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Amoklauf in Heidelberg: „Ganz ruhiger junger Mann“ – Hier lebte Täter Nikolai G. (†18)

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Von: Marten Kopf

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Heidelberg - Nikolai G. gilt als ruhiger Typ. Bis er schwer bewaffnet einen Hörsaal der Heidelberger Universität betritt, einen Menschen tötet und drei weitere schwer verletzt.

Dieser Tag hat sich für immer in unser Gedächtnis eingebrannt! Am Montag (24. Januar) betritt ein 18-Jähriger den Hörsaal INF 360 der Universität Heidelberg*. Von der Innenstadt aus über den Neckar, nicht weit entfernt vom Botanischen Garten, dem Zoo und der Uni-Klinik liegt dieser für einen Hörsaal eher klein gehaltene Raum. Hier „draußen“, im Neuenheimer Feld, befindet sich einer der Knotenpunkte des Heidelberger Universitätsbetriebs. Der junge Mann im Hörsaal ist selbst Student, eingeschrieben für Biowissenschaften. So weit, so gewöhnlich. Für Entsetzen aber sorgt, was dann folgt. Nikolai G. nämlich betritt diesen Hörsaal bewaffnet mit einem Gewehr, im Gepäck hat er über 100 Schuss Munition*.

Als um 12:24 Uhr binnen 43 Sekunden gleich sieben Notrufe bei der Polizei eingehen, wird schnell klar, dass Eile geboten ist. „Für uns war klar, dass das kein Fake-Anruf ist, sondern dass wir von einer Ernstlage ausgehen müssen“, so wird es Mannheims Polizeipräsident Siegfried Kollmar später auf einer Pressekonferenz sagen. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften ist vor Ort, trotz allem werden drei Personen durch Kugeln verletzt, eine Kommilitonin G.s erliegt später ihren schweren Verletzungen*.

Amoklauf in Heidelberg: Persönlichkeitsprofil zum Täter – „Ein ganz ruhiger junger Mann“

Über Persönlichkeitsprofile von Amokläufern mag man spekulieren können – wie sinnvoll solche Spekulationen sind und wie viel am Ende dabei herumkommt, mag eine ganz andere Frage sein. Allen Attentätern gemein ist aber, dass sie ihrem näheren Umfeld in aller Regel nie besonders aufgefallen sind. Negativ schon gleich gar nicht. Am Ende ist es immer der „nette junge Mann von nebenan“.

Mit eben diesen Worten beschreibt auch Cornelia Balk den Mann, der für den Amoklauf in Heidelberg* verantwortlich ist. Balk arbeitet in einem Friseursalon, der sich im Erdgeschoss des Hauses befindet, in dem Nikolai G. bis zu seinem selbstgewählten, aber eben so grausam inszenierten Freitod lebte. In Mannheim. Ziemlich genau über ihrem Arbeitsplatz, gleich im ersten Stock des Hauses, liegt G.s Wohnung. Wohneinheit Nr. 5, die Tür aus schlichtem, ein bisschen schäbig wirkendem Sperrholz, oben rechts ein Rauchverbot-Aufkleber. Man sieht auf den ersten Blick, dass sich hier jemand Zutritt verschafft hat: Das Türschloss ist offenkundig aufgebrochen und anschließend mittels einer angeschraubten Holzplatte eher notdürftig wieder geflickt worden – und jetzt mit einer blauen Banderole der Kriminalpolizei Mannheim amtlich versiegelt. „Wer ein dienstliches Siegel beschädigt, ablöst oder unkenntlich macht, wird gemäß § 136 StGB (Siegelbruch) strafrechtlich verfolgt“ ist da zu lesen.

Die Schwetzinger Straße in Mannheim
Die Schwetzinger Straße in Mannheim. Hier lebte Nikolai G. © HEADLINE24

Heidelberg: Amokläufer Nikolai G. – Illustres Umfeld

Die Gegend im Mannheimer Stadtteil Schwetzingerstadt/Oststadt grenzt praktisch direkt an das berühmte „Schachbrett“ der Innenstadt-Quadrate. Von G.‘s Wohnsitz aus sind es fußläufig drei, vielleicht vier Minuten bis zum Hauptbahnhof in die eine und zum Wasserturm*, einem der Wahrzeichen Mannheims, in die andere Richtung. Die Gesellschaft drumherum ist – wie vielerorts in Baden-Württembergs zweitgrößter Stadt – in einem positiven Sinne illuster: Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite befinden sich eine Shisha-Bar, dann eine „Ferkelbraterei“, daneben betreibt ein Klavierstimmer sein Geschäft.

Es ist nicht viel bekannt über Nikolai G.*. Und erst recht wird wohl nie abschließend geklärt werden können, was ihn zu seiner irrsinnigen Tat trieb. „Man steckt nicht drin in den Menschen“, so sagt es auch Cornelia Balk. Erst kurz vor Weihnachten sei G. noch zum Haareschneiden bei ihr gewesen. „Ein ganz ruhiger, junger Mann“ eben. Knapp eine Stunde nach Betreten des Hörsaals wird sich G. in der Nähe des Botanischen Gartens erschießen. (mko) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Hinweis: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Du unter einer existentiellen Lebenskrise oder einer Depressionen leidest oder eine Dir bekannte Person es tut, kontaktiere bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111.

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