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Versteckte Änderung macht Margarine plötzlich teurer

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Von: Steffen Maas

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Obwohl der Verbraucher den gleichen Preis wie vorher zahlt, ist Margarine von Rama heimlich teurer geworden. Denn die bekannte Verpackung wird weniger gefüllt.

Hamburg – Es ist ein unrühmlicher Rekord, den die Verbraucherzentrale Hamburg meldet: So viele Beschwerden zu einer Mogelpackung habe man in so kurzer Zeit noch nie erhalten. Übeltäter ist die Margarine von Rama. Die kostet zwar nach wie vor 2,19 Euro, umfasst aber plötzlich 20 Prozent weniger Inhalt – statt 500 Gramm sind es jetzt 400 Gramm. „Besonders dreist“, findet die Verbraucherzentrale in Hamburg: Die Verpackung bleibt gleich groß. Damit täusche nach Ansicht der Verbraucherschützer Hersteller Upfield „mehr Inhalt vor, denn in die Packung schauen kann man vor dem Kauf natürlich nicht.“

Name:Verbraucherzentrale Hamburg
Sitz:Kirchenallee 22, 200099 Hamburg
Telefonnummer:040 248320

Die Masche nach dem Prinzip „weniger drin, gleicher Preis“ ist nicht neu und wird von der Verbraucherzentrale „Shrinkflation“ genannt. In diesem Fall bedeutet die Schrumpfung des Produktes eine Preissteigerung um 25 Prozent. Der Verbraucherschutz kürt die Margarine deshalb zur „Mogelpackung des Monats“. Solche und andere Tricks sind den Experten der Verbraucherzentrale nicht fremd – erst vor kurzem zerrte man den Discounter Lidl vor Gericht, da dieser Müsli-Packungen mit gerade mal etwas mehr als der Hälfte befüllt hatte.

Margarine von Rama: Nicht die erste fragwürdige Änderung

Das ist zudem nicht das erste Mal, dass beim Klassiker Rama getrickst wurde. Die Verbraucherzentrale dokumentiert, dass das Streichfett seit 2008 nicht nur kleiner und nach und nach teurer wurde, sondern auch schon mal klammheimlich die Rezeptur verändert wurde.

So senkte man 2011 bereits den Fettanteil des Produktes von 80 auf 70 Prozent – und fiel damit unter die Schwelle, bei der man das Nahrungsmittel noch als Margarine bewerben durfte. 2017 eine weitere Reduzierung – von 70 Prozent auf 60 Prozent – und aus dem Streichfett wurde offiziell eine „Dreiviertelfettmargarine“. Bei dem Fett, das dabei gestrichen wurde, handelte es sich um wertvolles Rapsöl. Ersetzt wurde es durch: Wasser. Eine erhebliche Kostenreduzierung bei der Produktion, die alles andere als an den Verbraucher weitergegeben wurde.

Rama „100 Prozent natürlich“? Verbraucherzentrale Hamburg ist skeptisch

Eine Änderung der Rezeptur gibt es auch bei der aktuellen Rama-Verwandlung: Der Konservierungsstoff Kaliumsorbat wird nun nicht mehr für die Herstellung des Streichfettes genutzt. Das begrüßt die Verbraucherzentrale aus der Hansestadt Hamburg – hält die neu aufgedruckte Aussage „100 Prozent natürlich Zutaten“ aber weiterhin für mindestens „irreführend“. Denn nach wie vor findet sich in der Rezeptur der Zusatzstoff E471, eine Speisefettsäure, die künstlich produziert wird.

Einkauf in einem Supermarkt.
Augen auf beim Margarine-Kauf: Rama hat die gleiche Größe und den gleichen Preis, der Inhalt ist allerdings geschrumpft. Eine versteckte Preiserhöhung! © Martin Wagner/Imago

Neben der Frage, ob Rama 100 Prozent natürlich ist, stellt sich auch die Frage, wie gut die Änderungen für die Natur selbst sind. Denn dadurch, dass die vorhandenen Becher nun weniger befüllt werden, entsteht deutlich mehr Plastikmüll. Die Verbraucherzentrale rechnet vor: 1000 Tonnen Rama müssen nun in einer halben Million mehr Plastikdosen abgefüllt werden:

Was für eine gigantische und gleichzeitig sinnlose Ressourcenverschwendung!

Verbraucherzentrale Hamburg zur reduzierten Befüllung der Rama-Verpackung

Rama-Konzern Upfield: „Dramatische Kostensteigerungen in der gesamten Lieferkette“

Von den Verbraucherschützern konfrontiert, rechtfertigt sich Upfield, das Unternehmen hinter Rama. Man habe mit dramatischen Kostensteigerungen in der gesamten Lieferkette zu kämpfen, sodass die Herstellung der Produkte „heute viel mehr kostet als noch vor einem Jahr“. Zu diesem „außergewöhnlichen Schritt“ habe man sich zudem bei anderen Produkten des Unternehmens entschieden:

Dem Unternehmen, hinter dem die Multi-Milliarden-schwere Beteiligungsfirma KKR steckt, ist dabei nach eigenen Angaben wichtig, dass sich die Verbraucher die Waren überhaupt leisten können: „Wir möchten, dass unsere Produkte so erschwinglich wie möglich bleiben. Deshalb haben wir die Grammatur einiger unserer Produkte leicht reduziert.“

Verbraucherzentrale Hamburg: „Shrinkflation“ wird sich wahrscheinlich häufen

Im Unternehmensschreiben nicht erwähnt wurde dabei, dass auch das Upfield-Produkt „Sanella“ die Shrinkflation durchgemacht hat. Auch hier bedeutet der gleichgebliebende Preis bei einer geschrumpften Verpackungsgröße von 500 Gramm zu 400 Gramm eine Preissteigerung um 25 Prozent.

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Die Verbraucherzentrale Hamburg erwartet derweil, dass solche versteckten Verteuerungen zunehmen könnten. Alte Verpackungen abzuverkaufen, neue zu planen und zu produzieren, das sei keine Umstellung, die innerhalb von wenigen Wochen geschehe, wie ein Sprecher der Zentrale dem Spiegel erklärte. „Wir schätzen, dass im Herbst, Winter und Anfang nächsten Jahres weiterhin die Masche mit der Shrinkflation stark angewendet wird“, so der Experte weiter. Die Verbraucherzentrale tritt auf jeden Fall für alle Belange der Kunden ein – auch, wenn mal herauskommt, dass die beliebte Geflügelwurst auch ordentlich Schweinefleisch enthält.

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