheiden sind kurzzeitige technische Störungen (10 bis 15 Minuten) in der Stromversorgung.

Energiekrise: Über 100 Kommunen nicht auf einen Stromausfall vorbereitet

Die Katastrophenschutzbehörden sind in vielen Landkreisen und Städten nach Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz bisher nicht für einen längeren Stromausfall gewappnet. Das Magazin hatte bundesweit mehr als 400 Landkreise und kreisfreie Städte sowie Berliner Bezirke im Zeitraum September bis Anfang Oktober angefragt, mehr als 200 Kommunen nahmen an der Umfrage teil.

Auf die Frage: „Gibt es in Ihrer Verwaltung einen Einsatzplan Stromausfall, auf den im Notfall alle Beteiligten unmittelbar zugreifen könnten?“, antworteten 101 Kommunen mit, „Nein“, wie Report Mainz am Dienstag berichtete. Auf die Frage, ob es im Zuständigkeitsbereich des jeweiligen Kreises oder der Stadt Notbrunnen gibt, antworten 78 Kommunen mit „Nein“.

Katastrophenforscher warnt: „Schadenspotenzial enorm“

Katastrophenforscher und Professor Martin Voss bereitet das Sorgen. „In der Bilanz ist das problematisch, und man muss nüchtern sagen, dass wir deshalb bei komplexen Krisen, komplexen Katastrophen dann ziemlich hilflos dastehen“, so Voss. „In dem Moment, wo [ein Stromausfall] passiert, wäre das Schadenspotenzial so enorm, dass man davor nicht einfach die Augen verschließen sollte.“ 

Gerd Landsberg, Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, würde sich eine einheitliche Lösung wünschen: „Eigentlich müssten die Länder sich auf einen Masterplan für zivilen Katastrophenschutz verständigen.“ Dieser müsse gemeinsam mit den Kommunen umgesetzt werden. Und man müsse sich „um Hilfe von Seiten des Bundes bemühen“.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) steht der Forderung der Kommunen „sehr aufgeschlossen“ gegenüber, wie er Report Mainz sagte. Allerdings stoße er „in der Regel dann sehr schnell auf sehr viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die sagen: ‚Das weiß ich selbst, da brauche ich keine klugen Ratschläge aus Berlin oder München oder woher auch immer.‘“ Das Risiko von größeren Stromausfällen müsse sehr ernst genommen werden, mahnte Herrmann. (dpa/ph)

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