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Heißt „zuckerfrei“ wirklich „ohne Zucker?“ Verbraucherschützer klären auf

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Von: Stella Henrich

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Süßes genießen, gesund dabei leben und das eigene Körpergewicht unter Kontrolle behalten dank zuckerfreier Produkte. Dabei bedeutet „ohne Zuckerzusatz“ nicht zuckerfrei. Verbraucherschützer klären auf.

München ‒ Meist springen sie einem als Werbezusätze auf Produktverpackungen ins Auge: Ein „Ohne Zuckerzusatz“ lässt wohl die meisten Verbraucher in dem Glauben, das Produkt ist gar nicht süß. Doch das stimmt laut Verbraucherschützern überhaupt nicht. Wer Lebensmittel mit der Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ kaufe, dürfe nicht davon ausgehen, dass diese Produkte zuckerfrei seien. Darauf weist jetzt die Verbraucherzentrale Bayern hin.

Bild zeigt einen Haufen Zuckerwürfel.
„Zuckerfreie Produkte“ sind nicht zwingend ohne Zucker. (Symbolbild) © Steinbach/imago

Die Werbeaussage „ohne Zuckerzusatz“ auf Produkten wie Süßwaren, Speiseeis, Desserts oder Müsli bedeute nur, dass bei der Verarbeitung keine sogenannten Einfach- und Zweifachzucker zugesetzt wurden. Dazu zählen etwa Glukose, Fruktose und Haushaltszucker. Das Verbot beinhalte auch den Zusatz von süßenden Lebensmitteln wie Honig, Dicksaft oder Sirup, erläutert Silke Noll, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale, berichtet merkur.de.

Süßes-Einmaleins: Die Zugabe von Süßstoff ist aber in Ordnung

Erlaubt ist dagegen laut europäischer „Health-Claims“-Verordnung die Zugabe von Süßungsmitteln wie Zuckeralkoholen oder Süßstoffen. Ein Lebensmittel könne aber auch von Natur aus süß sein, wie etwa Fruchtsäfte oder Smoothies. Sie dürfen ebenfalls mit der Angabe „ohne Zuckerzusatz“ werben.

Werbeaussagen mit weniger Zucker:Und ihre Bedeutung:
zuckerarmIm Erzeugnis sind bei festen Produkten maximal 5 g Zucker je 100 g beziehungsweise 2,5 g je 100 ml bei flüssigen Produkten erlaubt.
zuckerfreiProdukt muss nicht völlig zuckerfrei sein. Ein Restgehalt von maximal 0,5 g Zucker je 100 g bzw.100 ml ist gesetzlich erlaubt.
zuckerreduziertReduzierung des Zuckergehalts um 30 Prozent im Vergleich zu anderen Lebensmitteln gleicher Art. Allerdings muss hier auch der Energiegehalt des Produkts gleich oder niedriger als der des Vergleichprodukts sein.
ohne ZuckerzusatzDem Produkt dürfen weder Einfach- oder Zweifachzucker noch andere wegen ihrer süßenden Wirkung eingesetzte Zutaten zugesetzt werden. Ohne Zuckerzusatz bedeutet nicht, das kein Zucker enthalten ist.

Quelle: Verbraucherzentrale Bayern

Damit sich niemand bei der Angabe „ohne Zuckerzusatz“ getäuscht fühlt, empfiehlt die EU-Verordnung in solchen Fälle auch den Zusatz-Hinweis „enthält von Natur aus Zucker“. Verpflichtend ist diese Angabe für die Hersteller jedoch nicht.

Süßes-Einmaleins: Irreführende Botschaften auf den Verpackungen der Hersteller

Neben den gesetzlich geregelten Werbeaussagen finden sich auf den Verpackungen von Lebensmitteln häufig auch noch weitere Botschaften, die mitunter irreführend sein können. Verbraucherschützer nennen Beispiele wie etwa „weniger süß“, „mit Traubenzucker“ oder „Süße nur aus Früchten“, die den Verbrauchern nicht durch die Lappen beim Checken der Zutatenliste gehen sollten.

Weitere Begriffe des Süße-Einmaleins sind:

Die Verbraucherschützer aus Bayern raten den Verbrauchern, sich nicht von einer hübschen Aufmachung oder einer vielversprechenden Werbung blenden zu lassen. Am besten sei hingegen, den Zuckergehalt in der Nährwerttabelle auf der Verpackung zu beachten und die Zutatenliste nach den verschiedenen Begriffen für Zucker und süßende Zutaten zu durchforsten.

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