Fragwürdiges Label

Aldi: Werbung für beliebtes Fleisch-Produkt regt Kunden auf – „mehr als frech“

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Aldi druckte in einem Prospekt Werbung für ein beliebtes Fleischprodukt ab. Ein Detail daran missfiel einem Kunden, er teilte sein Ärgernis in einem Facebook-Post. Für den Discounter endete die Aktion mit üblen Anschuldigungen.

  • Aldi: Kunde entdeckt Aufreger-Detail in Prospekt.
  • Er teilt ein Foto von der fragwürdigen Fleisch-Werbung auf Facebook.
  • Der Post geht viral - Discounter (Aldi) erntet massiv Kritik.

Essen – Der Discounter Aldi gerät wegen einer fragwürdigen Fleisch-Werbung ins Kreuzfeuer. Anlass für die Kritikwelle ist der Facebook-Post eines Kunden, der auf ein Detail in einem Aldi-Werbeprospekt aufmerksam machte.

Unternehmen Aldi
ZentraleEssen
CEOMarc Heußinger (1. Jan. 2013–)
Umsatz53 Milliarden EUR (2020)
Gründung1946, Essen
TochterunternehmenTrader Joe’s
GründerKarl Albrecht, Theo Albrecht

Aldi: Facebook-Post stellt Discounter an den Pranger - Debatte um Billigfleisch angefacht

Aldi Süd in der Kritik: Ein Kunde regte sich über ein Detail in einem Wernbeprospekt des Discounters auf. (24hamburg.de-Montage)

Der Discounter Aldi Süd bewarb in dem Reklameblatt die „Initiative Tierwohl“. „Mit 6,25 Euro von jedem verkauften Kilo Hähnchen- und Schweinefleisch fördern wir das Tierwohl in den teilnehmenden Betrieben“, heißt es dort. Der Prospekt erschien, wie utopia.de berichtet, bereits im Oktober 2019 - doch die Debatte darum wurde jetzt erneut angeregt.

Ein Facebook-User hat sich den Prospekt genauer angeschaut. Dabei stieß er auf Detail, das ihn sehr empört. Denn direkt unter dem Werbekasten für die „Initiative Tierwohl“ wirbt Aldi für billige Fleischprodukte, die aus minderwertiger Tierhaltung stammen: Der Discounter preist die „Dicke Rippe“ und Kassler Kotelett für schlappe 2,99 Euro an. „Schaut man genau hin, entdeckt man auf der Packung neben dem bunten Label auch die Bezeichnung „Haltungsform 1“, informiert der Aldi-Kunde in seinem Post.

Aldi Süd deklariert Billigfleisch aus „Haltungsform 1“ als „Tierwohl“ - Facebook-User ist empört

Zur Einordnung: die „Haltungsform 1" heißt, dass die Tiere in Ställen gehalten werden. Die Initative Tierwohl, die sich aus Vertretern der Landwirtschaft, der Fleischwirtschaft und des Lebensmitteleinzelhandels zusammensetzt, unterscheidet mit farbigen Siegeln auf Fleischprodukten zwischen vier verschiedenen Haltungsformen. Konsumenten sollen beim Kauf dadurch schneller erkennen können, aus welchen Umständen sie das Fleisch beziehen.

Auf der Website der Initiative wird darüber aufgeklärt, was die „Haltungsform 1“ konkret bedeutet. Demnach gelten beispielsweise für einen Schweinemast folgende Mindestanforderungen:

  • Platz: mind. 0,75 m² pro Tier
    Haltung: Stallhaltung
    Beschäftigung: veränderbares Beschäftigungsmaterial, mind. bewegliche Kette kombiniert mit veränderbarem Material, wie z.B. Weichholz

Für den Verfasser des Facebook-Posts bedeutet das im „Klartext“: „übelste Massentierhaltung mit 0,75m² Platz pro armem Schwein, eine „bewegliche Kette“, Spaltenboden, kein Tageslicht usw. Mit anderen Worten: Noch mieser ist verboten“. An den Discounter Aldi macht er dabei eine klare Ansage und schreibt, dass er es „mehr als frech“ finde, die Haltungsform 1 als „Tierwohl" zu deklarieren.

Er befürchtet allerdings, dass Aldi-Kunden auf die Werbung hereinfallen könnten - hofft aber, dass er mit seinem „Posting dazu beitragen kann, dass auch nur ein Kunde weniger dieses Fleisch kauft“. Dann hätte sich der Post für ihn nämlich schon gelohnt, schreibt er weiter. Von vielen weiteren Facebook-Usern erhält er jede Menge Zustimmung - der Beitrag wurde bereits fast 3.500 Mal geliked und etwa 1.800 Mal kommentiert.

„Wer dieses Fleisch kauft hat den Schuss eh nicht mehr gehört ....“, kommentiert ein User. Ähnlich empört reagiert ein Weiterer: „4 Euro fürs Kilo. Das ist schon richtig armselig billig.“ Eine andere Facebook-Nutzerin zieht sogar direkt Konsequenzen für ihr eigenes Konsumverhalten: „Hab nie drauf geachtet.. jetzt ist schluss ...i kauf da kein Fleisch mehr..“

Aldi: Reaktion auf Facebook-Post und Tierwohl-Debatte - Discounter weist Kritik ab und macht Kunden verantwortlich

Aldi Süd reagierte bereits mit einem Facebook-Kommentar auf die hitzige Tierwohl-Debatte. Doch der Discounter weist jegliche Kritik zurück. Die Verantwortung sieht Aldi beim Kunden selbst: „Unsere Kunden können selber entscheiden, auf welche Haltungsstufe sie zurückgreifen“, heißt es.

Fleischprodukte, die aus der Haltungsstufe 1 bezogen werden, würden sich dabei der höchsten Nachfrage erfreuen. Aldi passe sein Sortiment nach den Bedürfnissen seiner Kunden an, schreibt der Discounter.

Aldi Süd reagiert auf Facebook auf die hitzige Tierwohl-Debatte. (Screenshot)

Dieser Aldi-Aufreger ist nur ein Beispiel für die aktuelle öffentliche Debatte um Billigfleisch, die besonders durch Schlachthof-Skandale wie im Fall Tönnies angeregt wird. 24hamburg.de berichtete außerdem erst kürzlich über einen Ex-Metzger, der mit der Fleischindustrie abrechnete. Und auch minderwertige Haltungsformen in der Milchvieh-Wirtschaft werden von Tierschützern kritisiert: eine Undercover-Recherche deckte fragwürdige Zustände in einem Milchbetrieb nahe Flensburg auf. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa/picture alliance

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