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Steht auch Deutschland vor einem Wassernotstand? In England drohen schon Strafen

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Was passiert, wenn in Deutschland das Wasser knapp wird? Im Worst-Case-Szenario wird das alltägliche Leben unbezahlbar.

Hamburg – Wasser kann in einer Hitzewelle, wie sie aktuell über Deutschland hinwegrollt, ein rares Gut werden. Zwar ist für nächste Woche bereits wieder Regen angekündigt, doch manchmal reichen auch ein paar nasse Tage nicht aus, um die Bevölkerung zu versorgen.

LandDeutschland
Bevölkerung83,24 Millionen (2020)
HauptstadtBerlin
KanzlerOlaf Scholz
Fläche357.588 km²

Wenn das Wasser knapp wird, dann ruft die Regierung einen Notstand aus. In England ist das schon passiert und Bürgern wird bei Wasserverschwendung mit Strafen gedroht. Auch in Deutschland ist ein Wassernotstand gar nicht mehr weit entfernt, in Hessen und Sachsen wurde er in Teilen bereits ausgerufen. Das passiert, wenn in Deutschland das Wasser knapp wird.

Wassernotstand in Europa: Die Lage in England, Holland und Frankreich

Europa ist angesichts der extremen Hitzewelle, die auch in Hamburg Rekorde bricht, zum Wassernotstandsgebiet geworden. In England wurde der Notstand ausgerufen und den Engländern drohen nun saftige Strafen, wenn sie Wasser verschwenden. Demnach sind das Waschen von Autos oder das Befüllen von Pools und Planschbecken trotz gleißender Hitze verboten.

Auch in Frankreich ist die Hitze ein Problem. Dort ist der Grundwasserspiegel schon so stark gesunken, dass über 100 Gemeinden kein eigenes Trinkwasser mehr zur Verfügung haben. Hier ist es mittlerweile mit einigen besonderen Ausnahmen sogar Landwirten verboten, ihre Felder zu bewässern. In Holland und Italien haben die Regierungen wegen der Dürre ebenfalls Krisenstäbe eingesetzt.

Wasser schon knapp in Hessen und Sachsen: Landesregierungen ergreifen erste Maßnahmen

England ist zwar geografisch recht weit entfernt, doch die Krise ist mit betroffenen Nachbarländern wie Holland und Frankreich nicht mehr so fern von Deutschland - und Hamburg - wie man gerne glauben mag. In einigen Bundesländern gibt es bereits jetzt Probleme, weil das Wasser dort knapp wird, zu denen zum Beispiel Sachsen und Hessen gehören.

Wassersprinkler auf einem Feld und eine Hand mit einem Glas unter einem Wasserhahn.
Wasserverschwendung ist bei einem Notstand verboten. In Teilen Deutschlands bedeutet das bereits ein Bewässerungsverbot für die Landwirtschaft. (24hamburg.de-Montage) © IMAGO Images/Winfried Rothermel & IMAGO Images/ANP

Im hessischen Kurort Königstein im Taunus gibt es einen Trinkwassernotstand, über den sogar die Feuerwehr informiert. Peter Günster, Leiter der Stadtwerke, sagte in einer Erklärung: „Bitte unterlassen Sie ab sofort das Bewässern von Grün‐ und Gartenanlagen und die Befüllung von Schwimmbecken mit Trinkwasser nach den Vorgaben der Gefahrenabwehrverordnung.“ Man müsse die „Leute wachrütteln“ erklärt er über die Verordnung, die noch bis Ende August gelten wird. Nach dieser dürfen Wasserhähne aktuell während einer Sperrzeit von 1:00 Uhr bis 3:30 Uhr nicht geöffnet werden und auch andere Maßnahmen sollen Wasserverschwendung verhindern.

Aktuelle Regeln in Deutschland: So müssen sich Bürger bei einem Wassernotstand umstellen

Wenn in ganz Deutschland Wasserknappheit herrscht, dann könnte die Regierung einen solchen Notstand auch bundesweit ausrufen. Zu den Maßnahmen, die aktuell in Hessen durchgesetzt werden, gehören neben der Wasserhahn-Sperrzeit auch ein Bewässerungsverbot von landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Flächen und Gärten. Auch Rasen- und Grünflächen, Parkanlagen, Spiel- und Sportplätze, Terrassen, Dächer, Wände, Anlagen, Bauwerke und Baustellen dürfen weder bewässert noch mit Wasser gereinigt werden.

Wasserspiele im Garten, Springbrunnen oder Planschbecken sowie private Pools, Teiche und Zisternen dürfen ebenfalls nicht befüllt werden. Genau so ist das Waschen des Autos – privat oder in einer Waschanlage – verboten. In Sachsen ist es außerdem nicht mehr gestattet, Wasser aus Flüssen und Seen zu entnehmen, weil dort der Grundwasserspiegel bereits zu stark gesunken ist.

Worst-Case-Szenario: Wirtschaft droht „heatflation“, wenn in Deutschland Wasser knapp wird

Sollte ein Wassernotstand für ganz Deutschland ausgerufen werden, dann gelten solche oder ähnliche Maßnahmen für alle 83 Millionen Bürger. Allerdings hätte eine Wasserkrise noch größere Folgen als die für Privatpersonen.

Öffentliche Pools, Spas oder Fitnessstudios mit Schwimmbecken und Sauna stehen zum Beispiel aktuell vor einem wirtschaftlichen Problem. Die erhöhten Energiepreise für Gas und Strom – und in Zukunft eventuell auch für Wasser – lassen die Preise für Mitgliedsbeiträge steigen. Nach der Corona-Pandemie, in der viele Leute das Fitnessstudio ohnehin bereits gekündigt und Sport zu Hause für sich entdeckt haben, ist das eine Katastrophe.

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Großen Firmen, die Wasser zum Beispiel zum Kühlen für Maschinen benötigen, droht ein Produktionsstopp und Bauern, die ihre Felder nicht mehr bewässern dürfen, müssen mit einer dezimierten Ernte rechnen, weil Teile durch die Hitze zerstört werden. Gleichzeitig kann Deutschland aber auch nicht einfach Lebensmittel importieren, wenn das Grundwasser weiter sinkt und die Flüsse für Binnenschiffe unbefahrbar macht. Das Gleiche gilt für die Industrie, die auf Lieferungen per Frachter angewiesen ist. Bei den aktuellen Energiepreisen ist ein Import per Flugzeug allerdings auch nicht günstiger.

Das Folge dieses Worst-Case-Szenarios, dem Wassernotstand, ist die, die aktuell schon zu beobachten ist: Alles wird teurer. In Nordwestdeutschland hat man dafür nun ein Wort erfunden, das sich „heatflation“ schimpft. Auf Deutsch: Mit anhaltender Hitze droht eine steigende Inflation.  

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