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Airbus und ESA retten Raumsonde im letzten Moment: „Waren sehr erleichtert“

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Plötzlich blieben Airbus und ESA nur noch wenige Stunden: Eine bedeutsame Weltraum-Sonde geriet außer Kontrolle – und konnte erst im letzter Sekunde gerettet werden.

Leiden, Niederlande – Ein Weltraumteleskop der ESA drehte auf einmal durch. Statt weiterhin den Weltraum zu erkunden, zog es scheinbar unaufhaltsam seine Kreise. Schnell wurde klar: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mussten handeln. Zuletzt entwickelten die Weltraumbehörden der ESA und NASA einen Rettungsplan zur Asteroid-Bekämpfung*. Wenige Wochen später konnte erneut nur noch ein gewagter Einsatz helfen. In Kooperation mit Airbus versuchte die ESA das Weltraumteleskop zu bändigen. Ein Wettlauf gegen die Zeit begann.

Flugzeughersteller:Airbus
Hauptsitz:Leiden, Niederlande
Umsatz:49,91 Milliarden EUR (2020)
Gründung:18. Dezember 1970, Blagnac, Frankreich

Airbus und ESA in Alarmbereitschaft: Darum war die Rettung der Weltraumsonde von großer Bedeutung

Das Weltraumteleskop „Integral“ soll die Forschung voranbringen. Es kann Gammastrahlen genauso beobachten wie Röntgenstrahlen und sichtbares Licht – ein Alleinstellungsmerkmal in der Astronomie. Auch Explosionen von Supernovas und vermeintliche Schwarze Löcher kann die „Integral“-Sonde aufspüren. Nicht zu Unrecht bezeichnet etwa ingenieur.de „Integral“ als „das fortschrittlichste Gammastrahlen-Observatorium, das jemals in Betrieb genommen wurde“.

Trotz aller Fähigkeiten liegt das Hauptaugenmerk der Sonde auf Ausbrüchen von Gammastrahlen. Mindestens 300 Elektronenvolt senden die kosmischen Strahlungen jedes Mal ins All. Die Erdatmosphäre fungiert als Schutzschild. Schlimmere Schäden für die Erde, die laut einer aktuellen Studie längst von Aliens entdeckt worden sein könnte, bleiben dadurch glücklicherweise aus. Dennoch zeigt die hohe Energieleistung der Gammastrahlen, wie wichtig es ist, dass sich die Wissenschaft weiter mit dem Thema beschäftigt. Kein Wunder, dass ESA und Airbus in Alarmbereitschaft waren, als sie von der defekten Sonde erfuhren.

Airbus und ESA vor großen Problemen gestellt: Rettung der Sonde wird zum Wettlauf gegen die Zeit

Der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) war schnell bewusst, welches Problem vorlag. Zur Ausrichtung im All besitzt die „Integral“-Sonde drei Reaktionsräder – eines war defekt. Nachdem vor Kurzem riesige Rohstoff-Mengen auf einem Asteroiden, die Forscherinnen verwunderten, steht die Wissenschaft ein weiteres Mal vor einem großen Rätsel. Vermutet wird, dass Teilchen aus dem Strahlungsgürtel der Erde, dem Van-Allen-Strahlungsgürtel, einen Schaden an der „Integral“-Elektrik verursacht haben könnte. Die Sonde reagierte mit einem hohen Energieverbrauch. Die Ursachenforschung geriet in den Hintergrund. Für ESA und Airbus wurde es höchste Zeit sich um die Reparatur zu kümmern.

Raumsonde „Solar Orbiter“ fliegt in Richtung Sonne.
Airbus und ESA schafften es „Integral“ zu kontrollieren. Mit „Solar Orbiter“ startete 2020 bereits eine ähnliche ESA-Raumsonde. (Symbolbild) © dpa/NASA/ESA/ATG Medialab

Es glich einem Wettlauf gegen die Zeit. Schnell konnten ESA und Airbus das Reaktionsrad wieder anbringen. Doch alle Bemühungen schienen umsonst gewesen zu sein: Ungebändigt drehte es sich weiter und weiter. Darüber hinaus gab es ein weiteres Problem: „Die Daten, die von Integral herunterkamen, waren abgehackt und kamen wegen der Drehung für kurze Zeit herein. Dies machte die Analyse noch schwieriger“, sagte Wissenschaftler Richard Southworth.

Airbus und ESA im Homeoffice: Rettung der Sonde gelingt – „das war sehr knapp“

Gemeinsam mit Flugzeughersteller Airbus, der vor Kurzem noch an einem Asteroid-Rettungsplan arbeitete, entwarf die Europäische Weltraumorganisation ein Konzept, das das Rotieren für immer stoppen sollte. Die Verantwortlichen schalteten alle wichtige Bestandteile der „Integral“-Sonde ab. Der Einsatz sparte Energie und wichtige Zeit. Wenig später bewegte sich das Weltraumteleskop wieder wie gewohnt durch den Weltraum. In der Wissenschaft stellt sich große Erleichterung ein: „Das war sehr knapp und wir waren sehr erleichtert, die Raumsonde aus dieser Nahtoderfahrung herauszuholen“, sagte hinter ESA-Wissenschaftler Andreas Rudolph.

Besonders kurios: Während des wichtigen Einsatzes befand sich Rudolph im Homeoffice, zwischenzeitlich sogar im Zug. Die Arbeit, „das Raumschiff vollständig stabil zu machen“, beschäftigte ihn bis um vier Uhr. Erst in den Morgenstunden konnte die Sonde wieder in richtiger Position gebracht werden, dass gleichermaßen seine Batterien geladen werden können. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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