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Weitere Heiz- und Strom-Entlastungen in 2023: Für wen es wie viel Geld gibt

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Von: Oliver Schmitz

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Im Kampf gegen die Energiekrise sollen etliche Heiz- und Strom-Entlastungen helfen. Wie viel Geld gibt es? Was muss ich dafür tun? Der große Überblick.

Köln – Die steigenden Heiz- und Strompreise in Deutschland sorgen derzeit für etliche Sorgenfalten. Viele Haushalte müssen jetzt oder bald vielfach höhere Abschläge bezahlen – und eine schnelle Besserung scheint nicht in Sicht. Die Angst, die vielleicht hohen Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können, ist bei vielen groß. Um das zu verhindern, hat die Bundesregierung nach und nach verschiedene Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht, berichtet 24RHEIN.

Auch 2023 gibt es weitere Heiz- und Strom-Entlastungen

Nach den ersten Maßnahmen wie 9-Euro-Ticket, Tankrabatt oder der Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme kommen 2023 noch weitere Entlastungen hinzu. Doch bei den vielen Zahlungen, Preisbremsen und Zuschüssen kann man schnell den Überblick verlieren. 24RHEIN erklärt die kommenden Unterstützungen kurz und verständlich.

Taschenrechner und Rechungen und eine Hand dreht am Thermostat einer Heizung (Montage).
Durch die steigenden Gaspreise sind Heizen und auch Strom in Deutschland teurer geworden. (IDZRW-Montage) © Jochen Tack/Imago & imagebroker/Imago

Überblick: Diese Energie-Entlastungen gibt es 2023

Energiepauschale auch für Rentner, Studierende und Fachschüler

► Erklärung: Was ist die Energiepreispauschale? Eine einmalige Zahlung aufgrund der steigenden Energiepreise. Alle Arbeitnehmer in Deutschland (im Jahr 2022) haben diese bereits erhalten.

► Wer profitiert davon? Rentner, Studierende und Fachschüler

► Wie viel Geld gibt es? Rentner erhalten 300 Euro (brutto). Studierende und Fachschüler 200 Euro (netto), unabhängig vom BAföG.

► Wie bekommt man Energiepauschale? Rentner erhalten die Energiepauschale direkt über die Rentenversicherung. Studierende und Fachschüler werden dieser voraussichtlich über eine „digitale Plattform“ beantragen müssen.

► Wann und wie lange? Rentner bekommen die Energiepauschale im Dezember 2022. Für Studierende und Fachschüler gibt es sie grob „Anfang 2023“.

„Wohngeld Plus“: Reform bringt mehr Geld für mehr Leute

► Erklärung: Was ist das Wohngeld Plus? Es ist die bisher größte Reform des Wohngeldes überhaupt. Statt bisher 600.000 Menschen haben damit rund zwei Millionen Menschen Anspruch auf die Sozialleistung. Zeitgleich wird die ausgezahlte Summe erhöht.

► Wer profitiert davon? Haushalte mit geringen Einkommen, das knapp oberhalb der Grundsicherungsgrenze liegt. Dazu gehören vor allem Familien, Alleinerziehende sowie Seniorinnen und Senioren. Ob man Anrecht hat, kann man mit dem Wohngeld-Plus-Rechner herausfinden.

► Wie viel Geld gibt es? Durchschnittlich 370 Euro pro Monat, also ganze 190 Euro mehr als zuvor. Die Höhe hängt aber von mehreren Faktoren wie der Größe des Haushalts, Einkommen oder Wohnungskosten ab. Der genaue Betrag vom örtlichen Wohngeldamt geprüft und festgelegt. Der Wohngeld-Plus-Rechner kann hierbei aber ebenfalls eine Orientierung bieten.

► Wie bekommt man das Wohngeld Plus? Es muss bei den örtlich zuständigen Wohngeldämtern der Gemeinde-, Stadt-, Amts- oder Kreisverwaltungen beantragt werden.

► Wann und wie lange? Dauerhaft ab dem 1. Januar 2023

Kindergelderhöhung: Mehr Geld pro Kind und für Haushalte mit geringem Einkommen

► Erklärung: Was ist die Kindergelderhöhung? Im Zuge der Energiekrise sollen Familien laut Bundesregierung „besonders“ unterstützt werden. Einerseits durch eine gewöhnliche Erhöhung des Kindergelds und andererseits durch einen höheren Kinderzuschlag.

► Wer profitiert davon? Von der gewöhnlichen Kindergelderhöhung alle Familien und Alleinerziehende mit Kindern, von dem Kinderzuschlag nur Familien und Alleinerziehende mit geringem Einkommen.

► Wie viel Geld gibt es? Bei der allgemeinen Kindergelderhöhung sind es 250 Euro pro Kind und Monat. Für das erste und zweite Kind sind das monatlich 31 Euro mehr und für das dritte 25 Euro mehr. Der Kinderzuschlag steigt derweil auf maximal 250 Euro pro Monat.

► Wie bekommt man die Kindergelderhöhung? Sowohl Kindergeld als auch der Kinderzuschlag müssen beantragt werden.

