1. 24hamburg
  2. Welt

Mit Mondfinsternis zweite Erde finden: Erdähnlichen Planeten auf der Spur

Erstellt:

Von: Christian Einfeldt

Kommentare

Noch dauert die Suche nach einer „zweiten Erde“ an. Doch gelingt der Astronomie schon bald der Durchbruch? Deshalb könnte die Mondfinsternis Hoffnung machen.

Potsdam – Was macht die Menschheit, wenn Ressourcenknappheit oder Klimawandel überhandnimmt? Könnte die Entdeckung einer „zweiten Erde“ die Rettung sein? Die Suche nach einem weiteren für den Menschen bewohnbaren Planeten beschäftigt die Astronomie jedenfalls wie kaum ein zweites Thema. Zuletzt entdeckten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 24 erdnahe Planeten, ohne jedoch genau benennen zu können, ob es sich tatsächlich um „bessere, zweite Erden“ handelt. Könnte sich das schon bald ändern? Ein Potsdamer Forschungsteam ist nun auf eine Methode gestoßen, die eine Identifizierung präziser machen könnte – dafür braucht es streng genommen nur ein Teleskop und vor allem eine Mondfinsternis.

Forschungseinrichtung:Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam
Fachgebiete:Astronomie und Astrophysik
Leitung:Matthias Steinmetz
Mitarbeiter:ca. 175

Dank Mondfinsternis könnte Durchbruch bei Suche nach zweiter Erde gelingen

Was könnte einen Exoplaneten bewohnbar machen? Sicherlich keine 400 Grad Celsius, die der Venus nachgewiesen worden sind und auch keine Eiswüste wie etwa auf dem Mars, auf dem die NASA aktuell dennoch nach Leben forscht. Natürlich brauch es lebensfreundliche Temperaturen und eine Atmosphäre, die nicht schädlich auf das menschliche Leben einwirkt. Ob der entdeckte Exoplanet „GJ 1132b“, der zwei Atmosphären besitzt, ein geeigneter Kandidat für die menschliche Zivilisation ist, bleibt daher fragwürdig.

Das Potsdamer Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Astrophysik hingegen könnte einer „zweiten Erde“ schon bald tatsächlich auf der Spur sein. Wie der MDR berichtete, machten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine beeindruckende Beobachtung, als sie das Licht der Sonne untersuchten. 2021 gab es lediglich eine partielle Mondfinsternis, dessen Eklipse jedoch über drei Stunden lang war. Jedes Mal, wenn nun in Zukunft eine Mondfinsternis angekündigt wird, könnte auch die Hoffnung auf eine Entdeckung einer „zweiten Erde“ steigen.

Das Foto zeigt zum einen eine Abbildung des erdnahen Exoplaneten Kepler-452b. Zum Anderen ist eine totale Mondfinsternis zu sehen.
Suche nach „zweiter Erde“ geht weiter – doch die Mondfinsternis könnte die Forschung erheblich erleichtern. (Symbolbild) © imago

Entdeckung einer „zweiten Erde“: Mondfinsternis stellt die Atmosphäre in den Vordergrund

Geht es darum, einen lebensfreundlichen Planeten zu finden, macht es auf den ersten Blick Sinn, den entdeckten Himmelskörper genau unter die Lupe zu nehmen. So gingen mutmaßlich auch Göttinger Forscher*innen vor, als sie vor einiger eine „zweite Erde“ entdeckt hatten*. Das Potsdamer Forschungsinstitut hingegen wandte sich der Frage zu, was unsere Erde auszeichnet – was sie bewohnbar macht.

Nach Informationen vom MDR beobachtete das Institut im Zuge dessen das durchschimmernde Sonnenlicht, das dann von der Erdatmosphäre aufgenommen wird, sobald unsere Erde die Sonne umrundet hat. In Fachkreisen ist diese Methode bekannt als sogenannte „Transmissionsspektroskopie“, eine Strategie zur Untersuchung der Strahlung und Materie. Dass die Wissenschaft wenig später hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann, ist jedoch gleichermaßen der Mondfinsternis zu verdanken.

