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Hippie-Traum Afghanistan: Als in Kabul Liebe gemacht wurde, nicht Krieg

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Von: Tomasz Gralla

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In den 60er und 70er-Jahren war Afghanistan ein kleines Paradies für Hippies aus aller Welt. Von der Zeit, als in Kabul noch Liebe und kein Krieg gemacht wurde.

Kabul – Die Zukunft Afghanistans ist ungewiss. Seit die Taliban wieder die Kontrolle über das Land an sich gerissen haben, scheinen Demokratie und Menschenrechte in weite Ferne gerückt zu sein. Auch Hamburg will helfen und willigt ein, geflüchtete Afghanen aufnehmen zu wollen – die ersten sind bereits in der Hansestadt eingetroffen.

In Anbetracht dieser Zustände ist es schwer zu glauben, dass es in Afghanistan eine Zeit gab, die gar nicht so lange her ist, als weltoffene und liberale Hippies die Straßen Kabuls bevölkerten.

Land:Afghanistan
Hauptstadt:Kabul
Bevölkerung:38,04 Millionen
Fläche:652.860 Quadratkilometer
Währung:Afghani

Hippies in Afghanistan: Als Frauen in Kabul kurze Röcke trugen

In den 1960er und 1970er-Jahren war Kabul das Ziel beziehungsweise eine Zwischenstation Tausender Hippies. Damals war Afghanistan ein wesentlich offeneres Land, als es ab den 1980er-Jahren wurde. Junge Menschen aus aller Welt reisten durch das nahöstliche Land, suchten Freiheit, Selbstbestimmung – aber auch Drogen.

Oberkörperfreie Männer, knapp bekleidete Frauen in Miniröcken schmückten das Straßenbild Kabuls, schliefen in einem der billigen Hotels der Stadt, aßen am Straßenrand lokale Spezialitäten. Auf dem Basar, in der Apotheke oder auch an der nächsten Straßenecke wurden allerlei Drogen gekauft. Besonderer Beliebtheit erfreute sich die sogenannte Chicken Street mit dem dort gelegenen Restaurant Sigis.

Hippie-Trail: Kabul als beliebte Zwischenstation auf dem Weg nach Südasien

Kabul war zu jener Zeit ein sehr beliebter Zwischenstopp auf dem sogenannten Hippie-Trail. Die Reiseroute der Hippies führte auf dem Landweg von Europa über den Nahen Osten bis nach Südasien und endete oftmals in Indien, dem kleinen Mekka für die vom Hinduismus und von Spiritualität beeinflussten Hippies.

Drei Studentinnen in den 1970er-Jahren
In den 1970er-Jahren war Afghanistan weitaus progressiver als heute. (Symbolbild) © Walter Rudolph/imago

Dass Afghanistan neben Istanbul, Marokko und sogar der iranischen Hauptstadt Teheran bei den jungen Menschen so beliebt war, lag neben der landschaftlichen und kulturellen Faszination des Landes vor allem an den leicht erhältlichen und günstigen Drogen wie Opium, Haschisch und Heroin. Vielen Hippie-Besuchern wurde der Drogenkonsum allerdings zum Verhängnis. Auf dem einzigen christlichen Friedhof Kabuls, dem britischen Friedhof der Stadt, wurden extra Grabstätten für die Drogentoten eingerichtet.

Afghanistan: Der Traum von Freiheit findet ein Ende

Doch diese Zeit der Weltoffenheit und des liberalen Denkens fand Ende der 70er-Jahre ein rasches Ende. Der progressive König Mohammed Zahir Schah wurde nach einem Putsch von seinem Cousin Mohammad Daud abgelöst, der es mithilfe der kommunistischen Partei an die Spitze des Landes schaffte.

Eine komplexe, weltpolitisch relevante Situation entwickelte sich. Die Sowjetunion schaltete sich ein, als die kommunistische Partei in Afghanistan an Macht verlor. Es bildeten sich Gegenbewegungen zu den gottlosen Kommunisten. Diese Widerstandskämpfer (Mudschaheddin) wurden daraufhin auch von den USA finanziert und mit Waffen ausgestattet – der Anfang vom Ende, der Anfang der Taliban*. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot der IPPEN.MEDIA.

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