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Zum Kiosk statt in die Praxis? Hamburger Projekt bundesweit vorbildlich

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Von: Kevin Goonewardena

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Gegen unzureichende medizinische Grundversorgung plant die Regierung die Einrichtung von sogenannten Gesundheitskiosken. In Hamburg gibt es sie bereits.

Hamburg – Wer an Hamburg oder andere Großstädte denkt, dürfte naturgemäß vor allem die bekannten, innenstadtnahen Stadtteile im Kopf haben; die, wo sich ein Gebäude an das nächste reiht, die Straßen zugeparkt sind, die Menschen Geschäfte aufsuchen, aus U-Bahn-Stationen strömen oder im Straßencafé sitzen. Die, in denen alle wohnen wollen.

Doch auch Hamburg hat wie jede andere Stadt auch ländliche Randgebiete, in denen nur wenige Menschen leben und sozial schwache Gebiete, in die nur die ziehen, die es sich nicht aussuchen können, wo sie leben. Beide – ländliche, wie arme Gegenden – haben eins gemein: Sie leiden unter dem Mangel an Arztpraxen. Die Regierung will dem nun Abhilfe schaffen: die Idee – Gesundheitskiosk dort, wo es um die ärztliche Infrastruktur schlecht bestellt ist.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:rund 1,9 Millionen
Anzahl niedergelassene Ärzte:3332 (laut Ärztekammer Hamburg, 2021)

Hamburg: Ländliche Gebiete am Rand der Stadt

In Cranz etwa, im Bezirk Harburg, dort leben gerade einmal 850 Menschen. Oder Moorburg, knapp über 700 sind hier zu Hause. Ländliche Räume gibt es überall, so leben etwa im Bezirk gerade einmal 846 Einwohner auf dem Quadratkilometer. 5459 sind es hingegen in Hamburg-Nord. Und auch in Billstedt, im Osdorfer Born oder in Mümmelmannsberg, in den weniger privilegierten Stadtteilen also, ist es um die ärztliche Versorgung schlechter bestellt, als in Eimsbüttel, in Eppendorf oder Winterhude.

Gesundheitskioske sollen unzureichender medizinischer Versorgung entgegenwirken

In Regionen oder Stadtteilen ohne Arzt sollen die Bürgerinnen und Bürger künftig zu sogenannten Gesundheitskiosken gehen können. In vielen Stadtteilen und Landkreisen in Deutschland gebe es keine ausreichende medizinische Versorgung mehr, hieß es am Donnerstag in Regierungskreisen in Berlin. „Dem sollen flächendeckend deutschlandweit sogenannte Gesundheitskioske entgegenwirken“, hieß es in den Kreisen weiter.

Gesundheitskioske sollen auch -vorsorge und Ernährungsberatung anbieten

Die geplanten Einrichtungen sollen den Vorstellungen zufolge zum Beispiel helfen, dass die Versicherten an Arzttermine oder eine Physiotherapie kommen. Zudem soll man sich dort Befunde erklären lassen können, wie es hieß.

Angebunden an die neuen Gesundheitskioske werden sollen auch Sozialdienste. Mit den bereits bestehenden Pflegestützpunkten sollen die neu zu schaffenden Einrichtungen zusammenarbeiten. Geplant ist ferner, dass dort Gesundheitsvorsorge und Ernährungsberatung angeboten wird, wie es in den Regierungskreisen weiter hieß.

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Gesundheitskioske: Pläne finden sich im Koalitionsvertrag

Die Pläne gehen auf eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag zurück: „In besonders benachteiligten Kommunen und Stadtteilen (...) errichten wir niedrigschwellige Beratungsangebote (z.B. Gesundheitskioske) für Behandlung und Prävention.“

Konkrete Angaben, wer in den Kiosken arbeiten soll, wie viele solcher Einrichtungen es geben soll, wie viel dies kosten und wie die Finanzierung gegebenenfalls aufgeteilt werden soll, gab es zunächst nicht. Doch deutlich wurde in den Regierungskreisen, dass die Gesundheitskioske eine umfangreiche Neuerung werden sollen.

Hamburg: Sogenannte Gesundheitskioske sollen eine lückenlose medizinische Versorgung sicherstellen
Hamburg: Sogenannte Gesundheitskioske sollen eine lückenlose medizinische Versorgung sicherstellen. © Bodo Marks/dpa/imago/Montage

Gesundheitskioske: In Billstedt und Horn gibt es sie schon

Als beispielgebend wurden unter anderem Gesundheitskioske Aachen sowie in Hamburg-Billstedt und -Horn genannt. Nach Angaben der dort beteiligten AOK wird den Menschen etwa in Hamburg „barrierefrei, in vielen Sprachen und auf Augenhöhe“ Gesundheitswissen vermittelt und Orientierung in der Versorgung vor Ort gegeben.

Verbessert würden in Hamburg so die Lebens- und Gesundheitschancen von Menschen, die es aufgrund ihrer Lebensumstände schwieriger haben, von den Angeboten des Gesundheits- und Sozialsystems zu profitieren, so die AOK Rheinland/Hamburg. (mit Material der dpa)

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