Vor dem endgültigen Atomkraft-Aus: Wohin mit dem ganzen Atommüll?
Am 15. April 2023 werden die letzten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet. Damit ist das Thema aber lange nicht vom Tisch. Gesucht wird immer noch ein Atommüll-Endlager - für eine Million Jahre.
Berlin – Beim Thema Atomkraft wird die Frage nach dem Müll gerne ausgeblendet. Die Abschaltung der letzten AKWs in Deutschland ist nicht unumstritten. Bei der Frage nach dem Atommüll sind sich dagegen alle einig: Keiner will ihn haben. Die Suche nach einem Endlager für radioaktiven Müll dauert an. Derzeit kommen noch 90 Gebiete in Deutschland für die Endlagerung infrage.
Anforderungen ans Endlager: Sicherheit für die nächsten 30.000 Generationen
Die Gebiete, die für die Endlagerung des Atommülls infrage kommen, müssen folgende Anforderungen erfüllen:
- Der Atommüll muss sicher eingeschlossen werden und in mindestens 30 Metern Tiefe gelagert werden
- Der Einschluss muss durch die Gesteine Ton, Salz oder Granit erfolgen
- Es müssen bestimmte geologische Voraussetzungen erfüllt sein, z.B. bei möglichen Gasen oder beim Grundwasser
- Der Atommüll muss rückholbar und bergbar sein
Bei der Standortsuche werden alle möglichen Gebiete umfassend untersucht. So wird beispielsweise überprüft, welche geologische Aktivität in der Region gemessen und vorhergesagt wird, wie sich die verschiedenen Gesteine verhalten und ob ein mögliches Endlager auch in Zukunft sicher erreichbar wäre. Der Standort muss für die nächste eine Million Jahre als Endlager dienen. Oder, wie es Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) im Handelsblatt ausdrückt: „Wir haben etwa drei Generationen lang Atomkraft genutzt in unserem Land und dabei Abfälle produziert, die noch für 30.000 Generationen gefährlich bleiben.“
Endlagersuche: Aufwendige Suche
Die 90 möglichen Gebiete sind verteilt über alle Bundesländer außer dem Saarland. Infrage kommen vor allem Gebiete in Norddeutschland, wo es viel Tongestein gibt, oder in Mittel- und Ostdeutschland, wo vor allem Granit als Wirtsgestein dienen könnte. Im Süden und Westen gibt es vergleichbar wenige geeignete Regionen. Hier ist eine Karte mit den ausgewiesenen Gebieten, die derzeit untersucht werden.

Die Endlagersuche ist extrem aufwendig. Noch weiß niemand, wie viele von den 90 zu untersuchenden Gebieten am Ende überhaupt übrig bleiben.
Und wenn ein Standort gefunden werden sollte, dürfte ein harter Kampf in der jeweiligen Region bevorstehen. Als im vergangenen Jahr die Schweiz ein Endlager an der deutschen Grenze gefunden hat, kam es zu massiven Protesten auch hierzulande. Und auch die heftigen, jahrzehntelangen Proteste in Gorleben in Niedersachsen sind noch nicht verblasst. Wenn dann eine Standortwahl getroffen wurde, wird in der Kommunikation exctrem viel Fingerspitzengefühl gefragt sein.
Wir haben etwa drei Generationen lang Atomkraft genutzt in unserem Land und dabei Abfälle produziert, die noch für 30.000 Generationen gefährlich bleiben.
Endlager muss bald gefunden werden – Genehmigungen für die Zwischenlager laufen aus
Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Ursprünglich sollte die Wahl für das Endlager bis 2031 stehen. Seit Dezember 2022 gelten aber neue Regeln: Bis 2027 muss die aktuelle Gebietsauswahl erstmal nur eingegrenzt werden. Einen neuen Stichtag, bis wann das Endlager gefunden sein muss, gibt es nicht. Doch die Uhr tickt. Aktuell lagern die 1900 Atommüll-Behälter in 16 Zwischenlagern, deren Genehmigungsfristen nach 40 Jahren enden. Die erste Frist läuft 2034 aus. Ob eine Verlängerung der Zwischenlagergenehmigungen reibungslos möglich sein wird, ist fraglich.