Fehlende Asteroid-Abwehrtechnik

Asteroid bedroht Europa 2022: NASA-Simulation versetzt Experten in Sorge

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Ein Asteroid rast auf Europa zu: NASA-Simulation zeigt das Szenario in seinem ganzen Umfang. Fachleute auf der ganzen Welt besorgt: Was passiert in der Zukunft?

Washington, D.C., USA – Wie sehr würde die Erde von einem Asteroid-Einschlag zerstört werden – und wäre er aufzuhalten? Diese Fragen beschäftigten vor Kurzem erneut die NASA. Dass eine Kollision verheerende Folgen hätte, wissen Forscher schon seit längerem. Bereits jetzt feilen die Weltraumbehörden der NASA und ESA an einem Rettungsplan, um einen potenziellen Asteroid-Einschlag verhindern zu können. Doch wie nun eine Simulation offenbart, ist die aktuelle Weltraumtechnik weitaus schlechter auf eine Kollision vorbereitet, als bisher angenommen.

US-Bundesbehörde für Raumfahrt und FlugwissenschaftNasa
Gründer:Dwight D. Eisenhower
Gründung:29. Juli 1958, USA
Hauptsitz:Washington, D.C., Vereinigte Staaten

Asteroid im Anflug: Einschlag 2022 könnte nicht verhindert werden

Ein potenzieller Asteroid-Einschlag, der bereits 2022 die Erde treffen könnte, würde Forscher vor große Herausforderungen stellen. So haben Ergebnisse einer NASA-Simulation gezeigt, dass Experten auf der Erde bei einem Asteroid-Einschlag mehrere Jahre Zeit zur Vorbereitung bräuchten, um den gefährlichen Brocken aus dem All abzuwehren. Der Leiter des Nasa-Zentrums für die Beobachtung erdnaher Objekte (CNEOS), Paul Chodas, spricht im „Business Insider“ über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren, sein NASA-Kollege Richard Binzel sogar von einem Jahrzehnt. Aber was, wenn ein Asteroid schneller auf die Erde zurast, als die Forscher reagieren können?

Asteroid, der in sechs Monaten die Erde trifft: Die NASA Simulation ist bewusst „herausfordernd“

Die NASA-Simulation sollte den Ernstfall eines kurzfristigen Asteroid-Einschlags skizzieren. „Es war absichtlich sehr herausfordernd“, erklärte Chodas, der das fiktive Szenario mitentwickelt hatte. Die Prämisse: Forscher entdecken einen Asteroiden in rund 56 Millionen Kilometern Entfernung. In viel weiterer Entfernung haben Göttinger Forsche erst kürzlich eine „zweite Erde“ entdeckt. In der Simulation würde der Asteroid bei der „geringen“ Entfernung bereits sechs Monate später mit der Erde kollidieren. Ohne Kenntnisnahme weiterer Details sollte die Simulation zeigen, wie die Forscher im Ernstfall auf die Bedrohung reagieren.

Machtlos gegen Asteroid: „Droht ein Einschlag eines Asteroiden, ist „Zeit ist das wertvollste Gut“

Das Resultat ist besorgniserregend. Die NASA, die aktuell mögliches Leben auf dem Mars erforscht, verfügt derzeit über keine technologischen Instrumente, die einen Einschlag verhindern könnten. Innerhalb eines halben Jahres sei es unmöglich, mithilfe eines Raumschiffes oder speziellen Abschuss-Systems den Asteroiden zu zerstören oder seine Flugbahn zu ändern. Wie Astronom Binzel bestätigt, sei Zeit „das wertvollste Gut, das man haben kann, wenn man von einem realen Asteroiden bedroht wird“. Um die Gefahren aus dem All schneller aufspüren zu können, scannt die NASA mit automatischen Teleskopsysteme den gesamten Weltraum. Auf diesem Wege konnten Forscher auch den drohenden Einschlag des Asteroiden Apophis neu berechnen.

Ein Asteroid-Einschlag hätte verheerende Folgen. (Symbolbild)

Die Maßnahme scheint bereits erste Früchte zu tragen. Nach offiziellen Angaben hat die NASA, die vor weiteren Überschwemmungen wegen des veränderten Mond-Zyklus warnt*, bereits 40 Prozent aller Asteroiden in gewisser Nähe entdecken können. Damit ist die Weltraumbehörde allerdings noch weit vom Ziel entfernt, dass der amerikanische Kongress im Jahre 2005 erklärt hatte: So sollten die Experten rund 90 Prozent aller erdnahen Asteroiden mit einer Größe von mindestens 140 Metern ausfindig machen und erforschen.

„Derzeit verlassen wir uns auf Glück, um uns vor großen Asteroiden-Einschlägen zu schützen“

Wie die Nasa-Simulation veranschaulicht, sei die Weltraum-Forschung auf einen Asteroid-Einschlag noch nicht ausreichend vorbereitet. So seien zu wenig Informationen vorhanden, um in die „planetarische Verteidigung“ überzugehen. Insbesondere die Größe des Asteroiden spielt eine große Rolle und entscheidet darüber, wie stark eine Kollision die Erde gefährden kann. „Derzeit verlassen wir uns auf Glück, um uns vor großen Asteroiden-Einschlägen zu schützen“, offenbarte Binzel. Auch darum war die Aufregung groß, als der Asteroid Apophis plötzlich seine Flugbahn geändert hat – ein Einschlag wurde daraufhin bereits für 2068 berechnet. Inzwischen gibt es dank neuer Berechnungen dazu NASA-Entwarnung.

Asteroid abwehren: Es gibt Strategien – allerdings noch kaum einsatzbereite Technik

Erste mögliche Strategien zur Bekämpfung der Asteroiden gibt es aber dennoch. Laserstrahlen könnten einen eintreffenden Brocken so stark erhitzen, dass er genug Material verdampft und seine Flugbahn ändert. Eine weitere Möglichkeit wäre, den Asteroiden durch gezielten Beschuss in kleine Stücke zu brechen, die nur noch so klein wären, der Meteorit, der 2021 in Norwegen einschlug. So würde ein Asteroid dann keine oder jedenfalls kaum eine Gefahr für die Menschheit darstellen.

Doch es gibt zwei große Probleme: Genauso wie die weitere Strategie der gemeinsamen Abschuss-Mission von NASA und ESA sind die Ideen einerseits nicht erprobt. Andererseits können längst nicht alle Asteroiden von der Erde aus entdeckt werden. Als Beispiel ist da etwa der Asteroid zu nennen, der 2013 die russische Stadt Tscheljabinsk verwüstete. Erst das Infrarotteleskop, „NEO Surveyor“, könnte ab 2026 Abhilfe leisten, vorher wird es nicht fertig gestellt sein. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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