► Ab wann und wie lange? Dauerhaft ab dem 1. Januar 2023

Inflationsausgleich: Steuererleichterung durch Abbau der „kalten Progression“

► Erklärung: Was ist der Inflationsausgleich? Dieser soll die sogenannte „kalte Progression“ abbauen und somit steuerliche Mehrbelastungen verhindern. Dabei handelt es sich laut Bundesregierung um eine „schleichende Steuererhöhung“. Also wenn eine Gehaltserhöhung komplett durch die Inflation „aufgefressen“ wird, aber dennoch zu einer höheren Besteuerung führt. Damit hätte man real weniger Geld in der Tasche, obwahl das Gehalt gestiegen ist.

► Wer profitiert davon? Alle Menschen, die Lohnsteuer bezahlen.

► Wie viel Geld spart man? Das hängt von der Höhe der gezahlten Lohnsteuer ab. Wer mehr Einkommensteuer zahlt, wird in der Summe auch mehr entlastet. Prozentual ist die Entlastung aber höher für Menschen mit niedrigerem Einkommen.

► Wie bekommt man den Inflationsausgleich? Wer keine Lohnsteuern bezahlt, wird durch den Inflationsausgleich auch nicht entlastet.

► Wann und wie lange? Erster Entlastungsschritt ab 1. Januar 2023 und zweiter ab 2024.

Heizkostenzuschuss II: Energie-Entlastung für Wohngeld und BAföG-Empfänger

► Erklärung: Was ist der Heizkostenzuschuss II? Eine einmalige, direkte Energie-Entlastung für Menschen mit kleinem Einkommen.

► Wer profitiert davon? Alle Empfängerinnen und Empfänger von BAföG und Wohngeld.

► Wie viel Geld gibt es? BAföG-Empfänger erhalten 345 Euro, bei Menschen mit Wohngeld ist es nach Größe des Haushalts gestaffelt. Ein Ein-Personen-Haushalt bekommt 415 Euro, bei einem Zwei-Personen-Haushalt sind es 540 Euro. Für jede weitere Person gibt es dann 100 Euro obendrauf.

► Wie bekommt man den Heizkostenzuschuss II? Das Geld wird allen Berechtigten pauschal auf ihr Konto überwiesen. Somit muss er nicht beantragt werden und es sind keine Nachweise notwendig.

► Wann und wie lange? Der Heizkostenzuschuss II soll im entweder Ende Januar 2023 oder Anfang Februar 2023 kommen. Dabei handelt es sich um eine einmalige Leistung.

Gaspreisbremse: Das Hauptwerkzeug gegen die steigenden Heizkosten

► Erklärung: Was ist die Gaspreisbremse? Eine Entlastung aufgrund der steigenden Gaskosten. Dabei wird der Gaspreis bei 12 Cent pro Kilowattstunde (brutto) gedeckelt, für Fernwärmekunden auf 9,5 Cent. Jedoch jeweils nur für 80 Prozent des jeweiligen Vorjahresverbrauchs, für die restlichen 20 Prozent muss der Marktpreis gezahlt werden. Die befristete Gaspreisbremse wird ebenfalls der von den hohen Preisen betroffenen Industrie dabei helfen, Produktion und Beschäftigung zu sichern. Bei ihnen wird 70 Prozent des Preises pro Kilowattstunde auf 7 Cent (netto) gedeckelt. Der Bundestag hat die Gaspreisbremse am 15. Dezember beschlossen und der Bundesrat hat am 16. Dezember zugestimmt.

► Wer profitiert davon? Grundsätzlich alle Gas-Kunden, egal ob private Haushalte, Vereine, Pflegeeinrichtungen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen oder Unternehmen.

► Wie viel Geld spart man? Die Höhe der genauen Entlastung hängt vom eigentlichen Gaspreis des jeweiligen Anbieters ab. Laut der Verbraucherzentrale muss ein „größerer Vier-Personen-Haushalt“ durch diese Gaspreisbremse aber etwa 1000 Euro im Jahr weniger zahlen müssen. Kleinere Haushalte können mit einer Entlastung von mehreren hundert Euro rechnen.

► Wie bekommt man die Gaspreisbremse? Damit die Motivation zum Energiesparen trotz Deckelung des Gaspreises in den kommenden Monaten weiterhin bestehen bleibt, greift ab einem gewissen Verbrauch der (deutlich teurere) Marktpreis.

► Wann und wie lange? Die Gaspreisbremse soll am 1. März 2023 für Privathaushalte eingeführt werden und rückwirkend ab Januar 2023 gelten. Danach soll sie bis April 2024 laufen, eine Verlängerung ist aber möglich.

Strompreisbremse: Entlastung für steigende Stromkosten

► Erklärung: Was ist die Strompreisbremse? Eine Entlastung aufgrund der steigenden Stromkosten. Dabei wird der Strompreis für private Verbraucher bei 40 Cent pro Kilowattstunde (brutto) für 80 Prozent ihres historischen Verbrauchs gedeckelt werden. Für Industriekunden liegt der Deckel bei 13 Cent (netto) für 70 Prozent des historischen Verbrauchs. Der Bundestag hat die Strompreisbremse am 15. Dezember beschlossen und der Bundesrat hat am 16. Dezember zugestimmt.

► Wer profitiert davon? Grundsätzlich alle Strom-Kunden, egal ob private Haushalte, Vereine, Pflegeeinrichtungen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen oder Unternehmen.

► Wie viel Geld spart man? Die Höhe der genauen Entlastung hängt vom eigentlichen Strompreis des jeweiligen Anbieters ab.

► Wie bekommt man die Strompreisbremse? Die Deckelung für private Verbraucher gilt für den Basisbedarf von 80 Prozent des Vorjahresverbrauches, also genau wie bei der Gaspreisbremse.

► Wann und wie lange? Sie soll am 1. März 2023 eingeführt werden und rückwirkend ab Januar 2023 gelten. Danach soll sie bis 30. April 2024 laufen.

Härtefallfonds: Energie-Entlastung, wenn Preisbremsen nicht ausreichen

► Erklärung: Was sind die Härtefallfonds? Haushalte, Unternehmen und Einrichtungen, die durch die steigenden Energiepreise „in besonderer Weise betroffen sind“ erhalten zusätzliche finanzielle Unterstützung.

► Wer profitiert davon? Zum Beispiel Mieterinnen und Mieter, Wohnungsunternehmen, soziale Träger, Kultur und Forschung.

► Wie viel Geld gibt es? Das hängt ganz vom jeweiligen Bedarf des Antragstellers ab.

► Wie bekommt man Geld aus den Härtefonds? „Auch für Organisationen und Einrichtungen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern und die Demokratie stärken, ist eine Härtefallregelung vorgesehen, soweit sie aus Bundesmitteln in Form von Zuwendungen förderbar und im Bereich der Bundeszuständigkeit tätig sind“, schreibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Man sei dabei, ein Konzept zu erarbeiten, um Antrags- und Auszahlungsverfahren zu konkretisieren. In Köln stellt die RheinEnergie einen Fonds von rund einer Million Euro bereit, um Menschen mit besonderer Belastung zu helfen.

► Wann und wie lange? Die zusätzlichen Härtefallfonds wurden am 2. November 2022 auf den Weg gebracht. Ein genaues End- oder Start-Datum gibt es aktuell noch nicht.

49-Euro-Ticket: Deutschlandticket als Nachfolger für das 9-Euro-Ticket

► Erklärung: Was ist das 49-Euro-Ticket? Der Nachfolger des im Sommer 2022 eingeführten 9-Euro-Tickets. Mit dem 49-Euro-Ticket können Menschen in ganz NRW mit Bussen, Bahnen und Regionalzügen fahren. Das ist zwar keine direkte energiebezogene Entlastung, gehört aber zum dritten Entlastungspaket der Bundesregierung

► Wer profitiert davon? Jeder Mensch in Deutschland, der den öffentlichen Personennahverkehr regelmäßig nutzen möchte.

► Wie viel Geld spart man? Das hängt vom Preis des bisherigen ÖPNV-Abos ab. Für viele Menschen lohnt sich das 49-Euro-Ticket, für viele andere aber eher nicht.

► Wie bekommt man das 49-Euro-Ticket? Das Deutschlandticket soll „papierlos“ also digital in einer App oder als Scheckkarte gekauft werden können. Es ist monatlich kündbar. Das neue ÖPNV-Abo soll vorerst für den Zeitraum von zwei Jahren 49 Euro im Monat kosten, danach kann sich der Preis ändern.

► Wann und wie lange? Geplant ist, dass das 49-Euro-Ticket im April 2023 kommen soll. Laut Verkehrsunternehmen sei aber auch ein Start erst im Mai 2023 möglich. Das „Deutschlandticket“ soll dauerhaft gelten.

Soforthilfe: Einmalzahlung für Gas- und Fernwärme-Kunden im Dezember 2022

► Erklärung: Was ist die Soforthilfe? Die Bundesregierung übernimmt wegen der steigenden Energiepreise die Kosten für den Dezember-Abschlag für Gas und Fernwärme.

► Wer profitiert davon? Alle privaten Haushalte sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen (unter 1,5 Millionen Kilowattstunden), die Gas oder Fernwärme nutzen. Das gilt auch für Mietwohnungen oder Wohnungseigentümergemeinschaften.

► Wie viel Geld spart man? Die gesamten Heizkosten (Gas oder Fernwärme) für den Monat Dezember 2022. Der Betrag orientiert sich an dem im Monat September 2022 prognostizierten Jahresverbrauch.

► Wie bekommt man die Soforthilfe? Mieterinnen und Mieter erhalten die Dezember-Sorforthilfe über die nächste Nebenkostenabrechnung (2023). Wer selbst Gas-Kunde ist, zahlt derweil einfach keinen Abschlag.

► Wann und wie lange? Vom 1. bis 31. Dezember 2022 – also den ganzen Monat. Jedoch handelt es sich dabei um eine einmalige Leistung.

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Dieser Text wird laufend aktualisiert.

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