Corona-Talk bei Plasberg

„Hart aber fair“: Impf-Vordrängler – so tricksen sie andere aus

  • Fabian Raddatz
    VonFabian Raddatz
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Impfen, das große Thema der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ am Montag, 26. April 2021. Wenig Erhellendes, bis auf die Frage: Sind Impf-Vordrängler eine Bereicherung?

Köln – „Lichtblick Impfen: Was man jetzt wissen muss!“ Unter diesem Schlachtruf hat Frank Plasberg seine Gäste zusammengetrommelt – um am Montagabend, 26. April 2021, zum informativen Rundumschlag * auszuholen: vom Immunologen über eine Impf-Ärztin bis zum Psychologen – geballte Impf-Expertise im Studio. Jetzt reden die Männer und Frauen von der Corona-Front.

Journalist und Fernsehmoderator: Frank Plasberg
Geboren:18. Mai 1957 (Alter 63 Jahre), Remscheid
Größe:1,85 Meter
Ehepartnerin: Anne Gesthuysen (verheiratet seit 2012)
Kinder:Louisa Plasberg

Doch viel Neues erfährt der Zuschauer dabei nicht. In Israel läuft es mit dem Impfen gut, die Priorisierung sollte aufgehoben werden. Nein, sagt ein anderer. Auch müsse man das Vertrauen in die Impfstoffe stärken. Von Astrazeneca bis Biontech. Geimpfte sollten ihre Grundrechte zurückerhalten, und zwar sofort!

Und sowieso: Deutschland hätte sich mehr Impfstoff besorgen sollen. So weit, so bekannt. Nichts, was die letzten Tage und Wochen die Nachrichtenkanäle ohnehin schon rauf und runter lief. Erkenntnisgewinn: mau.

Corona-Talk bei „Hart aber fair“: Plötzlich wird es spannend

Spannend wird es erst, als die Runde auf das Thema „Impf-Neid“ zu sprechen kommt. Dafür hat Plasbergs Redaktion Vorfälle aus dem eigenen privaten Umfeld zusammengetragen. Da ist etwa die Schwangere, die ihren Bruder als Betreuer angegeben hat – obwohl dieser Hunderte Kilometer entfernt wohnt. Egal, der Bruder wird geimpft.

Impf-Schummler: unsolidarisch oder bereichernd? Eine der Fragen, die Plasberg seinen Gästen stellte.

Oder auch der 27-jährige Schauspieler, der Kindern Theater beibringt, deshalb die Spritze erhielt. Die Sache ist nur: Die Schule ist zu. Gleich doppeltes Impf-Glück hatte eine Verwaltungsangestellte (45) eines Krankenhauses. Sie ist nun durchgeimpft, obwohl sie im Homeoffice arbeitet.

Impf-Schummler bei „Hart aber fair“: „unsolidarische Vordrängler?“

Noch ein Beispiel? Die 24-jährige Studentin, zweimal im Impfzentrum gejobbt, dafür zwei Piekser erhalten. Zack, durchgeimpft. „Alles unsolidarische Vordrängler?“ fragt Plasberg seine Gäste. Oder ist jeder Geimpfte ein weiterer wichtiger Schritt Richtung Herdenimmunität?

Ich warte, wie alle anderen auch.

Carsten Watzl, Immunologe

Die Runde scheint sich einig zu sein: Anke Richter-Scheer, Impfärztin, findet das alles „nachvollziehbar“. Alles Fälle, wie sie überall in den Impfzentren und den Hausarztpraxen passierten, „und zu denen wir auch stehen sollten!“ Nachfragen oder Nachforschungen? „Würden nur den Impfprozess verzögern“, so Richter-Scheer.

Corona-Impfungen: Wer will den Stoff?

Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (54, SPD) pflichtet ihr bei: „Jede geimpfte Person ist ein Beitrag zur Herdenimmunität.“ Uneinigkeit erst bei der Frage, ob sinnvoll verimpft werde. Der Immunologe Carsten Watzl bestätigt das, geimpft sei er selbst noch nicht. „Ich warte, wie alle anderen auch.“

Wie alle anderen? Anke Richter-Scheer, die auch ein Impf-Zentrum leitet, kennt da andere Beispiele: „Wir kriegen die Patienten gar nicht zusammen“, sagt sie. Immer wieder würde Impfstoff übrig bleiben, dann telefoniere man rum. Doch oft blieben sie auf den Dosen sitzen – weil offenbar niemand den Stoff will.

Impf-Schummler und andere Beispiele

Dann gebe es aber auch wieder andere Fälle bei ihr im Impfzentrum, so Richter-Scheer. Etwa die beiden jungen Frauen, die ganz dringend eine Impfung bräuchten. Sie arbeiten auf der Aida und ohne Vakzin droht ihnen die Kündigung, weil das Kreuzfahrtschiff nur geimpftes Personal mitnehme.

Aber die Frauen erfüllten nicht die Voraussetzungen, „sie sollen abends noch mal wiederkommen“, habe Richter-Scheer den beiden Frauen geraten. Dann seien meist noch Impfdosen übrig – eben jene, die viele tagsüber nicht wollten. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Horst Galuschka/dpa

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