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Turbulent-Turbinen: Was können die Wasserkraftwerke im Kleinstformat?

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Von: Sebastian Richter

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Eines der Pilotprojekte von Turbulent in Chile.
Eines der Pilotprojekte von Turbulent in Chile. © Turbulent

Ein neues Unternehmen aus Belgien will die Welt der Wasserkraftwerke revolutionieren. Ihre Turbine kann an fast jedem Fluss installiert werden.

Kassel – Energie aus Wasserkraft: Das kennt man normalerweise von riesigen Wasserkraftwerken, die über Flüsse oder Stauseen Energie erzeugen. Auch Gezeitenkraftwerke haben sich etabliert und sind inzwischen breit bekannt. Das Problem bei diesen „klassischen“ Wasserkraftwerken: Nur wenige Stellen eignen sich für die großen Bauwerke, außerdem sind sie teuer und aufwendig im Bau.

Ein kleines Unternehmen aus Belgien will diese Probleme nun lösen. Das Versprechen: Grüner Strom aus Flüssen und Kanälen schon mit geringer Fallhöhe des Wassers. Die Kraftwerke sollen zudem kostengünstig und ohne große Vorkenntnisse gebaut werden können. Wie funktionieren die Wasserkraftwerke im Miniformat der Firma Turbulent? Und wie effizient sind sie?

Wasserkraftwerke von Turbulent: Nahezu jeder Fluss eignet sich

Die Turbinen sollen praktisch an jedem Fluss oder Kanal installiert werden können. Schon ein Gefälle von 1,5 Metern reicht für die kleinste Anlage, die Turbulent im Angebot hat. Die Kraftwerke werden in einer kleinen Betonkonstruktion platziert. Das durchlaufende Wasser erzeugt so einen Wirbelsog, aus dem mittels einer „Turbulenzwirbelturbine“ der Strom erzeugt wird, erklärt das Unternehmen auf seiner Website.

Das besondere dabei: Im Gegensatz zu herkömmlichen Wasserkraftwerken bleibt der Wasserdruck durch den zirkulierenden Wasserdurchfluss gering. Fische und andere Wasserlebewesen können laut Turbulent hindurchschwimmen und werden nicht gefährdet. Die Konstruktion kann entweder direkt in einem Fluss oder über einen Kanal an Land betrieben werden.

Das Start-up verspricht zahlreiche Vorteile der Mini-Kraftwerke: Sie sollen kontinuierlich Energie gewinnen, einfach zu installieren sein, wenig Wartung erfordern, aus der Ferne überwachbar und nicht zuletzt für Fische ungefährlich sein. Gleichzeitig erzeugen sie laut den Erfindern so viel Strom wie eine Solaranlage von der Größe eines Fußballfeldes – mit nur acht Prozent des Platzes. Eine einzige Turbine könne dadurch bis zu 60 Häuser mit Strom versorgen.

Kleine Wasserkraftwerke von Turbulent: Für große Städte ungeeignet

Nach eigenen Angaben gingen seit 2018 bereits 15.000 Anfragen bei der Firma ein. Damals ging Turbulent in den sozialen Netzwerken mit einem Video viral. Inzwischen stehen Kraftwerke bereits in Frankreich, Estland, Indonesien, Chile und Portugal. Bisher nur in kleinem Ausmaß: Zwischen 5,5 kW und 15 kW produzieren die Turbulent-Wasserkraftwerke. Zum Vergleich: Die 7300 Wasserkraftanlagen in Deutschland produzieren laut dem Bundesverband deutscher Wasserkraftwerke insgesamt etwa 5600 MW – und decken gleichzeitig nur 3,5 Prozent des Brutto-Stromverbrauchs in Deutschland.

Um große Städte in dicht besiedelten Ländern mit Energie zu versorgen, eignen sich die Wasserkraftwerke von Turbulent also eher nicht. Allerdings ist das gar nicht das Ziel der Erfinder: „Wir bringen sauberen und erschwinglichen Strom in entlegene Gebiete, indem wir neue Technologien entwickeln und die Menschen vor Ort befähigen, sie zu nutzen“, heißt es auf der Website der Belgier. Und dafür erscheinen ihre Kraftwerke ideal. In Deutschland bleibt die Windkraft das Sorgenkind. Der Ausbau verläuft nur schleppend. (spr)

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