Klage gegen Fast-Food-Kette

McDonald‘s soll schwarze Restaurantbetreiber ins Ghetto gedrängt haben: Milliardenklage wegen Rassismus

  • Christian Domke Seidel
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52 schwarze, ehemalige Franchisenehmer haben McDonald‘s verklagt. Sie werfen dem Unternehmen Rassismus vor und verlangen eine Milliarde Dollar Schadensersatz.

  • In den USA haben 52 schwarze Ex-Franchisenehmer McDonald‘s verklagt.
  • Systematischer Rassismus hätte sie in die Pleite getrieben. Sie fordern eine Milliarde Dollar Schadensersatz.
  • McDonald's weist die Vorwürfe zurück.

Chicago/USA McDonald‘s soll schwarze Franchisenehmer gezielt in die Pleite getrieben haben. Der Fast-Food-Gigant soll das erreicht haben, indem die Restaurant-Betreiber Standorte in schlechten Gegenden bekommen hätten. 52 schwarze Ex-Franchisenehmer seien davon betroffen. Als Ausgleich fordern sie eine Milliarde Dollar Schadensersatz.

RestaurantMcDonald's
CEOChris Kempczinski
Gründung15. April 1955, San Bernardino, Kalifornien, Vereinte Staaten
Umsatz21,08 Milliarden USD (2019)
ZentralChicago, Illinois, Vereinigte Staaten
GründerMaurice McDonald, Richard McDonald

Wegen Rassismus: 52 schwarze Ex-Franchisenehmer verklagen McDonald‘s auf eine Milliarde Dollar Schadensersatz

Die Summe ist kein Fantasiewert, sondern sei aus den tatsächlichen Einnahmeverlusten errechnet, erklären die Kläger. Als Vergleichszeitraum wurden die Jahre zwischen 2011 und 2016 gewählt. Im Durchschnitt lag der Umsatz der 52 schwarzen Restaurantbetreiber 700.000 Dollar unter dem Landesschnitt. Viele hätte das in den Ruin getrieben.

McDonalds sieht sich mit einer Milliardenklage wegen systematischen Rassismus konfrontiert.

Jim Ferraro, der Anwalt der Kläger, erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal „Reuters“ (englischsprachig): „Es geht um eine systematische Platzierung an minderwertigen Standorten, weil die Personen schwarz sind. Der Umsatz einer McDonald's-Filiale wird von einer Sache bestimmt: dem Standort.“

McDonald's: Das größte Immobilienunternehmen der Welt – Pachteinnahmen als Geschäftskonzept

Dass es sich um systematischen Rassismus handeln könnte, möchte Anwalt Jim Ferraro mit einer weiteren Statistik verdeutlichen. Von 1998 bis 2020 fiel die Zahl schwarzer McDonald's-Franchisenehmer von 377 auf 186. Aktuell gibt es in den USA etwa 14.400 Restaurants der Fast-Food-Kette. Etwa 13.000 davon würden von gerade einmal 1.600 Unternehmern betrieben, schreibt 24hamburg.de.

Wie wichtig das Franchisesystem für McDonald's ist, erklärte Harry Sonneborne, der erste Geschäftsführer in der Geschichte des Unternehmens. Er sagte: „Eigentlich sind wir ja ein Immobilien-Unternehmen. Der einzige Grund, warum wir Hamburger verkaufen, ist die Tatsache, dass diese am meisten Gewinn abwerfen, von dem unsere Restaurantbesitzer uns Miete zahlen können.“ Insgesamt gibt es in 120 Ländern 36.899 Filialen. Nur 5.699 davon betreibt McDonalds selbst. Der Rest wird von Franchisenehmern geführt. Die müssen eine umsatzabhängige Pacht bezahlen. So sei der Burgerbrater zum größten Immobilienbesitzer der Welt geworden, rechnet die Zeitung „Welt“ vor.

McDonald's weist Rassismus-Vorwurf zurück: Schwarze Franchisenehmer selbst für Pleite verantwortlich

Es ist nicht die einzige Klage dieser Art gegen McDonald's. Schon im Januar hätten, so Reuters, zwei schwarze Führungskräfte des Konzerns Klage eingereicht. Auch Sie erhoben den Vorwurf, dass die Fast-Food-Kette unverhältnismäßig viele schwarze Franchisenehmer aus dem System drängen würde. Vorwürfe, die das Unternehmen zurückweist.

Das gilt auch für die Milliardenklage der 52 schwarzen, ehemaligen Franchisenehmer. Das Unternehmen würde schwarze Restaurantbetreiber nicht anders behandeln. Ihre Pleite sei nicht auf Diskriminierung zurückzuführen. Zumal der Konzern zwar tatsächlich Vorschläge den Standort betreffend machen würde, die Unternehmer aber selbst entscheiden würden, wo sie ihr Restaurant eröffnen.

Selbst Chris Kempczinski, Geschäftsführer von McDonald's, meldete sich schon per Presseaussendung zu Wort: „McDonald's steht für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion. Unsere Franchisenehmer sollten und müssen die immer vielfältiger werdende Zusammensetzung dieses Landes und der Welt genauer widerspiegeln.“ Die Klage reichte Anwalt Jim Ferraro in Chicago ein, dem Firmensitz von McDonald's. Wird der Klage stattgegeben, treffen sich die Parteien vor Gericht. Die 52 Kläger hatten USA rund 200 Filialen betrieben. Der geforderte Schadensersatz beläuft sich also auf fünf Millionen Dollar pro Niederlassung.

Die Klage kommt zu einem Zeitpunkt, in der in den USA die öffentliche Debatte stark von der „Black Lives Matter“Bewegung geprägt wird. Sie prangert Alltagsrassismus an. In Hamburg* meldeten sich in diesem Zusammenhang der ehemalige HSV-Trainer Patrick Esume zu Wort, der sich über Rassismus in den sozialen Netzwerken beklagte*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa/picture alliance

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