1. 24hamburg
  2. Welt

Das Ende der Welt? Sechstes Massenaussterben hat bereits begonnen

Erstellt:

Kommentare

260.000 Tier- und Pflanzenarten könnten vom Artensterben bedroht sein: Laut einem Forscherteam steht das sechste Massenaussterben bevor – Schuld hat der Mensch.

Paris – Eine Studie zeigt, wie es um unsere Flora und Fauna bestellt ist: Seit dem Jahr 1500 verzeichnet die Erde einen Rückgang von bis zu 13 Prozent aller bekannten Tier- und Pflanzenarten – das sechste Massenaussterben unserer Erdgeschichte. In ferner Vergangenheit waren es in der Regel unerwartete Naturkatastrophen, die sich nicht bändigen ließen. Wenig später war unsere Welt bereits in Gefahr und großer Not. Unzählige Tiere und Pflanzen staben aus, das Klima veränderte sich. Das große Artensterben ist jedoch kein Phänomen grauer, ferner Vergangenheit. Das sechste Massenaussterben hat längst begonnen – verantwortlich für die drohende Katastrophe ist diesmal einzig und allein der Mensch.

Forschungs- und Bildungseinrichtung für Bio- und Geowissenschaften:Muséum national d’histoire naturelle
Stadt:Paris
Gründung:10. Juni 1793
Tochtergesellschaften:Institute Pierre Simon Laplace, Laboratoire d'Océanographie et du Climat

Sechstes Massenaussterben: „Rückgang gut dokumentiert“ – droht neben dem Artensterben auch das Ende der Welt?

Es ist stellvertretend für die dramatischen Folgen eines Massensterbens: Vor rund 66 Millionen Jahre traf ein Asteroid die Erde. Weltweite Tsunamis und Brände waren die Folge und zahlreiche Tierarten fielen nach einem Asteroideneinschlag, den Nostradamus ebenfalls für das Jahr 2022 prophezeit hatte, einem beispiellosen Artensterben zum Opfer. Am prominentesten ist hier wohl das Aussterben aller Dinosaurier zu nennen. Sie hatten es sich bis zu 340 Millionen Jahre auf der Erde als dominierende Spezies gemütlich gemacht. Der Asteroideneinschlag auf der Erde setzte der Dino-Zivilisation in Form eines Massensterbens ein Ende. Laut Berichten der FAZ war es das letzte der fünf großen Massenaussterben, die unsere Erde bereits aushalten musste.

Dass die Dinosaurier übrigens wohl noch hätten überleben können, wenn der Asteroid nur wenige Sekunden später eingeschlagen wäre, unterfüttert nochmals den dramatischen Unterton, der dem damaligen Ereignis anhaftet. Heute will man für das Worst-Case-Szenario eines Asteroideneinschlags gewappnet sein: Airbus will das potenzielle Risiko eines Asteroiden mithilfe von Satelliten abwehren und unlängst startete bereits die DARTS-Mission der NASA, die ein ähnliches Ziel verfolgt, indem sie einen Asteroiden abschießen will.

Ein Mann steht in einer ausgetrockneten Wüste vor einem abgestorbenen Baum und einem fliegenden Adler und ein Skelett eines Tyrannosaurus Rex im Sand
Steht der Erde das sechste Massenaussterben der Geschichte, ausgelöst durch den Menschen, bevor? (Symbolbild/24hamburg.de-Montage) © Pixabay/Mark Garlick/imago

Doch was bringen alle Vorbereitungen im interstellaren Kampf, wenn am Ende der Mensch Schuld ist, dass ein neues, ein sechstes Massenaussterben einsetzten könnte? Dieser Meinung ist zumindest Wissenschaftler Robert Cowie. Im Fachkreis der Universität auf Hawaii und des Muséum national d‘histoire naturelle in Paris trifft er ein sorgenvolles Statement: Robert Cowie, Hauptautor der vorliegenden Studie zu einem mutmaßlichen sechsten Massenaussterben sagt, dass „der Rückgang vieler Tier- und Pflanzenpopulationen gut dokumentiert ist“.

Das Sechste Massenaussterben: Artensterben auf der Erde hat „drastisch zugenommen“

Dass das Artensterben „drastisch zugenommen“ hätte, ist nicht der einzig beunruhigende Faktor auf der Erde. Was Cowie im Zuge seiner Forschung außerdem auffällt: „Einige bestreiten, dass es sich bei diesem Phänomen um ein Massenaussterben handelt.“ Zuvor waren nicht selten Verwitterung oder Vulkanismus Start einer Umweltkatastrophe, die gleichermaßen Natur wie Population der Tier- und Pflanzen bedroht. Auch über den Einschlag eines Asteroiden oder Kometen, wie zuletzt auch bei „Don‘t Look Up“ vorausgesagt, denken Forscherinnen und Forscher der Erdgeschichte oft nach.

Wir sind Zeugen des Beginns des sechsten Massenaussterbens in der Erdgeschichte.

Wissenschaftler Robert Cowie

Doch die entscheidende These, die Cowies Forschung zugrunde liegt: Das sechste Massenaussterben ist vom Menschen hervorgebracht. Seit jeher beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem drohenden Ende unserer Welt. Möglich, sind laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehrere Szenarien: Die Erde könnte eines Tages abkühlen und dadurch unbewohnbar werden oder das Ende unseres Universums wird von einer Apokalypse besiegelt.

Faktoren wie der stetige Verbrauch der natürlichen Ressourcen wie der anhaltende Klimawandel können mit Sicherheit zu den Gründen der potenziell drohenden Katastrophe des sechsten Massenaussterbens gezählt werden. „Wir sind Zeugen des Beginns des sechsten Massenaussterbens in der Erdgeschichte“, fasste Cowie unlängst die bisherigen Forschungsergebnisse aus Paris und Hawaii zusammen.

Sechstes Massenaussterben längst im Gange: Studienleiter gibt Mensch die Schuld am Artensterben auf der Welt

Für Menschen, die „bestreiten, dass es sich bei diesem Phänomen um ein Massenaussterben handelt“, kann Wissenschaftler Cowie nur wenig Verständnis entgegenbringen. Ein Blick auf die wirbellosen Tiere würde zeigen, wie ernst es um das Artensterben unserer Flora und Fauna in ferner Zukunft auf der Welt bestellt sein könnte. Sie würden „den größten Teil der biologischen Vielfalt ausmachen“ und könnten laut Berichten von daswetter.com in den nächsten 500 Jahren zwischen 150.000 und 260.000 Arten verlieren. Allerdings ist das nur der Anfang, warnt das französisch-amerikanische Forscherteam.

Fünf Massenaussterben der Erdgeschichte:

1. Ende des Ordoviziums (vor rund 444 Millionen Jahren)

Einordnung: Hohe Konzentrationen von Kohlenstoffdioxid sorgten vor rund 444 Millionen Jahren für hohe Temperaturen. Das änderte sich, je weiter der damalige Kontinent Gondwana Richtung Südpol geriet. Land gefror und der Meeresspiegel sank. Es setzte eine andauernde Kälte ein, der rund 85 Prozent aller existierenden Tierarten zum Opfer fielen.

2. „Kellwasser-Ereignis“ (vor 372 bis 359 Millionen Jahren)

Einordnung: In Anbetracht des zweiten Massenaussterbens sind mehrere Szenarien möglich: etwa Vulkanausbrüche, Asteroideneinschläge oder fehlender Sauerstoff in den Meeren. Bis zu 75 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten starben, darunter zahlreiche Korallen und Fische.

3. Übergang von Perm zu Trias (vor rund 252 Millionen Jahren)

Einordnung: Beim dritten Massenaussterben könnte ein Vulkanausbruch innerhalb mehreren hunderttausend Jahren so viel Lava und Treibhausgase freigesetzt haben, dass rund drei Viertel aller auf dem Land lebenden Tiere dem Artensterben zum Opfer fielen.

4. Übergang von Trias zu Jura (vor rund 201 Millionen Jahren)

Einordnung: Für das folgende, vierte Massenaussterben wird erneut ein Vulkanausbruch verantwortlich gemacht. Auch der Einschlag eines Asteroiden könnte für das Artensterben verantwortlich gewesen sein. Der Katastrophe fielen rund drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten, die die Erdoberfläche bewohnt hatten, zum Opfer. Nur wenige Riffe hielten Stand und die sogenannten „Conodonta“ („Kegelzähne“), die zuvor rund 340 Millionen Jahre in den Meeren gelebt hatten, wurden beim Massensterben ausgelöscht.

5. Übergang der Kreidezeit zu Paläogen (vor rund 66 Millionen Jahren)

Einordnung: Ein Asteroid mit einem Durchmesser von zehn bis 15 Kilometer schlug vor rund 66 Millionen Jahren im heutigen Mexiko ein. Es könnte den härtesten Erd-Einschlag eines Himmelskörpers aller Zeiten markieren. In Kombination mit heftigen Vulkanausbrüchen setzten innerhalb von hunderttausenden von Jahren zahlreiche Veränderungen der Umwelt ein, die zu einem weiteren Artensterben in der Erdgeschichte führten. Es kamen bei dem Massensterben wohl 60 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten ums Leben. Am prominentesten ist im Zuge dessen wohl der Untergang der Dinosaurier einzuordnen.

Quellen:

MacLeod, N.: Arten sterben. Wendepunkt der Evolution. wbg Theiss, 2016, spektrum.de und faz.de

Ende der Welt: Massenaussterben von Pflanzen und Tieren hängt vom Lebensraum ab

Wie stark Tiere von einem Massenaussterben betroffen sind, würde auch immer damit zusammenhängen, wo sie sich aufhalten und sich ihr Lebensraum befindet. Da es einen Unterschied macht, ob sich Tier- und Pflanzenarten auf dem Land, im Meer, auf einer Insel oder dem Festland befinden, kann das Massensterben nicht gleichermaßen weltweit stattfinden.

In Anbetracht dieser aussagekräftigen Forschung ist Wissenschaftler Cowie jedoch eines klar geworden: „Wir sind nicht nur eine weitere Spezies, die sich angesichts äußerer Einflüsse weiterentwickelt. Wir sind die einzige Spezies, die eine bewusste Entscheidung über unsere Zukunft und die der biologischen Vielfalt der Erde treffen kann“. So sei es einzig und alleine der Mensch, „der in der Lage ist, die Biosphäre in großem Maßstab zu manipulieren“. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare