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Wichtige Medikamente werden knapp – 250 Stück betroffen

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Von: Robin Dittrich

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Einige wichtige und beliebte Medikamente werden immer knapper. Dadurch kann die Gesundheit gefährdet werden. Woher kommen die Lieferengpässe der Arzneimittel?

Hamburg/Berlin – Apotheker warnen vor zunehmenden Engpässen bei Arzneimitteln. Betroffen sind davon nicht nur Nischenprodukte, sondern gängige Medikamente wie Ibuprofen und oder Mittel gegen Bluthochdruck sowie Diabetes. Woher die Lieferengpässe der Arzneimittel kommen, verrät Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Apothekerverbandes.

Verein:Deutscher Apothekerbund
Gründung:1872
Sitz:Berlin
Mitglieder:17 (Stand: 2022)

Apotheker warnen vor Lieferengpässen – Medikamente in Deutschland werden knapp

Die Aussichten des Deutschen Apothekerverbandes geben durchaus Grund zur Sorge: „Über 250 Medikamente sind aktuell als nicht lieferfähig gemeldet“, sagt Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Verbandes. Und fügt danach an: „Das Problem ist schon sehr bedeutend, das muss man klar sagen.“ Selbst gängige Mittel gegen Bluthochdruck und Diabetes oder Schmerzmittel wie Ibuprofen sind von den Lieferengpässen betroffen, wie dpa schreibt. Die Lieferengpässe gibt es schon seit Monaten. Doch woran liegt das?

Wichtige Medikamente sind immer häufiger von Lieferengpässen betroffen – 250 Arzneimittel werden momentan knapp.
Wichtige Medikamente sind immer häufiger von Lieferengpässen betroffen – 250 Arzneimittel werden momentan knapp. © Patricia Rehe/Imago

Wie Hans-Peter Hubmann bekannt gab, sind diese Lieferengpässe eigentlich nichts außergewöhnlich. Immer mal wieder fallen Produzenten aus, „aber die Menge und die Länge des Ausfalls sind deutlich dramatischer geworden.“ Er gibt an, dass mehr als doppelt so viele Produkte wie noch vor fünf Jahren betroffen seien. Das Hauptproblem: Bei einigen Medikamenten gibt es kein Alternativ-Produkt, das den Verbrauchern angeboten werden kann. „Im April und Mai hatten wir einen Mangel am Brustkrebsmittel Tamoxifen. Betroffene Frauen wissen nie, wann die Zeitbombe hochgeht, deswegen ist da schon die Gesundheit gefährdet.“

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Welche Medikamente werden knapp?

Diese Arzneimittelgruppen sind aktuell besonders von den Lieferengpässen bei Medikamenten betroffen:

Antidepressiva

Schilddrüsenmedikamente

Schmerzmittel (Ibuprofen)

Blutdrucksenker

Kochsalzlösungen

Krebsmittel

Hormonpräparate

Impfstoffe

Antibiotik

Narkosemittel

Lieferengpässe bei Medikamenten – das sind die Ursachen und mögliche Lösungen

Für Hans-Peter Hubmann gibt es mehrere Gründe für den aktuellen Mangel an Medikamenten. „Einerseits ist es vor allem die Verminderung der Produktionsvielfalt in Europa.“ Als Beispiel nennt er die Produktion von Fiebersaft. Vor nicht allzu langer Zeit gab es noch mehrere Anbieter, die Herstellung ist mittlerweile jedoch nicht mehr wirtschaftlich. „Jetzt gibt es nur noch einen, und der kann die Menge nicht schultern.“ Der andere Hauptgrund sind Lieferkettenabrisse. Durch die Herstellung vieler Produkte in Fernost kommt es bei dortigen Problemen hierzulande zu Lieferengpässen.

Wie kann die Lösung für die Probleme der Lieferengpässe von Arzneimitteln aussehen? „Unsere Forderung ist seit Längerem, dass die Wirkstoffproduktion wieder in Europa stattfinden muss“, sagte der Vizevorsitzende Hubmann. Die Strukturen dafür müssten jetzt aufgebaut werden, da der ganze Prozess wohl fünf bis zehn Jahre brauchen wird. Unterstützung bekommt er dabei von Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek: „EU und Bund müssen dringend die heimatnahe Produktion stärken.“ Die Lieferketten sollen dadurch deutlich stabilisiert werden.

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