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Verbraucherzentrale mit dem Röntgenblick: Viel Luft in Mogelpackungen

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Von: Steffen Maas

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Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 15 Mogelpackungen aus dem Supermarkt mit Röntgen-Geräten durchleuchtet. Das Ergebnis: viel Luft, wenig Inhalt.

Hamburg – Manchmal öffnet man nach dem Einkauf daheim eine Packung und kommt sich veräppelt vor: Der Blick offenbart plötzlich viel Verpackung und wenig Inhalt. Oder: viel Luft um nichts. Der geneigte Verbraucher wünscht sich dann manchmal, schon im Supermarkt in die Tüten und Dosen gucken zu können. Genau das hat die Verbraucherzentrale Hamburg jetzt gemacht: Sie hat stichprobenweise 15 Produkte buchstäblich durchleuchtet – mit dem Röntgen-Gerät.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Im Schnitt bestand das Innere der Verpackungen aus über 50 Prozent aus Luft. Ein Hersteller ist mit 95 Prozent Luftanteil mit einer besonders frechen Mogelpackung unterwegs. Und auch einige Bio-Produzenten verschwenden hier wertvolle Ressourcen.

Institution:Verbraucherzentrale Hamburg
Adresse:Kirchenallee 22, 20099 Hamburg
Telefonnummer:040 248320
Öffnungszeiten:Mo-Do 10.00 bis 18.00 Uhr, Fr 10.00 bis 16.00 Uhr

Verbraucherzentrale Hamburg: Vitamin-Dose zu 95 Prozent mit Luft befüllt

Doch zunächst der unrühmliche Spitzenreiter der Luftschlösser: Das Vitamin B12 des Herstellers KAL kommt in einer Plastikdose, die, so schätzt die Verbraucherzentrale Hamburg nach Analyse der Röntgenbilder, zu 95 Prozent mit Luft gefüllt ist – und nur zu 5 Prozent mit Vitamin B12. Im Vergleich kommt da selbst das Verfolgerfeld in der Stichprobe schon fast harmlos daher: Eine Backmischung für Bananenbrot, ein Mandelgebäck, eine Fertigmischung für einen Apfel-Nuss-Tassenkuchen und Schinken-Hörnlis fallen trotzdem mit 65 Prozent Luftanteil deutlich negativ auf. Doch auch die restliche Stichprobe besteht aus Produkten, die man keineswegs als Platzwunder bezeichnen kann. Jede Verpackung im Test war mindestens zur Hälfte mit Luft gefüllt.

Einkauf Röntgenbild Produkt Mogelpackung Verbraucherzentrale Hamburg
Beim regelmäßigen Einkauf ist manchmal ganz klar, was man kauft – manchmal aber auch nicht. Um Licht ins Dunkel zu bringen, hat die Verbraucherzentrale Hamburg einige Produkte geröntgt. (24hamburg.de-Montage) © Fabian Sommer/dpa & Verbraucherzentrale Hamburg (2)

Für Kunden ist das in Zeiten der Inflation, wo das Geld an allen Ecken fehlt, ganz bitter. So beschleicht den Verbraucher das Gefühl, nicht nur vom Hersteller hinters Licht geführt zu werden, sondern auch viel Geld für wenig Inhalt auszugeben. Leider kein Einzelfall: Zuletzt hatte der Verbraucherschutz noch vor Herstellern und Produkten gewarnt, die zwar ihre Verpackungsgröße beibehalten, aber weniger befüllt werden. Zusätzlicher Verlierer der Mogelpackungen: die Umwelt. Eine große Verpackung, die nur zur Hälfte befüllt wird, ist geradezu unverschämte Verschwendung wertvoller Ressourcen und produziert eine Menge unnötigen Müll.

Verbraucherschutz Hamburg: Auch Bio-Hersteller verschwenden Geld und Ressourcen

Doch auch ausgesprochene Klimaschützer machen vor der fragwürdigen Masche nicht Halt: „Selbst Bio-Hersteller, deren Produkte eigentlich für mehr Nachhaltigkeit stehen, verschwenden durch Luftpackungen wertvolle Ressourcen und täuschen zugleich ihre Kundschaft“, ärgert sich Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Vier der insgesamt 15 untersuchten Produkte tragen ein Bio-Siegel.

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Rein rechtlich seien die Luftpackungen kaum zu belangen, bedauern Valet und die Verbraucherzentrale. „Das Eich- und Verpackungsrecht gibt Herstellern viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Produkte.“ Die Verbraucherzentrale in der Hansestadt Hamburg geht dennoch regelmäßig gegen Anbieter vor, wenn es möglich ist. So haben die Verbraucherschützer zuletzt beispielsweise erfolgreich durchgesetzt, dass Lidl ein Müsli nicht in einer halbleeren Dose verkaufen darf.

„Bis sich die Rechtslage ändert, sollte man Ware mit zu viel Luft konsequent im Regal stehen lassen und sich bei den Herstellern beschweren“, rät Valet. Die Verbraucherzentrale Hamburg stellt hierfür einen kostenlosen Musterbrief zur Verfügung. Auf der Suche nach den ärgerlichen Mogelpackungen wurde die Verbraucherzentrale von der Niederlassung SLV Fellbach der „GSI – Gesellschaft für Schweißtechnik International mbH“ unterstützt, die die Röntgenbilder anfertigten.

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