Vermisste Madeleine McCann

Fall „Maddie McCann“: Hat ein Spitzel im Gefängnis das Schweigen von Christian B. gebrochen?

  • vonJennifer Richter
    schließen

Ein Gefängnis-Spitzel soll in der Haft auf den Tatverdächtigen im Fall „Maddie“ angesetzt worden sein. Dieser soll das Schweigen von Christian B. gebrochen haben.

  • Derzeit verbüßt Christian B., der Hauptverdächtige im Fall „Maddie“, eine Haftstrafe wegen anderer Verbrechen.
  • Ein Gefängnis-Insasse soll den 43-Jährigen im Knast ausgehorcht haben.
  • Könnte das womöglich den Durchbruch in den Ermittlungen zu dem vermissten Mädchen bringen?

Frankfurt – Die Suche nach dem entführten Mädchen Maddie McCann gerät ins Stocken. Bislang ist es der Braunschweiger Staatsanwaltschaft nicht gelungen, ausreichend Indizien für einen dringenden Tatverdacht gegen den Hauptverdächtigen Christian B. zu sammeln. Das vermisste Mädchen nach dreizehn Jahre lebend zu finden – nahezu undenkbar. Jetzt soll die Justiz einen Spitzel auf Christian B. angesetzt haben, der sein Schweigen endlich brechen soll.

Gefängnis-Insasse soll Christian B. im Fall „Maddie“ befragt haben

Wie die „Bild“ am Mittwoch (30.09.2020) berichtet, soll ein Gefängnis-Insasse den Tatverdächtigen im Fall „Maddie“ ausgehorcht haben. Bevor Christian B. nach Kiel verlegt wurde, saß er in der JVA Wolfenbüttel ein. Dort soll der Gefängnis-Spitzel auf den Tatverdächtigen angesetzt worden sein. Nach „Bild“-Informationen könnte der auf ihn angesetzte Insasse Christian B. zum Tatgeschehen befragt haben. Nicht selten offenbaren sich nämlich Täter in U-Haft gegenüber Mitinsassen.

Eine Aussage von Christian B. gegenüber dem Gefängnis-Insassen könnte ein Durchbruch für die Ermittlungen im Fall Maddie McCann sein. Dass nämlich nach jahrelanger Suche plötzlich neue DNA-Spuren oder Bildaufnahmen auftauchen, bleibt unwahrscheinlich. Ob die Staatsanwaltschaft Braunschweig nun einen Gefängnis-Insassen auf Christian B. ansetzte, ist ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft äußert sich laut „Bild“ zu dem möglichen Spitzel bislang nicht.

Christian B., der Hauptverdächtige im Fall der vermissten Maddie, sitzt derzeit in der JVA Kiel ein.

Fall „Maddie“: Geständnis von Christian B. gegenüber einem Spitzel wäre rechtswidrig

Sollte Christian B. mithilfe eines Spitzels zu einem Geständnis bewegt worden sein, könnte jedoch dieses Geständnis vor Gericht nicht zulässig sein. Nach der Strafprozessordnung (§ 136a) müssen Häftlinge ihr Wissen freiwillig kundtun. Aussagen von Christian B. im Gespräch mit dem Gefängnis-Insassen wären durch eine List von der Staatsanwaltschaft entlockt worden.

Ob sich Christian B. dem Mithäftling tatsächlich offenbart hat, bleibt abzuwarten. Die „Bild“ nimmt jedenfalls an, dass der Verteidiger des Tatverdächtigen im Fall „Maddie“ seinem Mandanten geraten hat, zu schweigen.

Tatverdächtiger im Fall „Maddie“ bleibt in der JVA Kiel

Nach einem Entscheid des Europäischen Gerichtshof (EuGH) wird Christian B. vorerst nicht freikommen. Der 43-Jährige ist 2019 wegen einer Vergewaltigung einer 72-jährigen Frau in Braunschweig zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Diese muss er im Anschluss an eine Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßen. Christian B. legte beim Bundesgerichtshof (BGH) Revision gegen das Urteil ein.

Die gegen Christian B. laufenden Mordermittlungen im Fall „Maddie“ sind von anderen Anklagen unabhängig. Christian B. wird weiterhin verdächtigt, die damals dreijährige Madeleine McCann im portugiesischen Praia da Luz entführt und getötet zu haben. (Von Jennifer Richter)

Rubriklistenbild: © John Stillwell, dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare