Drittes Schiffsunglück der Amorella

Ostsee: Fähre Amorella sinkt zum zweiten Mal – 281 Personen an Bord – ist dieses Schiff verflucht?

  • Christian Domke Seidel
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Schiffsunglück in der Ostsee. Die Fähre Amorella läuft mit 281 Menschen an Bord auf Grund. Und das schon zum zweiten Mal. Küstenwache evakuiert das Schiff. 

  • Fähre Amorella sinkt beinahe in Ostsee vor Finnland.
  • Kapitän setzte Amorella absichtlich auf Grund.
  • Es ist das dritte Schiffsunglück der Fähre.

Åland/Finnland – Nicht schon wieder. In der Ostsee ereignet sich am Sonntag, 20. September 2020, ein Schiffsunglück. Wieder ist es die Fähre Amorella. Sie läuft vor der Inselgruppe Åland auf Grund. Und das schon zum zweiten Mal. Der Kapitän hatte das Schiff absichtlich auflaufen lassen, damit es nicht vollständig sinkt. Wegen der Coronavirus-Maßnahmen in der Kreuzfahrtbranche* waren nur 281 Menschen an Bord.

MeerOstsee
Mittlere Tiefe55 m
Fläche377.000 km²
Einzugsgebiet1.642.000 km²
Maximale Tiefe459 m
Angeschlossene Meerevia Kattegat an den Atlantik
InselnRügen, Usedom, Gotland, Öland, Hiiumaa, Saaremaa, Wolin

Ostsee: Fähre Amorella läuft mit 280 Menschen an Bord vor Finnland auf Grund – mit voller Absicht

Gegen 12:50 Uhr Ortszeit ereignet sich das Schiffsunglück in der Ostsee. Die Fähre Amorella läuft vor der Stadt Mariehamn auf Grund. Das Gebiet gehört zur autonomen finnischen Insel Åland und liegt nahe der Küste von Schweden. Den Unfall hatte der Kapitän sogar mit voller Absicht eingeleitet. Denn wie der finnische öffentlich-rechtliche Sender Yle berichtet, dringt gleich an mehreren Stellen Wasser in das Schiff ein. Es droht vollständig in der Ostsee unterzugehen. Der Kapitän setzt in einer letzten Rettungsaktion die Amorella deswegen auf Grund.

Die Amorella der Viking Line Skandinavia läuft zum zweiten Mal auf Grund. Es ist das dritte Schiffsunglück der Fähre.

281 Menschen sind an Bord des Schiffes. 81 Besatzungsmitglieder und 200 Gäste. Dass es nur so wenige sind, ist den Hygienevorschriften in der Coronavirus-Pandemie zu verdanken. Das Boot der Viking Line Scandinavia nimmt sonst etwa 2.000 Passagiere auf. Der 169 Meter lange Dampfer fährt normalerweise zwischen Turku in Finnland und Stockholm in Schweden.

Amorella läuft mit Wasser voll und droht zu sinken: Kapitän rettet Schiff mit waghalsigem Manöver

Die Passagiere versammeln sich an Deck. Sie tragen Schwimmwesten und warten auf die Küstenwache. Eine akute Gefahr besteht für die Reisenden oder die Besatzung nicht. Dennoch entscheidet der Kapitän alle Passagiere und nicht notwendigen Besatzungsmitglieder von Bord bringen zu lassen. Bereits am Nachmittag ist das schlimmste überstanden und alle Personen haben wieder festen Boden unter den Füßen, wie die Küstenwache mitteilte. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.

Es ist schon das zweite Unglück dieser Art, dass der Amorella passiert. Bereits am 14. Dezember 2013 kämpft das Schiff mit technischen Schwierigkeiten. Damals waren 1.945 Personen an Bord des Schiffes. Auch damals setzt der Kapitän sein Schiff der Viking Line Scandinavia absichtlich vor der Inselgruppe Åland in Finnland auf Grund.

Schon zum zweiten Mal: Amorella der Viking Line Scandinavia läuft erneut auf Grund

Damals war eine elektrische Störung Schuld an dem Malheur. Die Lenkung funktionierte nicht mehr. Wie auch am Sonntag, 20. September 2020, war das Schiff zwischen Turku in Finnland und Stockholm in Schweden unterwegs. Wegen des Defekts wird die Geschwindigkeit reduziert und die Amorella absichtlich auf Grund gesetzt. Taucher kamen und begutachteten den Schaden.

Bereits am Abend konnte das Schiff weiterfahren. Eine Evakuierung sei damals nicht notwendig gewesen, berichtete 2013 der Spiegel. Alle Passagiere hätten an Bord bleiben können, eine Gefahr habe nicht bestanden. Sie seien mit Lebensmitteln versorgt worden und mussten lediglich ein paar Stunden ausharren. Nur Alkohol gab es keinen mehr. Der neueste Unfall ist jedoch dramatischer. Die Amorella musste auf Grund laufen, da das Schiff sonst hätte sinken können.

Ist die Amorella der Viking Line Scandinavia verflucht? Schon das dritte Schiffsdrama für Unglücks-Fähre

Im März 2010 wurde die Amorella Opfer von massivem Packeis in der Ostsee. Damals froren rund 50 Schiffe auf ihren Routen fest. Das Unglücksschiff der Viking Line Scandinavia kollidierte damals mit einem Frachtschiff, dass gegen die Fähre gedrückt wurde. 1.000 Passagiere steckten damals stundenlang im Eis fest. Damals machte sich sogar das Militär bereit, um im äußersten Notfall mit Hubschraubern und Luftkissenbooten die Fähre zu evakuieren. Auch damals ging alles gut aus. Niemand wurde verletzt.

Im Jahr 2010 fror die Amorella in der Ostsee im Packeis ein und kollidierte mit einem Frachtschiff.

Die Ostsee und die Nordsee können tückisch sein. 24hamburg.de berichtet gleich von mehreren Vorfällen in der jüngsten Vergangenheit. So konnte ein Segler nur knapp seinen Dackel vor dem Flammentod auf seiner Yacht* retten. Für die historische Segelyacht Sharki* hingegen gab es keine Rettung mehr. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Border Guard/Merivartiosto/Niclas Nordlund/Lehtikuva/AP/dpa/picture alliance

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