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Erdnächstes Schwarzes Loch: Ein Vampir-Stern, der seinen Begleiter „frisst“

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Von: Christian Einfeldt

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Das Geheimnis um das vermeintlich erdnächste Schwarze Loch ist gelüftet. Es ist gar kein Schwarzes Loch, sondern ein geheimnisvoller Vampir-Stern.

Löwen – Trotz jahrtausendelanger Erforschung des Nachthimmels und Weltraums, weiß die Astronomie noch verhältnismäßig wenig über Schwarze Löcher. Seit jeher stellen sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor scheinbar unlösbare Herausforderungen. Die Forschung weiß jedoch um die Faszination: Man sagt sogar, Schwarze Löcher könnten Gold produzieren. Auch die unendliche Dichte, die das Innere der Weltall-Phänomene ausmacht, verwundert. Forscherteams sprechen dahingehend von Gravitationskräften, die derart ausgeprägt sind, dass sie laut „supernova.eso.org“ nicht einmal vor Licht Halt machen würden. Es gibt kein Entkommen. Für die Erde, so scheint es, besteht jedoch keine Gefahr. Wie die Wissenschaft jetzt weiß, ist das erdnächste Schwarze Loch gar kein Schwarzes Loch. Es ist ein Vampir-Stern, der seinen Nachbarn „auffrisst“.

Durchmusterungsprojekt-Organisation:Europäische Südsternwarte
Gründung:1962
Mitarbeiter:730
Budget:143 Mio. €

Erdnächstes Schwarzes Loch ist kein Schwarzes Loch – ein Vampir-Stern „frisst“ seinen Begleiter auf

Es ist noch nicht lange her, als ein Geschehen im Weltall Schlagzeilen machte. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Europäischen Südsternwarte wurden Zeugen ungewöhnlicher Szenen: Sie entdeckten Schwarze Löcher, die im Begriff waren, zu kollidieren. Der Ausgang ist nach wie vor offen. Gefahr für die Erde wird deswegen aber nicht prognostiziert. Selbst im Fall eines Zusammenpralls muss man sich nicht fürchten: Die Wissenschaft spricht von einem Prozess, der ständig passiert. Im Zuge des sogenannten „galaktischen Kannibalismus“ begegnen sich interstellare Staub- und Gasmassen: Es ist der Moment, wenn Galaxien verschmelzen.

Was ist ein Schwarzes Loch?

Als Schwarzes Loch bezeichnet man ein Gebiet im Weltraum, in dem eine hohe Masse auf einen verhältnismäßig viel zu kleinen Raum trifft. Jene Konzentration bedingt, dass die Gravitation im entsprechenden Bereich derart stark ist, dass nicht einmal Licht entkommen kann. Im Gegensatz zu Planeten oder Sternen haben Schwarze Löcher keine Oberfläche.

Wie entsteht ein Schwarzes Loch?

Ein Schwarzes Loch entsteht in der Regel dann, wenn ein massereicher Stern stirbt. Bei seiner Explosion, insbesondere dann, wenn es sich um eine Supernova handelt, schießt er einen großen Teil der Materie in den Weltraum. Es bleibt der Kern des Sterns zurück. Da der Stern nun keine Kernfusion mehr betreiben kann, die der vorherrschenden Gravitation entgegengewirkt hätte, fällt er in sich zusammen.

Eine buchstäbliche Kollision, wie man es aus Science-Fiction-Filmen von Asteroiden kennt, sieht anders aus – und wäre für die Erde weitaus gefährlicher. Spannend ist in diesem Zusammenhang die Erwähnung, dass der Asteroideneinschlag insbesondere durch den Einfluss von Wind tödlich ist. Das ist eine Erkenntnis, die der Wissenschaft lange fremd war. Lange Zeit schien einzig und allein die Größe der Asteroiden als Parameter relevant zu sein. Ebenso wenig wusste die Forschung, dass das erdnächste Schwarze Loch gar kein Schwarzes Loch ist.

Ein Stern saugt seinem kleineren Nachbarstern Materie ab.
Anstelle des erdnächsten Schwarzen Lochs entdeckten Forscherteams einen Vampir-Stern. (Symbolbild) ©  dpa/ESO/L. Calçada/S.E. de Mink

Laut Wissenschaftsportal „heise.de“ sind zwei Forscherteams einer spannenden Neu-Entdeckung auf der Schliche. Sie beobachteten ein Doppelsternsystem, dem laut Aussagen der Beteiligten ein sogenannter „Vampirismus“ zugrunde liegen würde. Sie hätten einen „Vampir“-Stern ausfindig gemacht. Ein ungewöhnlicher Name für einen Himmelskörper.

Schwarzes Loch weicht dem Vampir-Stern – „macht unsere Ergebnisse sehr aufregend“

Zumindest ein Stück weit herrscht im Weltall aber nun Klarheit. Bei der wissenschaftlichen Bezeichnung „HR 6819“ handelt es sich nämlich um ein Doppelsternsystem inklusive Vampir-Stern. Es ist doch kein Schwarzes Loch, das sich in einer Erd-Entfernung von 1000 Lichtjahren aufhält. Fragezeichen bleiben jedoch nach wie vor bestehen. Die wohl erste Frage, die einem in den Kopf kommt: Was ist eigentlich ein Vampir-Stern?

Wie „heise.de“ berichtet, stecken hinter der Neu-Entdeckung ein weiteres Mal Forscherteams der Europäischen Südsternwarte (ESO). Im Jahr 2020 spürten sie das vermeintliche Schwarze Loch auf. Doch bereits wenig später kamen nach Informationen von Focus Online im Zuge einer Beobachtung eines Forscherteams der Katholischen Universität Löwen erste Zweifel auf.

Mittlerweile weiß man: Die Zweifel waren begründet. Entgegen aller bisherigen Vorstellungen umkreisen nicht zwei Sterne ein Schwarzes Loch. Vielmehr sind es zwei Sterne, die sich selbst umkreisen. Einer der Sterne kommt seinem Begleiter dabei so nahe, dass er die Materie seines Kompagnons raubt – daher sein Name. „Das macht unsere Ergebnisse für HR 6819 sehr aufregend“, sagte Wissenschaftlerin Abigail Frost. „Er ist ein perfekter Kandidat, um zu untersuchen, wie dieser Vampirismus die Entwicklung massereicher Sterne beeinflusst und damit auch die Entstehung der damit verbundenen Phänomene wie Gravitationswellen und heftigen Supernovaexplosionen“, wird die Forscherin der Universität Löwen des Weiteren im Focus-Bericht zitiert. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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