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Asteroid Kleopatra: Neue Bilder von „Hundeknochen“ lüften Geheimnis

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Von: Christian Einfeldt

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Asteroid Kleopatra ähnelt einem Hundeknochen. Außerdem umkreisen ihn zwei Monde. Warum ist er so ungewöhnlich? Das Geheimnis scheint nun gelüftet zu sein.

Mountain View, Kalifornien – Irgendwo zwischen Mars und Jupiter zieht ein ganz ungewöhnlicher Asteroid seine Kreise. Kleopatra, benannt nach der ägyptischen Pharaonin, fällt gleich in zweierlei Hinsicht auf. Zunächst einmal sieht der Himmelskörper aus wie ein Hundeknochen. Doch als wäre das nicht schon außergewöhnlich genug, bewegen sich gleich zwei Monde um ihn herum. Im Zuge der astronomischen Erforschung spricht Wissenschaftler Franck Marchis von einem „gehörigen wissenschaftlichen Fortschritt“. Was steckt hinter dem Mysterium von Asteroid Kleopatra?

Asteroid:(216) Kleopatra
Orbittyp:Mittlerer Hauptgürtel
Abmessungen:219,04 × 93,64 × 83,76 km
Datum der Entdeckung:10. April 1880

Asteroid Kleopatra und seine ungewöhnliche Form: Asteroid ähnelt einem Hundeknochen

Asteroid Kleopatra könnte die Astronomie maßgeblich voranbringen. Diese Meinung vertritt zumindest Astronom Franck Marchis vom SETI Institute. Er bezeichnete die Forschung rund um Kleopatra bereits als einen „gehörigen wissenschaftlichen Fortschritt“ und ist sich gleichermaßen sicher: „Wenn wir dieses komplexe Asteroidensystem besser verstehen, können wir eine Menge über unser Sonnensystem lernen“.

Rund 200 Millionen Kilometer ist Asteroid Kleopatra von der Erde entfernt. Als der Blick des Forschungsteams durch das Teleskop wanderte, sahen sie einen „seltsamen Außenseiter“, wie es etwa Studienleiter Franck Marchis auf den Punkt brachte. Fraglich, ob wie etwa Asteroid 2021 PT, laut der NASA größer als der Big Ben, eine potenzielle Gefahr einer Kollision der Erde besteht. Eines steht jedenfalls fest: Ähnlich wie ein vor Kurzem entdeckter lebensfreundlicher Planet, der sich als „zweite Erde“ entpuppte*, ist auch Asteroid Kleopatra kein gewöhnlicher Himmelskörper. Der Asteroid besitzt zwei dicke Enden, dazwischen eine schlanke Verbindung. Dass der Anblick von Asteroid Kleopatra Assoziationen zu einem handelsüblichen Hundeknochen weckt, liegt auf der Hand.

Asteroid Kleopatra hat zwei Monde: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entdecken Details

So kurios das Bild eines Hundeknochens auch sein mag, relevanter für die Wissenschaft ist ein anderer faszinierender Umstand: Zwei Monde umkreisen den Asteroiden. In Analogie zur Geschichte des Alten Ägyptens heißen die beiden Himmelskörper „AlexHelios“ und „CleoSelene“ – angelehnt an die Namen Kleopatras Kinder.

Nach Informationen des Online-Portals „ingenieur.de“ wurde Kleopatra bereits in den Jahren 2017 bis 2019 näher untersucht. Das Team um Franck Marchis nutze die vorliegenden Aufnahmen, die mit dem optischen Hilfsmittel „SPHERE“ („Spectro-Polarimetric High-Contrast Exoplanet Research“) am „Very Large Telescope“ („VLT“) aufgezeichnet wurden. Insbesondere das „VLT“ hatte zum Vorteil, dass optische Verzerrungen, hervorgerufen durch den Einfluss der Erdatmosphäre, ausgeglichen werden konnten. Diesem Effekt ist es übrigens zu verdanken, dass wie beim Leoniden-Meteorstrom im November 2021 das Funkeln der Sterne mit bloßem Auge zu sehen ist.

