Neue Beobachtungen beunruhigen

Schwarze Löcher auf Kollisionskurs: Droht Gefahr für die Erde?

Forscher der Europäischen Südsternwarte entdecken zwei Schwarze Löcher, der Erde viel näher als bereits bekannte. Könnten sie miteinander kollidieren?

Straßburg – Schwarze Löcher faszinieren seit jeher Laien – und geben auch Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf. Viele Theorien sind nicht endgültig bestätigt. Zum Beispiel, die Annahme, dass ihre Anziehungskraft so stark sei, dass es selbst für Licht kein Entkommen geben würde. Nicht nur Astrophysiker Stephen Hawking, der fest an die Existenz von Paralleluniversen glaubte, für deren Existenz Forscher in der Arktis Hinweise fanden, hielt dies aber für falsch. Nun zeigen Beobachtungen: Es gibt mehr Schwarze Löcher als gedacht – und gleich zwei davon sind der Erde ziemlich nahe. Da sich die beiden aufeinader zu bewegen, scheint eine Kollision durchaus möglich. Wäre das so nah an der Erde eine Gefahr für unseren Planeten?

Durchmusterungsprojekt-Organisation:Europäische Südsternwarte
Gründung:1962
Mitarbeiter:730
Budget:143 Mio. €

Schwarze Löcher könnten verschmelzen – wird ihre Erdnähe dabeizur Gefahr für unseren Planeten?

Auch wenn sie Einfluss auf die Entstehung von Sternen oder Wetterphänomenen wie Nebel haben, sind Schwarze Löcher für uns nicht sichtbar. Kein Wunder. Zwischen der Erde und den mysteriösen Objekten liegen in der Regel zig Millionen Lichtjahre. Dank des Very Large Telescopt (VLT), das zuvor bereits den Hundeknochen-ähnlichen Asteroiden Kleopatra aufspüren konnte, wurden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Europäischen Südsternwarte (ESO) nun allerdings auf zwei relativ nahe Schwarze Löcher aufmerksam. Demnach trennt die Galaxis NGC 7727 im Sternbild Wassermann – dort halten sich die beiden Schwarzen Löcher aktuell auf – „nur“ rund 89 Millionen Lichtjahre von der Erde.

Und das Forschungsteambeobachtete noch etwas Ungewöhnliches.: Die zwei Schwarzne Löcher geraten immer dichter aneinander. Eine Kollision sei längst nicht ausgeschlossen. Ausgerechnet die erdnächsten Schwarzen Löcher könnten also zu einem zusammenschmelzen, was enorme Energien freisetzten würde. Hätte eine solche Verschmelzung Einfluss auf die Erde? Könnte sie sogar verschlungen werden?

Schwarze Löcher wurden noch nie so nah beiander gesichtet – und noch nie so dicht an der Erde

Es bedarf keiner großen Erklärung, warum Schwarze Löcher für die Astronomie so spannend sind. Zuletzt gab es immer mehr Hinweise darauf, dass Schwarze Löcher Gold produzieren – und manche Theorien der Wissenschaft besagen sogar, dass sich ohne die Existenz von Schwarzen Löcher unserer Leben auf der Erde niemals hätte entwickeln können.

Schwarze Löcher: Diese beiden sind der Erde am nächsten – und könnten schon bald aufeinander treffen. (Symbolbild)

„Es ist das erste Mal, dass wir zwei supermassereiche schwarze Löcher finden, die so nahe beieinander liegen, weniger als die Hälfte des Abstandes des bisherigen Rekordhalters“, sagte Karina Voggel, Astronomin am Straßburger Observatorium. Als federführende Autorin hat sie das Phänomen der schwarzen Löcher genau unter die Lupe genommen. Was besonders auffällt: der Abstand, der zwischen den beiden Himmelskörpern liegt. Nach Informationen von ingenieur.de ist es gar der geringste Abstand, der jemals zwischen zwei Schwarzen Löchern gemessen wurde. Die Astronominnen und Astronomen konnten eine Distanz von 1600 Lichtjahren berechnen.

Schwarze Löcher wären auch bei Verschmelzung miteinander keine Gefahr für die Erde

Ebenso unwahrscheinlich, wie die angebliche Berechnung, dass Asteroid Apophis 2068 die Erde treffen könnte, ist es allerdings, dass eine Kollision der Schwarzen Lächer eine Gefahr für die Erde darstellen könnte. Ähnlich wie die NASA-Entdeckung eines vermeintlichen Paralleluniversums sind zweifelsfrei auch die nun beobachteten Schwarzen Löcher eine Sensation Doch auch wenn sie der Erde am nächsten sind, besteht keinerlei Gefahr, dass die Erde deren geballter Energiekraft zum Opfer fallen könnte.

Was ist ein Schwarzes Loch?

Als Schwarzes Loch bezeichnet man ein Gebiet im Weltraum, in dem eine hohe Masse auf ein verhältnismäßig viel zu kleinen Raum trifft. Jene Konzentration bedingt, dass die Gravitation im entsprechenden Bereich derart stark ist, dass nicht einmal Licht entkommen kann. Im Gegensatz zu Planeten oder Sternen haben Schwarze Löcher keine Oberfläche.

Wie entsteht ein Schwarzes Loch?

Ein Schwarzes Loch entsteht in der Regel dann, wenn ein massereicher Stern stirbt. Bei seiner Explosion, insbesondere dann, wenn es sich um eine Supernova handelt, schießt er einen großen Teil der Materie in den Weltraum. Es bleibt der Kern des Sterns zurück. Da der Stern nun keine Kernfusion mehr betreiben kann, die der vorherrschenden Gravitation entgegengewirkt hätte, fällt er in sich zusammen.

Was Millionen von Lichtjahre von uns entfernt passiert, fasst Co-Autor der Studie Holger Baumgardt wie folgt zusammen: „Der geringe Abstand und die Geschwindigkeit der beiden schwarzen Löcher deuten darauf hin, dass sie zu einem gewaltigen schwarzen Loch verschmelzen werden, wahrscheinlich innerhalb der nächsten 250 Millionen Jahre“.

Schwarze Löcher kollidieren nicht wirklich: Forschung spricht von „galaktischen Kannibalismus“

Laut Baumgardt sei ein Schwarzes Loch in der Regel als Zentrum einer massereichen Galaxie zu verstehen. Das Phänomen, dass zwei Schwarze Löcher miteinander zu kollidieren drohen, ist keineswegs unüblich. Befinden sich zwei Galaxien im Begriff, zu einer zu verschmelzen, kommen sie sich infolgedessen immer näher. Doch von einer klassischen Kollision – wie man es etwa von Asteroiden befürchten könnte, die die NASA mittels ihrer am 24. November gestarteten DART-Mission abzuwehren versucht – kann nicht die Rede sein. Vielmehr spricht man in Fachkreisen von einem „galaktischen Kannibalismus“. Im Zuge dessen treffen interstellare Staub- und Gasmassen aufeinander – neue entstehen, alte werden komprimiert. Feine Schleier geben darüber hinaus den Anschein, als würden die Galaxien verschmelzen.

Neue Entdeckung legt nahe: Es gibt mehr supermassereiche Schwarze Löcher als gedacht

„Unsere Entdeckung deutet darauf hin, dass es viele weitere dieser Relikte von Galaxienverschmelzungen da draußen geben könnte und dass sie viele versteckte massereiche schwarze Löcher enthalten könnten, die noch darauf warten, entdeckt zu werden“, sagt Astronomin Voggel. „Das könnte die Gesamtzahl der bekannten supermassereichen schwarzen Löcher im lokalen Universum um 30 Prozent erhöhen“, heißt es weiter. Auf diesem Wege kommt die Wissenschaft der Beantwortung, was hinter der Existenz von Schwarzen Löchern steckt, also immer näher. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Panthermedia und IMAGO / Shotshop

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