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Holocaust-Challenge: TikTok greift hart gegen Nazi-Kinder durch – „Nulltoleranzpolitik“ bei Antisemitismus

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Für die viral gegangene Holocaust-Challenge auf TikTok haben sich Jugendliche so geschminkt, dass sie aussahen wie ermordete Juden aus den Konzentrationslagern des dritten Reichs. Das sorgt für breite öffentliche Empörung. TikTok hat den Trend deshalb gestoppt. TikTok fährt eine Nulltoleranzpolitik bei Antisemitismus.

  • Holocaust-Challenge auf TikTok sorgt für Empörung.
  • Jugendliche schminken sich und „spielen“ jüdische KZ-Opfer.
  • Nulltoleranzpolitik bei Antisemitismus: TikTok schreitet ein.

Update vom Donnerstag, 3. September 2020, 14:00 Uhr: Hamburg – Die Holocaust-Challenge auf TikTok ist Geschichte. Die Userinnen und User, die entsprechende Videos auf die Plattform hochgeladen haben, hätten die Clips mittlerweile gelöscht, erklärte eine Unternehmenssprecherin von TikTok Deutschland gegenüber 24hamburg.de.

Chinesisches VideoportalTikTok
Entwickelt vonByteDance
ErstveröffentlichungSeptember 2016
Aktuelle Version16.6.52 (Android); 30. Juli 2020, 16.6.5 (iOS); 20. Juli 2020
KategorieVideoportal
BetriebssystemAndroid, iOS

Die entsprechenden Videos hätten gegen die Community-Richtlinien und Nutzungsbedingungen der Plattform verstoßen. „Diese Richtlinien machen deutlich, dass wir keine Inhalte tolerieren, die Hassreden enthalten. Wir definieren Hassreden als Inhalte, die eine Einzelperson oder eine Gruppe von Personen auf der Grundlage geschützter Eigenschaften angreifen, bedrohen, zur Gewalt gegen sie aufrufen oder sie entmenschlichen“, erklärt die Sprecherin weiter.

Die Holocaust-Challenge auf TikTok löste Empörung aus. (24hamburg.de-Montage)

„Beim Thema Antisemitismus und Holocaust-Leugnung haben wir eine Nulltoleranzpolitik. Wir akzeptieren keine antisemitischen Inhalte auf unserer Plattform. Als globalen Standard verbieten wir die Leugnung des Holocaust auf unserer Plattform weltweit. Wir gehen streng gegen solche Verstöße vor und entfernen oder blockieren Inhalte und Nutzer*innen, die sie verbreiten“, lässt die Sprecherin wissen.

Die Holocaust-Challenge hat ursprünglich darauf abgezielt, ein junges Zielpublikum über die Gräueltaten im dritten Reich aufzuklären, berichtet 24hamburg.de. Dafür schminkten sich Jugendliche so, dass sie aussahen wie jüdische KZ-Opfer. Schnell kam Kritik laut, dass TikTok mit seinen kurzen Videoclips, die meist mit Musik untermalt werden, nicht die richtige Plattform sei, um über so ein komplexes Thema aufzuklären.

Widerliche Holocaust-Challenge auf TikTok: Jugendliche schminken sich zu KZ-Opfern

Erstmeldung vom Dienstag, 01. September 2020, 19:05 Uhr: Fort Bragg/USANathan Freihofer ist mit drei Millionen Followern in den USA ein bekannter TikTok-Influencer. Und US-Soldat. Auf der Plattform erzählte er am Montag, 31. August 2020, einen Witz über Juden, die im Holocaust eingeäschert wurden. Das brachte ihm eine Suspendierung. Der Clip entstand, während in den USA eine Debatte über die Holocaust-Challenge auf der Social-Media-Plattform tobt.

Holocaust-Challenge auf TikTok: Jugendliche „spielen“ KZ-Opfer – US-Soldat wegen Videoclip suspendiert

Bei der Holocaust-Challenge auf TikTok schminken sich Jugendliche so, dass sie aussehen wie jüdische KZ-Opfer. Mit eingefallenen Wangen drehen sie dann kurze Videos. Der Zuschauer nimmt beispielsweise die Rolle von Gott ein, der sich anhört, wie der Mensch gestorben ist. Oder die Position eines KZ-Aufsehers, der eine Insassin zurück an die Arbeit schickt.