Vor Kurzem entdeckte ein australischer Astronom mittels eines Teleskops rätselhafte Signale aus dem All. Nun konnte das Instrument auch im Zuge der Forschung um Kleopatra einen entscheidenden Anstoß geben. Der weit entfernte Asteroid war auf einmal präzise zu beobachten und Franck Marchis und Co. konnten eine dreidimensionale Darstellung des Asteroiden erstellen. Jetzt ist klar: Kleopatra ist rund 270 Kilometer lang. Weitere Forschungen konnten darüber hinaus Details bezüglich der Masse und Dichte näher erörterten.

Zwei Monde umkreisen Asteroid Kleopatra.
Zwei Monde umkreisen Asteroid Kleopatra. © IMAGO / Cover-Images

Asteroid Kleopatra: Hinweise auf Struktur könnten Rätsel um Mysterium lösen

Diesbezüglich ist wohl die spannendste Erkenntnis, dass sich die Forschungsergebnisse im Vergleich zu früheren Werten deutlich unterscheiden. Hat sich die Wissenschaft seinerzeit komplett verrechnet? Gut möglich. Die wahrscheinlichste Annahme ist jedoch, dass dem eine ganz andere Ursache zugrunde liegt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler machten eine bemerkenswerte Entdeckung bezüglich Kleopatras Beschaffenheit. Insbesondere die poröse Struktur des Asteroiden fällt auf.

Allen Anschein nach hat es die Astronomie mit einem Asteroiden zu tun, der mehr einem aus seinen Einzelteilen neu-zusammengesetzten Himmelskörper als einem gigantischen Asteroid gleicht, siehe etwa Asteroid 2009JF1, der 2022 einschlagen könnte*. Schießen die Brocken-Teilchen für gewöhnlich in Tausend Teile, ist es bei Asteroid Kleopatra nicht ausgeschlossen, dass sich seine Teile nach einer Kollision wieder zusammenfinden könnten.

Asteroid Kleopatra: Forschung auf der Suche nach weiteren Monden

Es liegt also auf der Hand, dass Kleopatra einen eher instabilen Eindruck macht. Auch die Hundeknochen-Form entstand womöglich aus dem löchrigen Material des Asteroiden. Vermutet wird, dass sich die Substanz im Laufe der Zeit immer weiter auseinandergezogen hat. Doch darüber hinaus scheint seine Beschaffenheit die Antwort zu liefern, warum Asteroid Kleopatra zwei Monde hat.

Rund acht Kilometer ist „AlexHelios“ groß, knapp sieben „CleoSelene“ – bei beiden wird spekuliert, dass sie ursprünglich Bestandteil von Kleopatra waren. Die Struktur des Asteroid hat sich wieder einmal gelöst – die beiden Monde waren geboren. Wie schon oft bewiesen, zuletzt etwa als die NASA ein mögliches Einschlag-Szenario von Asteroid Apophis neu berechnet hatte, befindet sich die Astronomie in einem ewigen Prozess. Keineswegs ist es ausgeschlossen, dass auch die Forschung rund um Asteroid Kleopatra schon bald neue Erkenntnisse liefern könnte.

Derzeit befindet sich etwa noch das „Extremely Large Telescope“ („ELT“) der Europäischen Südsternwarte in der Entwicklung. Das Weltraumteleskop könnte der Forschung ein weiteres Mal Auftrieb verleihen. „Ich kann es kaum erwarten, das ELT auf Kleopatra zu richten, um zu sehen, ob es weitere Monde gibt, und um die Mondbahnen so genau zu vermessen, dass sich selbst kleine Veränderungen nachweisen lassen würden“, sagt Franck Marchis. Rund um Asteroid Kleopatra bleibt es also spannend. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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