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Komet 2031 Erde ganz nah – riesig und schon aktiv: „Das ist erst der Anfang“

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Von: Tanja Banner

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Der Komet Bernardinelli-Bernstein kommt der 2031 ganz nah. Forscher haben ihn genau untersucht: Er ist bereits aktiv, heißer als gedacht – und sehr groß.

College Park – Der Komet Bernardinelli-Bernstein, unter Forschern auch C/2014 UN271 genannt, ist ein außergewöhnlicher Himmelskörper. Nicht nur, dass er mit einem Durchmesser von etwa 150 Kilometern tausendmal größer ist als normale Kometen der bisher größte beobachtete Komet ist, er ist offenbar auch bereits seit längerer Zeit aktiv, wie drei Forscher von der University of Maryland in College Park herausgefunden haben. In einer Studie, die im Fachjournal The Planetary Science Journal veröffentlicht wurde, beschreiben die Forscher um den Astronomen Tony Farnham, wie sie in die Vergangenheit des Kometen geschaut haben, um herauszufinden, seit wann er aktiv ist.

NameC/2014 UN271 (Bernardinelli-Bernstein)
TypKomet aus der Oortschen Wolke
EntdeckerPedro Bernardinelli und Gary Bernstein
Entdeckungsdatum20.10.2014 (erste Teleskop-Aufnahme)
Größeetwa 150 Kilometer
sonnennächster Punkt10,95 AE am 31.01.2031

Riesen-Komet Bernardinelli-Bernstein ist 150 Kilometer groß – 2031 ist er der Erde ganz nah

Komet Bernardinelli-Bernstein wurde erst im Sommer 2021 auf Archivbildern aus 2014 entdeckt. Der riesige Komet ist derzeit auf dem Weg ins Sonnensystem hinein und befindet sich augenblicklich etwa 20 astronomische Einheiten (AE, 1 AE entspricht dem Abstand zwischen Erde und Sonne, etwa 150 Millionen Kilometer) von der Sonne entfernt, etwa auf der Höhe der Umlaufbahn des Planeten Uranus. Der riesige Komet Bernardinelli-Bernstein nähert sich noch bis Januar 2031 der Sonne. Seinen sonnennächsten Punkt (das Perihel) erreicht er am 31. Januar 2031, dann ist er noch 10,95 AE von der Sonne entfernt und befindet sich knapp außerhalb der Saturn-Umlaufbahn. Im April 2031 erreicht der Komet seinen erdnächsten Punkt – er wird dann noch 10,11 AE von der Erde entfernt sein. Wesentlich näher kam erst kürzlich ein anderer, viel kleinerer Himmelskörper: Komet Leonard war am 12. Dezember fast mit bloßem Auge zu sehen.

Der Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) ist auf dem Weg vom Rand des Sonnensystems in dessen Zentrum. (Künstlerische Darstellung)
Der Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) ist auf dem Weg vom Rand des Sonnensystems in dessen Zentrum. (Künstlerische Darstellung) © NOIRLab/NSF/AURA/J. da Silva

Weil er riesig ist, ist der Komet schon auf älteren Teleskopaufnahmen zu sehen, was die drei Forscher sich zunutze gemacht haben, um in die direkte Vergangenheit des Kometen zu blicken.Um herauszufinden, ob der Komet bereits vor seiner Entdeckung aktiv war, haben die Forscher alte Aufnahmen des Nasa-Weltraumteleskops „TESS“ herangezogen. In den Jahren 2018 und 2020 hatte das Teleskop, das eigentlich auf Exoplaneten-Jagd ist, zufällig die Himmelsbereiche beobachtet, in denen sich der Komet damals aufhielt. Und tatsächlich: Der Komet Bernardinelli-Bernstein zeigte bereits in einer Entfernung von 23,8 AE und 21,2 AE von der Sonne eine Koma. „Das macht ihn zu einem der entferntesten Kometen, für die Aktivität direkt entdeckt wurde“, schreiben die Forscher um Farnham.

Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) ist wohl schon seit 2008 aktiv

Doch die Wissenschaftler fanden noch mehr heraus: Sie gehen nach Analysen der Kometenhülle davon aus, dass die Aktivität des Himmelskörpers bereits mehrere Jahre vor den Beobachtungen begonnen hat. „Die Aktivität hat wahrscheinlich mindestens zwei Jahre vor den „TESS“-Beobachtungen begonnen“, schreiben die Forscher. Möglicherweise hat der Komet bereits ein Jahrzehnt vor der ersten Beobachtung durch „TESS“ – also im Jahr 2008 – begonnen, aktiv zu werden, so die Studienautoren weiter.

Nasa-Teleskop „TESS“ blickt in Kometen-Vergangenheit

Bisher wurden noch nicht viele Kometen entdeckt, die in so großer Entfernung zur Sonne bereits Aktivität zeigen. Beim Kometen C/2010 U3 Boattini wurde in einer Entfernung von 25,8 AE zur Sonne Aktivität nachgewiesen, Komet C/2017 K2 Panstarrs war bereits in einem Abstand von 23,7 AE zur Sonne aktiv und man geht davon aus, dass er bereits in einem Abstand von 35 AU zur Sonne Aktivität hatte. Komet Bernardinelli-Bernstein ist damit der dritte Komet, bei dem in solch großer Entfernung zur Sonne bereits Aktivität zu sehen ist. „Was wir noch nicht wissen, ist, ob es einen Grenzpunkt gibt, an dem wir beginnen können, Kometen zu sehen, bevor sie aktiv werden“, betont Hauptautor Tony Farnham.

Er ist sich jedoch sicher: „Das ist erst der Anfang.“ Das Weltraumteleskop „TESS“ beobachte Dinge, die noch nicht entdeckt wurden „und das ist eine Art Testfall, was wir finden können“, freut sich Farnham und erklärt weiter: „Wir haben das Potenzial, das häufig zu tun. Wenn ein Komet einmal gesehen wurde, in den Bildern durch die Zeit zurückzugehen und ihn finden, während er weiter von der Sonne entfernt ist.“


Auf dieser Aufnahme des Dark Energy Survey wurde der Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) entdeckt. Das Bild entstand im Oktober 2017, der Komet war zu diesem Zeitpunkt 25 AU von der Sonne entfernt.
Auf dieser Aufnahme des Dark Energy Survey wurde der Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) entdeckt. Das Bild entstand im Oktober 2017, der Komet war zu diesem Zeitpunkt 25 AU von der Sonne entfernt. © Dark Energy Survey/DOE/FNAL/DECam/CTIO/NOIRLab/NSF/AURA/P. Bernardinelli & G. Bernstein (UPenn)/DESI Legacy Imaging Surveys

Was ist ein Komet – und was ist der Unterschied zu Asteroiden und Meteroiten

Kometen sind Himmelskörper, die in erster Linie als Gesteinsbrocken und Staub bestehen, die von Eis zusammengehalten werden. Deshalb werden sie auch gerne als „schmutzige Schneebälle“ bezeichnet. Nähert sich ein Komet dem inneren Sonnensystem, erwärmt die Sonne das Eis auf der Oberfläche – der Komet beginnt auszugasen und es entstehen die Kometenhülle (Koma) und der charakteristische Kometenschweif. In welcher Entfernung von der Sonne ein Komet beginnt, aktiv zu werden, hängt unter anderem von der Zusammensetzung des Eises und seiner Größe ab. Sie sind größer als Meteoriten und kleiner als Asteroiden. Diese will die amerikanische Weltraumbehörde nun erstmals aktiv bekämpfen: Am 24. ist die NASA DART-Mission gestartet – eine Sonde soll einen Asteroiden testweise aus der Bahn lenken.

Riesen-Komet Bernardinelli-Bernstein: Kohlenmonoxid sorgt für Koma und Schweif

Doch was sorgt für die Kometen-Aktivität in so großer Entfernung zur Sonne? Die Sublimation von Wasser (direkter Übergang vom festen in den gasförmigen Zustand) sei in diesen Entfernungen „zu langsam, um die Aktivität, die die Koma produziert, zu erklären“, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Sie gehen davon aus, dass statt Wassereis gefrorenes Kohlenmonoxid von der Oberfläche des Kometen sublimiert und für die Entstehung von Kometenkoma und -schweif verantwortlich ist. *fr.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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