„Wir distanzieren uns“

Attila Hildmann: Amazon und Lieferando werfen den Corona-Leugner raus

  • Fabian Raddatz
    VonFabian Raddatz
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Attila Hildmann hetzt gegen Juden und leugnet den Holocaust: Große Unternehmen wie Amazon und Lieferando reagieren entschlossen. Hildmanns Produkte fliegen raus.

Türkei – Um der Strafverfolgung wegen Volksverhetzung deutscher Behörden zu entgehen, hat sich Attila Hildmann in die Türkei abgesetzt. Das hält den Unternehmer und Autoren mehrerer veganer Koch-Bücher aber nicht davon ab, via Messenger-Dienst Telegramm rechte Hetze, Verschwörungstheorien und Aufrufe zu Gewalt gegen Politiker zu verbreiten. Jetzt agieren Amazon und Lieferando und schmeißen seine Sachen aus dem Programm.

Person des öffentlichen Lebens: Attila Hildmann
Geboren:22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe:1,77 Meter
Eltern:Ursel Hildmann
Ausbildung:Physik-Studium, Freie Universität Berlin

Attila Hildman ist bereits vor einiger Zeit tief ins rechte Spektrum abgedriftet – jedenfalls öffentlich. Doch nach seiner Flucht in die Türkei scheint sich der Nazi-Koch noch stärker radikalisiert zu haben. Das blieb offenbar auch bei einigen namhaften Unternehmen nicht unbemerkt: Jetzt haben Amazon und Lieferando Produkte des Antisemiten aus dem Sortiment genommen. Das berichtet der „Spiegel“.

Amazon kickt Attila Hildmann: Erst „Prime“, jetzt raus

Bio-Tee, Lebensmittel, Kochbücher – Amazon war einer der wenigen Versandhändler, auf denen Hildmann noch seine Waren vertreiben konnte. Bis zuletzt: Lange hatte sich der Online-Riese geweigert, seine Produkte aus dem Angebot zu nehmen, vertrieb einige sogar zeitweise über den hauseigenen Premium-Versand „Prime“.

Amzon und Lieferando haben mit dem Antisemiten und Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann gebrochen – und seine Produkte aus ihren Sortimenten verbannt. (24hamburg.de-Montage)

Hildmanns Bücher seien im Gegensatz zu seinen Äußerungen frei von verfassungsfeindlichen Inhalten. Auch wurden sie nicht durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert, lautete damals die Begründung. Doch die Zeiten sind offenbar vorbei – ein Konzern-Sprecher sagte gegenüber dem „Spiegel“: „Die entsprechenden Produkte sind nicht mehr erhältlich.“

Lieferando bricht mit Attila Hildmann: „Gegen Geschäftsbedingungen verstoßen“

Und auch Lieferando, Essens-Liefer-Gigant, kündigte Hildmann die Zusammenarbeit. Der ehemalige Imbiss-Besitzer habe gegen die Geschäftsbedingungen verstoßen, hieß es von Konzern-Seite. Als Konsequenz wurde die „Vegan Bio Snackbar by Attila Hildmann“ aus der App genommen.

Lieferando und das niederländische Mutterunternehmen Just Eat Takeaway seien inklusive Konzerne, erklärte ein Sprecher gegenüber dem „Spiegel“. Dort beschäftige man aufgeschlossene Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen, religiösen Überzeugungen und weltanschaulichen Vorstellungen „aus mehr als hundert Nationen und Regionen“.

Thalia und Attila Hildmann: „Wir distanzieren uns“

Mit Amazon und Lieferando hat Attila Hildmann nun auch die letzten Unternehmen verloren. Bereits im Mai vergangenen Jahres schmissen Kaufland und Vitalia seine Produkte aus dem Sortiment. Und auch Safthersteller Voelkel stellt Hildmanns Energydrink „Daisho“ nicht mehr her.

Wir distanzieren uns mit allem Nachdruck.

Botschaft auf der Thalia-Website

Neben Amazon sprang auch Buchhändler Thalia als Kaufplattform von den Werken des Holocaust-Leugners ab. Vergangenen Juli hieß es noch, Thalia wolle „niemanden bevormunden“. Es gebe Meinungen, „die nicht im Einklang mit unseren eigenen Werten stehen“ – doch das akzeptiere man.

Doch wer nun nach „Hildmann“ auf der Thalia-Website suche, bekäme die folgende Botschaft, berichtet der Spiegel: „Wir distanzieren uns mit allem Nachdruck von einer rechtsradikalen und antisemitischen Weltanschauung, so wie sie unter anderem von Herrn Hildmann vertreten wird.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa & Jörg Carstensen/dpa & Nicolo Campo/imago

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