Die Idee hinter der Holocaust-Challenge sei gewesen, auf das Thema aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für die Gräueltaten im dritten Reich zu schärfen, berichtet das Magazin „Wired“ (englischsprachig). Tatsächlich sind einige der Clips durchaus nachdenklich gemacht. Aber eben längst nicht alle. Dabei sei auch die Plattform TikTok selbst das Problem. Denn sie sei schlicht nicht geeignet, um solche Themen den geeigneten Rahmen zu geben.

Jugendliche als KZ-Opfer geschminkt: Holocaust-Challenge sollte über Gräuel aufklären, verharmlost sie aber

Auf TikTok werden die kurzen Videoclips mit Musik hinterlegt. Während also die krank und ausgemergelt aussehenden Jugendlichen zwei oder drei Sätze über den Holocaust verlieren, tönen im Hintergrund mal mehr mal weniger poppige Songs von Bruno Mars oder Billy Eilish. Dazu kommt, das längst nicht jedes Video die Ursprungsidee aufgreift.

Die Idee bei TikTok ist es, dass sich möglichst viele User an den wechselnden Trends beteiligen. So auch an der Holocaust-Challenge. Viele der Videos scheinen deswegen eher darauf ausgelegt zu sein, Klicks zu generieren und Follower zu gewinnen. So mimt eine Jugendliche, geschminkt als jüdisches KZ-Opfer, einfach nur eine Sängerin, die den Hintergrund-Song performt.

US-Soldat nach antisemitischem Video auf TikTok suspendiert

Auch die israelische Tageszeitung „Haaretz“ (englischsprachig) empört sich über die Holocaust-Challenge auf TikTok. Die Plattform sei nicht das richtige Forum, um solch eine komplexe Geschichte aufzuarbeiten. Bei nicht-jüdischen Usern würde es sich außerdem um kulturelle Aneignung handeln.

Während die Debatte rund um die Holocaust-Challenge noch lief, postete auch US-Soldat Nathan Freihofer einen Clip auf TikTok. Mit drei Millionen Followern gehört er zu den bekannteren Influencern der Plattform in den USA. Um Klicks zu machen, erzählt er anstößige oder beleidigende Witze. Sein jüngster brachte ihm jedoch eine Suspendierung ein, wie 24hamburg.de schreibt.

Antisemitismus in den sozialen Medien: US-Armee nimmt Ermittlungen gegen Soldaten auf

US-Soldat Nathan Freihofer steht für den Clip in seinem Badezimmer und fragt: „Welchen Pokémon-Charakter haben Juden am liebsten?“. Die Antwort: „Ash.“ Ein Charakter aus der Serie und gleichzeitig das englische Wort für „Asche“. Direkt hinterher schickt er den Satz: „Wenn Sie sich dadurch beleidigt fühlen, verpi***n Sie sich. Es ist ein Witz.“

TikTok reagiert mit einer Nulltoleranzpolitik auf Antisemitismus auf ihrer Plattform.

Einen, den das 18. Airborne Corps der US-Armee im amerikanischen Fort Braggs nicht lustig findet. Innerhalb der Streitkräfte gibt es die Kampagne „Think, type, post.“ Also „Denke, tippe, poste“. Sie soll verhindern, dass Soldaten Dinge in den sozialen Medien verbreiten, die das Ansehen der Armee beschädigen könnten. Genau das könnte Nathan Freihofer mit seinem Witz aber getan haben. Das US-Militär hat mit den Ermittlungen begonnen und den US-Soldaten bis zum Abschluss der Arbeiten suspendiert.

Aufruf: TikTok-User sollen Videos zur Holocaust-Challenge selbst löschen

Die Zeitung „Haaretz“ schließt ihre Berichterstattung über die Holocaust-Challenge auf TikTok mit einem Aufruf: „Informieren Sie sich mehr über die Geschichte des Holocaust und darüber, wie tief er im heutigen jüdischen Leben verwurzelt ist. Und bitte, löschen Sie Ihre Videos und entschuldigen Sie sich bei Ihren Zuschauern.

Dies ist ein Trend, der wirklich beendet werden muss.“ Einige Videos sind seitdem tatsächlich nicht mehr verfügbar. Dabei handelt es sich längst nicht um die erste fragwürdige TikTok-Challenge. Für „Kulikitaka“ begaben sich die User sogar in Lebensgefahr*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Screenshot TikTok/samanthareyy, Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/picture alliance

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