Mit Mondfinsternis zweite Erde finden: Wie funktioniert die Methode Transmissionsspektroskopie?

Warum ausgerechnet eine Mondfinsternis der Forschung auf die Sprünge hilft? Ganz einfach, weil der verdunkelte Mond nun ein entscheidendes Detail unübersehbar machte: das Licht, das die Erde reflektiert und damit wieder in den Weltraum schickt. Folglich untersuchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Lichtquelle und veröffentlichten ihre Ergebnisse wenig später in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“.

Was ist eine Mondfinsternis?

Der Mond wird von der Erde überschattet. Dadurch verdunkelt sich der ehemalige Vollmond derartig, dass er nur noch schwer oder gar nicht mehr zu sehen ist.

Wann ist die nächste Mondfinsternis?

Die nächste Mondfinsternis soll am Montag, dem 16. Mai 2022, stattfinden.

Was ist ein Exoplanet?

Als Exoplanet bezeichnet man einen Himmelskörper, der außerhalb unseres Sonnensystems liegt. So wie die Erde die Sonne umkreist, umrundet der jeweilige Exoplanet einen Stern.

Wie viele erdähnliche Planeten wurden bisher entdeckt?

Laut exoplanet.eu wurde die Astronomie bislang auf 4904 Exoplaneten aufmerksam. (Stand: 17. Dezember 2021)

Welcher Exoplanet ist der Erde am ähnlichsten? Wie weit ist er entfernt?

Geht es um den Exoplaneten, der der Erde am ähnlichsten sein könnte, wird immer wieder Exoplanet Kepler-452b genannt. Rund 1400 Lichtjahre trennen ihn von unserer Erde.

Zweite Erde im Visier: Potsdamer Forscherteam entdeckt Hinweise auf Leben

Zum Forschungserfolg verhalf dem deutschen Forscherteam laut MDR-Berichten das in Arizona aufgebaute Large Binocular Telescope sowie ein weiteres Teleskop namens „Pepsi“, das in Potsdam installiert ist. Letzteres sei explizit für Forschungszwecken der Strahlenuntersuchung konzipiert worden. Diese Instrumente waren maßgeblich für den einmaligen Fund: Erstmals entdeckten sie, so heißt es auf mdr.de, neben Wasser- und Sauerstoff auch „Spektrallinien der Elemente Natrium, Calcium und Kalium in unserer Atmosphäre“.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wissen nun einmal mehr, welche Bedingungen Leben möglich machen. Die Methode hilft ihnen zukünftig nicht nur neue Exoplaneten zu entdecken. Eine vermeintliche „zweite Erde“ kann auf diesem Wege zudem leichter überprüft werden. Noch steht die Forschung ganz am Anfang. Das bestätigte auch der Direktor des Potsdamer Leibniz-Instituts, Prof. Klaus Strassmeier: „Die Untersuchungen finden bisher nur Anwendung bei übergroßen Jupiter-ähnlichen Planeten, die ihren Stern sehr nah umkreisen“.

Wahrscheinlichkeit, zweite Erde zu finden, steigt: erdähnliche Planeten unter genauer Beobachtung

Weiter heißt es: „Noch mehr sind wir an Transits von erdähnlichen Planeten interessiert und daran, ob wir komplexere molekulare Signaturen, die möglicherweise sogar auf Leben hindeuten, nachweisen können.“ Bislang erforscht die Astronomie diesbezüglich also lediglich Himmelskörper wie den erdnahen Super-Jupiter, der gar nicht existieren dürfte. Die Wahrscheinlich eines Tages tatsächlich auf eine „zweite Erde“ zu stoßen, die lebensfreundliche Bedingungen vorweist, steigt jedoch weiter. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare