Eklige Wahrheit

Pfui! Perverse Pulver-Wurst: Ex-Metzger warnt vor Billig-Fleisch – „wie das Erbrochene“

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
    schließen

„Schlachtblutplasma“, „Schredder“ und „billige Fleischreste samt Knochen“ klingen nicht sonderlich appetitlich. Trotzdem landen genau diese Dinge täglich in Millionen deutschen Haushalten auf dem Brot, und zwar in Form von Billig-Wurst aus dem Discounter. Ein Ex-Metzger rechnet jetzt mit der Fleischindustrie ab.

  • Billigfleisch-Skandale wie der Fall Tönnies sorgen für Aufruhr in Deutschland.
  • Ein Ex-Metzger warnt vor billiger Discounter-Wurst.
  • Diese Ekel-Zutaten stecken wirklich drin in Mortadella und Co.

Essen/Gütersloh/Bad Bramstedt - Die Schlachthof-Skandale um Tönnies*, Wiesenhof und Vion sorgen derzeit für große Debatten und Kritikwellen an der deutschen Fleischindustrie. Selbst in größeren Talkshows wie bei Markus Lanz wird hitzig über das Fleischbusiness diskutiert, 24hamburg.de berichtete. Vor dem Hintergrund dieser jüngsten Ereignisse rechnet nun auch ein ehemaliger Fleischer mit der Fleischindustrie und der Politik ab und erzählt von ekligen Tricks in der Wurstproduktion.

UnternehmenTönnies Holding
Mitarbeiterzahl9007 (2018)
ZentraleRheda-Wiedenbrück
RechtsformApS & Co. KG
Gründung1971
TochterunternehmenZur-Mühlen-Gruppe

Billigfleisch in Wurst: Metzger rechnet nach Tönnies-Skandal mit Fleischindustrie ab

In einem Interview mit dem Focus erzählt der ehemalige Metzger und Lebensmittelkontrolleur Franz Voll über seine Erfahrungen in der deutschen Fleischbranche. 50 Jahre war der gebürtige Essener in dem Berufsfeld tätig und hat die Vorgänge in Schlachtbetrieben somit hautnah miterlebt. Mit seiner Arbeit aus den 70er und 80er Jahren habe der heutige Beruf des Schlachters nicht mehr viel zu tun, die Branche hätte sich extrem gewandelt, meint der 65-Jährige.

Das steckt wirklich drin in Ihrer Wurst: Ein Metzger packt aus mit schockierender Wahrheit.

„Weil die Konkurrenz immer größer wurde, hat sich der Fleischerberuf immer weiter vom Tier entfernt“, erzählt Franz Voll. „Mit dem ehrbaren Handwerk, das ich einst gelernt habe, hat das nur noch wenig zu tun.“ Viele Nachwuchs-Metzger wüssten heute gar nicht mehr, wie ein Tier wirklich geschlachtet werde. „In den Großproduktionen wird Wurst nicht mehr handwerklich hergestellt, da erledigen Pulver und der Häcksler den Großteil der Arbeit.“

Billig-Wurst: Diese Ekel-Tricks wendet Fleischindustrie an – Metzger und Insider packt aus

Franz Voll geht noch weiter ins Detail und erzählt, wie in der Fleischindustrie gepanscht wird. Wurst würde zu einem Großteil mit Separatorenfleisch gestreckt werden. Das seien „billige Fleischreste samt Knochen“, die zu einer breiartigen Konsistenz zerkleinert werden und am Ende wie das „Erbrochene von Magenkranken“ aussehen.

Hinzu kommt, dass die Wurst oft sogar noch zu 30 bis 40 Prozent aus Wasser bestünde, meint Voll. Zwar sei gesetzlich nur ein Wasser-Anteil von 20 Prozent zugelassen, jedoch greife die Fleischindustrie seit Jahren auf einen Trick zurück, um diese Panscherei zu vertuschen.

„Dabei handelt es sich um ein hydrolisiertes Eiweiß, ein braunes Pulver aus Schlachtblutplasma, das die Fleischfetzen zusammenkleben lässt und den hohen Wasseranteil verdeckt“, erklärt Franz Voll. Dieses Vorgehen sei in seinen Augen „ekelhaft“ und das Endprodukt habe letztlich kaum noch etwas mit einer Wurst gemeinsam.

Billigfleisch bei Tönnies und Co.: Metzger wettert gegen deutsche Fleischindustrie

Vorwürfe richtet Franz Voll konkret an die Politik und an Fleisch-Riesen wie Tönnies. Diese würden durch gepanschte Ware Ersparnisse in Milliardenhöhe machen, von denen die Angestellten aber nichts abbekämen. Voll spricht von einer „Fleisch-Mafia“, in die auch die Politik involviert sei. „Die Politik will überhaupt nicht, dass die Fleischindustrie kontrolliert wird. Sie verdient bestens an ihr mit.“ Der ehemalige Metzger fordert bessere Kontrollen in der Branche, die durch unabhängige Organe durchgeführt werden sollen.

Ähnlich harsche Worte finden auch die Hamburger Vegan-Youtuber von „Vegan ist ungesund“, die in ihren Videos immer wieder mit der deutschen Fleischindustrie hart ins Gericht gehen. Das Vorgehen in Schlachtbetrieben kritisieren Aljosha Mutardi und Gordon Prox nicht erst seit den Skandalen bei Tönnies und Co. Zwar machten sie auch erst kürzlich ihrer Wut gegen den Fleisch-Riesen Luft, Massentierhaltung und Schlachthöfe kritisieren die beiden jungen Männer aber schon länger.

Der Boykott von tierischen Produkten ist ihrer Ansicht nach eine Möglichkeit, gegen Probleme und Missstände in der Fleischindustrie - die sie als „unglaublich intransparente Industrie“ bezeichnen - vorzugehen. Das betonen die zwei Veganer immer wieder in ihren Videos. Jedem Tier werde „am Ende die Kehle aufgeschnitten und es wird umgebracht und zerstückelt und in Verpackungen gebracht und zu uns nach Hause oder in Supermärkte verfrachtet“, meint Aljosha.

Nicht nur in der Fleischindustrie, auch in der Milchindustrie werden immer wieder Missstände aufgedeckt. 24hamburg.de berichtete erst kürzlich über einen Fall in einem norddeutschen Milchbetrieb, bei dem es zu einem großen Tierquälerei-Eklat kam.* 24hamburg.de und fr.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare