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Nach Rassismus- und Missbrauchsvorwürfen: Londoner Polizeichefin tritt zurück

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Von: Sandra Kathe

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Weil der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan Polizeichefin Cressida Dick sein Vertrauen entzogen hat, hat die 61-Jährige ihren Rücktritt erklärt.
Weil der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan (rechts im Bild) Polizeichefin Cressida Dick sein Vertrauen entzogen hat, hat die 61-Jährige ihren Rücktritt erklärt. (Archivfoto) © Victoria Jones/AFP

Nach scharfer Kritik von Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat die Chefin der Metropolitan Police ihr Amt niedergelegt. Dieser hatte einen Kulturwandel gefordert.

London – Es ist ein erschütterndes Bild, das eine vergangene Woche veröffentlichte Untersuchung der Arbeit der Londoner Metropolitan Police ergeben hat: Mehrere Fälle von Mobbing, Fehlverhalten im Amt, skandalöser Misogynie, die Liste der Vorwürfe gegen zahlreiche Polizisten, die hauptsächlich in der Polizeistation Charing Cross im Stadtteil City of Westminster stationiert gewesen sein sollen, ist lang.

Mit dem Rückzug von Londons Polizeichefin Cressida Dick haben die Erkenntnisse nun auch personelle Konsequenzen für die ohnehin krisengeschüttelte Londoner Polizei, wobei der Rückzug laut Berichten britischer Medien, unter anderem der BBC, nicht auf Basis der Untersuchungsergebnisse erfolgte. Stattdessen sei für Dicks Rückzug ausschlaggebend gewesen, dass sie den Rückhalt von Londons Labour-Bürgermeister Sadiq Khan verloren hatte, der von Dicks Führungsteam einen Kulturwandel gefordert hatte.

Ärger in Großbritannien: Zwist mit Sadiq Khan provoziert Rücktritt von Londoner Polizeichefin

Khan hatte schon einige Tage zuvor Zweifel daran geäußert, dass die 61-Jährige die notwendigen Maßnahmen an einer Erneuerung der Polizeieinheit auf die richtige Weise angehe. Darum, so begründete Dick am Donnerstagabend (10.02.2022) „mit großem Bedauern“, bleibe ihr keine andere Wahl, als zur Seite zu treten. Für eine Weile soll sie Medienberichten zufolge noch im Amt bleiben, um eine geordnete Übergabe zu ermöglichen, berichtete unter anderem die Deutsche Presse-Agentur.

Die erfolgreiche Neubesetzung ihres Postens könnte sich aber schwierig gestalten, wie das Portal „Politico“ am Freitag berichtete: Für die Ernennung einer neuen Führung der größten Polizeieinheit in Großbritannien* ist die Innenministerin und konservative Hardlinerin Priti Patel zuständig - allerdings gilt auch die Unterstützung des sozialdemokratischen Londoner Bürgermeisters Khan als entscheidend. Dieser erntete aus Regierungskreisen für den Umgang mit der Personalie Dick bereits Kritik.

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Die Metropolitan Police war in den vergangenen Jahren immer wieder in Verruf geraten - unter anderem aufgrund von diskriminierendem oder frauenfeindlichem Verhalten einiger Polizisten oder wegen des harschen Umgangs mit Demonstrantinnen und Demonstranten. Ein Tiefpunkt war im vergangenen Jahr der Mord der 33-jährigen Sarah Everard*, die von einem Polizisten getötet wurde. Auch am Umgang der Polizei mit den Lockdown-Partys in der Downing Street* gibt es Kritik. Die Ermittlungen zu diesem Politskandal um Premier Boris Johnson* laufen noch. (ska mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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